Kriminalstatistik unter der Lupe: Unsichere Straßen in Augsburg oder doch alles in Ordnung?

Die Straßenkriminalität ist gestiegen, besonders nachts. Mit mehr Präsenz will die Polizei vorbeugen.
 
Vor allem Vandalismus, wie Graffiti, tragen zu der hohen Straßenkriminalität bei. (Foto: Symbolbild, ilze79 - 123rf.de)

In der Kriminalstatistik der Polizei steht es Schwarz auf Weiß: Die Zahl der gefährlichen Körperverletzungen im öffentlichen Raum hat zugenommen. Fast ein Drittel aller Straftaten im Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums Schwaben Nord rechnen die Ermittler nichtdeutschen Tatverdächtigen zu. Doch was steckt hinter diesen Zahlen? Es lohnt sich, genauer nachzulesen.

Insgesamt 19 028 Tatverdächtige ermittelte die nordschwäbische Polizei im vergangenen Jahr. 6042 waren ohne deutschen Pass. Davon müssen noch 285 Personen abgezogen werden, die in Deutschland nicht gemeldet sind, "weil sie Touristen oder Durchreisende sind oder sich illegal in Deutschland aufhalten", erklärt die Polizei in ihrer Statistik. Würde man diese Gruppe nicht herausrechnen, ergebe sich "eine gewisse Verzerrung der Kriminalitätsbelastung zu Ungunsten der hier lebenden Ausländer". Es bleibt immer noch ein Anteil an nichtdeutschen Tatverdächtigen von 30,3 Prozent. Die Polizei stellt nüchtern fest: "Der Anteil (gemeldeter) Nichtdeutscher an der Bevölkerung im Bereich des Polizeipräsidiums Schwaben Nord beträgt 11,6 Prozent."

Gefahr im öffentlichen Raum durch "Zuwanderer" verschwindend gering

Doch wenn sich die AfD und andere Rechtspopulisten in ihren Warnungen vor Flüchtlingen bestätigt sehen, dann irren sie. Tatsächlich gehören nicht einmal ein Viertel der Tatverdächtigen ohne deutschen Pass zu der Gruppe der "Zuwanderer". Unter diesem Begriff fasst die Polizei Menschen zusammen, die sich als Asylbewerber, mit Duldung, als Kontingent- beziehungsweise Bürgerkriegsflüchtling oder unerlaubt in Deutschland aufhalten. An der Gesamtzahl der Tatverdächtigen machen sie mit 1466 gerade mal 7,7 Prozent aus.

Und die Polizei macht auf eine weitere Besonderheit dieser Gruppe aufmerksam: "Bei einem Vergleich zwischen der Personengruppe ,Zuwanderer' und ,Nicht-Zuwanderer' muss man berücksichtigen, dass sich die Alters- und Geschlechtsstruktur grundlegend unterscheiden", gibt Polizeipräsident Michael Schwald zu bedenken. Während der Anteil der unter 35-Jährigen in der Gesamtbevölkerung in Nordschwaben rund 38 Prozent beträgt, waren laut Polizei mehr als 83 Prozent aller Asylantragsteller jünger als 35 Jahre. Zudem sind fast 67 Prozent aller Asylantragsteller Männer. "Der Anteil der entsprechenden Alterskohorte an der Gesamtbevölkerung in Nordschwaben liegt bei knapp 20 Prozent", zitiert Schwald aus der Kriminalstatistik.

Insgesamt rechnet die Polizei den "Zuwanderern" 1988 Straftaten zu. Den größten Anteil machen Körperverletzungen (595) aus, gefolgt von Betrugsdelikten (427, davon 346 Schwarzfahren) und Diebstählen (343, davon 194 Ladendiebstähle). Doch: Weit mehr als die Hälfte (377) der Körperverletzungen haben sich in Asylbewerberunterkünften abgespielt. Überhaupt war bei 640 der 1988 Straftaten der Tatort eine Asylunterkunft. Zugespitzt lässt sich also festhalten, dass im öffentlichen Raum straffällig gewordene Zuwanderer vor allem ohne Fahrkarte in Bus oder Tram gefahren sind.

Mehr Kriminalität auf den Straßen

Doch die Kriminalstatistik enthält noch eine andere auf den ersten Blick alarmierende Zahl für die Stadt Augsburg: Die Fälle von Straßenkriminalität haben um 9,4 Prozent zugenommen. Sind Augsburgs Straßen also gefährlicher geworden?

Tatsächlich stimmt es, dass die Zahl der gefährlichen Körperverletzungen im öffentlichen Raum um 47 Fälle (Vergleich 2015: 277 Fälle und 2016: 324 Fälle) zugenommen hat. Das entspricht einer Steigerung von 17 Prozent. Bei genauer Betrachtung dieser Fälle spielte sich laut Polizei die Mehrzahl innerhalb der Partyszene ab. Marco Böck, Leiter des Sachgebiets "Kriminalitätsbekämpfung" im Polizeipräsidium Schwaben Nord, versichert, dass "die 80-Jährige völlig unbesorgt in der Osternacht um 5 Uhr morgens in den Gottesdienst" gehen könne. Doch sein Chef Schwald will dies noch weiter fassen. Für ihn sei es auch wichtig, dass jemand, der einen Cocktail trinken möchte, nicht Opfer eines Schlägers werde. Doch mehr als Präsenz zeigen, können die Beamten kaum tun. Polizeipräsident Schwald sieht hier eine gesellschaftliche Entwicklung, die von der Polizei alleine nicht aufgehalten werden könne.

Den Löwenanteil in der gestiegenen Straßenkriminalität macht übrigens Vandalismus - insbesondere Graffiti-Schmierereien - aus. Hier waren es 54 Prozent oder 287 Fälle mehr. Und so ergibt sich letztendlich eine Steigerung der Fallzahlen für Straßenkriminalität um 9,4 Prozent. Noch immer Spitzenreiter bei den Straftaten im öffentlichen Raum sind aber Diebstähle mit insgesamt 2050 Fällen.

Zuwanderer haben aber mit der Straßenkriminalität so gut wie gar nichts zu tun. Nur zwei Prozent der Tatverdächtigen gehören laut Böck zur Gruppe der Asylbewerber.
(Von Markus Höck)
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