Missbrauchsvorwurf: Entscheidung der Kirche steht weiter aus

Das kirchenrechtliche Verfahren gegen den früheren Unterthürkheimer Pfarrer ist noch immer nicht abgeschlossen. Die Dienstausübung ist ihm aber dauerhaft untersagt. Derzeit beschäftigt sich der Vatikan mit dem Fall.

Die Kirche hat noch immer keine Entscheidung zum sexuellen Missbrauchsvorwurf gegen den früheren Unterthürheimer Pfarrer getroffen. Das kirchenrechtliche Verfahren sei noch nicht abgeschlossen, teilte der stellvertretende Leiter der Pressestelle im Augsburger Bischöflichen Ordinariat, Nicolas Schnall, auf Nachfrage unserer Zeitung mit. Das Verfahren liege derzeit im Vatikan, so Schnall weiter. Dort wird es von der Glaubenskongregation bearbeitet. Der Bistumssprecher machte deutlich, dass sich die Sache zeitlich noch hinziehen könne. Das Verfahren könne in solchen Fällen erfahrungsgemäß länger dauern, erklärte Schnall.

Der sexuelle Missbrauch soll sich Anfang der 1980er-Jahre im Ausland zugetragen haben. Der Pater war damals im Orden der Benediktiner tätig. Seit 2005 stand er im Dienst des Bistums Augsburg. 2007 wurde er Pfarrer in Maria Hilf in Unterthürheim. Im Juni 2013 beurlaubte ihn das Bistum. Diese Entscheidung erfolgte in Abstimmung mit der diözesanen Beauftragten für Fälle sexuellen Missbrauchs. Zudem sei die Staatsanwaltschaft über den Sachverhalt informiert worden, hieß es damals.

Pfarrer bereits wegen Besitz von kinderpornografischem Bildmaterial verurteilt


Der sexuelle Missbrauchsvorwurf gegen den Geistlichen hatte in der Pfarreiengemeinschaft große Bestützung ausgelöst. Der Pater selbst gab zu dem Vorwurf nie eine öffentliche Stellungnahme ab. Im März verurteilte das Amtsgericht Augsburg ihn wegen Besitz von kinder- und jugendpornografischem Bildmaterial zu einer Geldstrafe von 90 Tagessätzen. Der Strafbefehl sei zustande gekommen, weil auf dem Computer des Pfarrers entsprechendes Material gefunden wurde, so der Pressesprecher am Augsburger Amtsgericht für Strafsachen, Roland Fink.

Auf diese Verurteilung reagierte auch das Bistum. "Aufgrund des rechtskräftigen Strafbefehls der Staatsanwaltschaft Augsburg ist an einen künftigen Einsatz in der Seelsorge nicht mehr zu denken", so Nicolas Schnall vom Bischöflichen Ordinariat. Der Pater sei emeritiert. Das heißt: "Die Ausübung des Dienstes als Priester ist ihm dauerhaft untersagt."

Nun ist die vatikanische Glaubenskongregation am Zug. Unter dem Aspekt des großen Missbrauchsskandals in der katholischen Kirche hat der Vatikan 2010 seine Regeln für den Kampf gegen Pädophilie und ähnliche Verbrechen verschärft und erweitert, so unter anderem die Verjährungsfrist für Pädophilie von bisher zehn auf 20 Jahre verlängert. Als "schwerwiegenderes Verbrechen gegen die Sitten" wertet die Glaubenskongregation mittlerweile auch den Besitz und die Verbreitung kinderpornografischen Materials. Eine Statistik des Vatikans belegt, dass 2011 und 2012 nahezu 400 Priester wegen Kindesmissbrauchs des Amtes enthoben wurden.
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