Misshandelte Frau verweigert Aussage vor Augsburger Gericht: Angeklagter ist ihr Verlobter

Am 10. Mai wird die Verhandlung um die Misshandlungen im Amtsgericht Augsburg fortgesetzt. (Foto: Symbolbild, tom_u-123rf.de)

Freiheitsberaubung, gefährliche Körperverletzung, Nötigung und Sachbeschädigung. Eine 33-jährige Frau hat sich auf einen äußerst rabiaten Lebensgefährten eingelassen. Trotz aller Misshandlungen bestand die zierliche Frau gestern vor dem Schöffengericht am Augsburger Amtsgericht darauf, mit dem Angeklagten aus dem Landkreis verlobt zu sein. Als Verlobte muss sie nicht gegen ihren Peiniger aussagen.

Die Vorwürfe von Staatsanwältin Kathrin Schmid wiegen schwer. Demnach habe der 42-jährige Rumäne, der seit zwölf Jahren in Deutschland lebt, seine Verlobte immer wieder malträtiert. Der vorläufige Höhepunkt der Streitereien war im Dezember 2016. "Der Angeklagte hat seine Lebensgefährtin in der gemeinsamen Wohnung mit einem Klebeband an Händen und Füßen gefesselt", betonte Schmid. Außerdem habe er ihr einen Schal um den Hals gewickelt und ihr den Mund zugeklebt. Aber damit noch nicht genug.

Frau beharrt auf Verlobung mit Angeklagtem

"Während der Fesselung drückte er ihr mehrfach sein Knie in den Bauch, hielt ihr den Mund zu und würgte sie." Ferner habe er gedroht, "ich mach sie alle." Die Verhandlung hatte noch nicht begonnen, als sich die 33-Jährige erstmals den Unmut der Vorsitzenden Richterin Rita Greser zuzog: Auf dem Weg zum Zeugenstuhl küsste sie im Vorbeigehen den Angeklagten. "Sie wissen genau, dass das verboten ist", schimpfte die Richterin. Auch nach einigen Überredungsversuchen, die Zeugin doch zu einer Aussage zu bewegen, blieb die Frau dabei: "Ich bin definitiv mit ihm durchgehend verlobt. Seit 2.10.2010." Als Beweis ließ sie Verteidiger Klaus Rödl einen goldenen Verlobungsring mit Gravur auf den Richtertisch legen. "Ich liebe diesen Mann. Ich habe Zwillinge von ihm und ein Kind im Bauch", betonte sie vehement. Zur Zeit ist sie mit dem fünften Kind schwanger. Außerdem habe man bei der Gemeinde schon das Aufgebot bestellt.

Richterin Rita Greser hatte durchaus Grund, den angegebenen Beziehungsstand anzuzweifeln. Schließlich hatte die schwarzhaarige Frau in Latzhosen bei polizeilichen Vernehmungen und auch vor der Ermittlungsrichterin angegeben, nicht mehr mit dem Angeklagten verlobt zu sein. "Nichts ist löslicher als ein Verlöbnis", bemerkte die Vorsitzende. Warum die Frau ihre Meinung änderte, blieb unklar. Von Zeugen wurde vermutet, sie habe Angst vor den Folgen ihrer Aussage und dem Angeklagten.

Der hagere Mann auf der Anklagebank hüllte sich in Schweigen. Die Dolmetscherin musste überwiegend nur für ihn übersetzen.

Zeuge berichtet: "Sie sah fürchterlich aus"

Anders dagegen ein 33-jähriger Altenpfleger und Theologe. Der Münchner besitzt in Pöttmes einige Wohnungen, die er vermietet hat. Frei von der Leber weg und ausführlich schilderte er dem Gericht, was ihm die Zeugin alles mitgeteilt hat. "In jener Nacht bettelte sie bei uns um Obdach. Wir haben sie aufgenommen, weil sie von ihrem Mann verprügelt wurde." Sie sei auf der Flucht gewesen. Ihre Lippen seien aufgeplatzt gewesen, die Augen verweint und geschwollen. Von der Fesselung mit Kabeln seien Fuß- und Handgelenke stark angeschwollen gewesen. "So was habe ich noch nicht gesehen." Es sei der Angeklagte gewesen, der sie so zugerichtet habe. "Sie sah fürchterlich aus."

Nachbar berichtet von "ständigem Streit"

Warum es zu den Streitigkeiten gekommen sei, wollte das Gericht wissen. Das wusste auch der Zeuge nicht genau. "Er ist massiv eifersüchtig. Und mit den Kindern gibt es auch immer wieder Probleme." Das Sorgerecht wurde ihnen bereits entzogen. Nicht zuletzt, weil die angeblich Verlobte Probleme mit dem Alkohol habe. "Sie ist oft blau wie ein Veilchen."

Die Misshandlungen in der Dezembernacht hätten über mehrere Stunden gedauert. Das bestätigte auch ein Wohnungsnachbar. "Da gab es ständig Streit, schon beim Einzug." Ein Polizeibeamter betonte: "Der ganze Ort wusste über das Pärchen Bescheid."

Angeklagter ist dem Gericht bereits bekannt - Fortsetzung am 10. Mai

Der Angeklagte, der als Metzgergehilfe und bis zu seiner Festnahme als Elektriker gearbeitet hat, ist vor Gericht kein unbeschriebenes Blatt. Wegen Nötigung und gefährlicher Körperverletzung wurde er schon mehrfach zu Gefängnisstrafen verurteilt. Bislang kam er mit Bewährung davon.

Wichtig für das Gericht ist jetzt die Klärung, ob die 33-Jährige tatsächlich mit dem Angeklagten verlobt ist oder nicht. Hinweise darauf könnte die zuständige Ermittlungsrichterin geben. Die befindet sich aber momentan in Urlaub. Bei der erneuten Einvernahme der Verlobten stellt ihr das Gericht eine Aichacher Rechtsanwältin zur Seite. Vielleicht, so hofft man, ist die Frau dann bereit, gegen den Angeklagten auszusagen. Am 10. Mai geht es weiter. (Von Alfred Haas)
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