Model oder Modell?

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2-jähriger Agenturchef aus einem kleinen Dorf im nördlichen Augsburger Landkreis soll Frauen zur Prostitution vermittelt und bedroht haben. Er verlangte 20 Prozent des Liebeslohnes.

Vielleicht hat man schon von Internetseiten gehört, auf denen junge Frauen, vorzugsweise aus Osteuropa, als "Model" angeboten werden. So eine Seite wird auch betrieben von einem 62-Jährigen und seiner Frau aus einem kleinen Dorf im nördlichen Landkreis. "Fußerotik", "Halbakte" und "Trachten" werden dort beispielsweise von Nataliya K., geboren 1984 in Lettland, versprochen. Der 62-Jährige muss sich seit Dienstag vergangener Woche wegen versuchter räuberischer Erpressung vor dem Aichacher Schöffengericht verantworten. Man wirft ihm vor, er habe eben diese Nataliya, die tatsächlich noch immer auf seiner Internetseite zu finden ist, zur Prostitution vermittelt, und dann von ihr und ihrem Freier Geld gefordert. Zahle sie nicht, werde sie sterben.

Bis in die späteren Abendstunden zog sich die Verhandlung vor Richterin Cornelia Handl hin, fortgesetzt wird sie im Januar. Zu undurchsichtig sind die Geschehnisse rund um die Modelagentur. Staatsanwalt Thomas Kolbe wirft dem Angeklagten vor, er habe Nataliya K. und deren Freundin im Oktober 2010 in sein Studio gelockt, das sich in dem kleinen Dorf im Landkreis-Norden befindet. Zwei Monate lang habe er Fotos gefertigt, doch Model-Auftrag sei keiner vermittelt worden. Dann habe der Angeklagte verlangt, dass die Frauen sich Männern anböten und den Kontakt zu einem Münchner Rechtsanwalt als potenziellen Freier hergestellt. Dieser habe beim ersten Treffen in einem Nobelhotel in der Landeshauptstadt 500 Euro bezahlt, beim zweiten 1000. 20 Prozent davon habe der Angeklagte verlangt und bekommen.

Sodann aber habe Nataliya K., 29, selbst den Kontakt zu dem betuchten Anwalt, 46, gehalten. Um zu verhindern, dass quasi an seiner Kasse vorbei gearbeitet wurde, habe der 62-Jährige gedroht, sie zu ermorden, falls sie ohne sein Wissen Männer treffe. Im Januar 2011 sei es zu einer Begegnung im „Stanglwirt“ am Wilden Kaiser gekommen. Der Angeklagte habe der Frau und dem Juristen aufgelauert: „Du stirbst, wenn er nicht zahlt“, soll er gedroht haben.

Der Rechtsanwalt erklärte als Zeuge vor Gericht, er habe niemals für Sex bezahlt. Er habe 2006 für Mandanten, die „ganz großen aus der Medienbranche“, im Internet recherchiert, welche Geschäfte sich mit Partneragenturen machen ließen. Dabei habe er Kontakt zu einer „Alicia“ bekommen, sich mit dieser getroffen und ihr, rein für Informationen, 1000 Euro gezahlt. Dann aber sei das Mandat im Sande verlaufen. Jahre später, 2010, habe er eine Mail erhalten. Absender: Alicia. Sie habe ihn nie vergessen und sehne sich nach ihm. In Wirklichkeit sei die Mail von dem Angeklagten gewesen, der gezielt Nataliya K. auf ihn angesetzt habe. Er habe sich mit dieser getroffen und sofort gesehen, dass sie nicht Alicia sei. Daraufhin habe sie ihm die traurige Geschichte erzählt, dass der Angeklagte ihr versprochen habe, sie könne als Fashion-Model in Mailand die Laufstege erobern. Dass er Geld sehen wolle. „Ich habe ihr 500 Euro gegeben. Das ist keine Unsumme für mich“, so der 46-Jährige. Er habe sich dann mit der jungen Frau angefreundet. Sie berichtete, sie habe sich schnell in ihn verliebt, dürfe in seiner Kanzlei arbeiten. Inzwischen sind die beiden ungleichen Erscheinungen ein Paar.

Der Angeklagte, vertreten von Rechtsanwalt Stefan Pfalzgraf, bestritt die Vorwürfe, die ihm gemacht werden. Er leidet unter einer Art Sprachstörung. Er könne die Worte einfach nicht herausbringen, schilderte er seine Schwierigkeiten. Und so gestaltete sich seine Vernehmung schwierig, mit langen Pausen, in denen er um Atem rang, den Kopf schüttelte, sich das Gesicht rieb und nervös mit den Händen über die Tischplatte strich. Er erklärte, er habe etwas dagegen gehabt, dass sich Nataliya K. prostituiere. Er habe ihr verboten, mit den von seiner Agentur angefertigten Bildern für ihre Dienste zu werben. Im Stanglwirt sei er dem Paar rein zufällig begegnet. Er habe dort mit seiner Frau ein Wochenende verbracht, weil diese dort den Schauspieler Wolfgang Stumph habe treffen wollen. Er habe niemals jemanden bedroht.

Am 7. Januar wird der Prozess fortgesetzt.
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