Nach Überfall auf Joggerinnen: 15-Jähriger vor Gericht

Der 15-Jährige muss sich nun vor dem Amtsgericht verantworten. (Foto: tom_u-123rf.de)


Der Fall erregte im Januar großes Aufsehen: Ein 15 Jahre alter Asylbewerber aus Syrien soll im Wald bei Kühbach drei Joggerinnen überfallen und sexuell genötigt haben. Doch auch, wenn sich nun sicher viele Menschen dafür interessieren, wie der Jugendliche bestraft wird und was er zu den Taten zu sagen hat: Verhandelt wird, weil er mit 15 Jahren noch Jugendlicher ist, unter Ausschluss der Öffentlichkeit.

Ab kommenden Mittwoch hat sich der junge Mann vor dem Jugendschöffengericht am Amtsgericht Augsburg zu verantworten. Unter Vorsitz von Richterin Ute Bernhard wird darüber entschieden, wie er bestraft werden soll. Die Staatsanwaltschaft hat gegen den 15-Jährigen Anklage wegen schwerer räuberischer Erpressung, sexueller Nötigung, gefährlicher Körperverletzung und vorsätzlicher Körperverletzung erhoben .

Wie berichtet, wird dem Jugendlichen vorgeworfen, am 8. Januar gegen 9 Uhr vormittags im Oberwittelsbacher Wald bei Kühbach zwei Joggerinnen aufgelauert zu haben. Die Opfer vermuteten später, dass er sie schon länger beobachtet, irgendwann im großen Bogen überholt und sie schließlich hinter einem Holzstoß erwartet hatte. Als die Frauen den Holzstoß passiert hatten, hörten sie ein Knacken, drehten sich um und sahen ihn auf sich zulaufen. Zunächst glaubten sie, er sei ebenfalls ein Jogger und wolle sie überholen. Sie traten auf beide Seiten des Wegs, um ihn durchzulassen. Doch er hegte ganz andere Absichten.

Der 15-Jährige wollte, davon ist die Staatsanwaltschaft überzeugt, die 46 und 50 Jahre alten Frauen im Bereich der Sieben-Wege-Kreuzung zwingen, ihm Mobiltelefone und Geld auszuhändigen sowie ihn zu küssen, indem er sie mit einem Brotmesser bedrohte. "Money" habe der Bursche, den sie viele Jahre älter geschätzt hätten, gefordert, sowie "Handy!", erklärte eine der Frauen später im Gespräch mit der Aichacher Zeitung. Die Freundinnen hatten jedoch weder Geld noch ein Telefon auf ihre Laufroute mitgenommen.

Die Frauen schlugen den Angreifer in die Flucht

Der Syrer habe ihr die Mütze vom Kopf gerissen, berichtete die 50-Jährige. Während sie stürzte, wandte er sich ihrer jüngeren Begleiterin zu und forderte von dieser "Kiss, kiss!". Geistesgegenwärtig beschied ihm die 46-Jährige, er bekomme einen Kuss auf die Wange, wenn er das Messer fallen lasse. Er tat es. Inzwischen war die andere Frau aufgestanden und hatte sich einen Stock gegriffen, und auch ihre Freundin schnappte sich einen herumliegenden Ast.

So vertrieben die beiden Frauen den Angreifer und schafften es zurück nach Kühbach, wo sie die Polizei verständigten. Die Freundinnen waren geschockt, aber froh über den glimpflichen Ausgang des Überfalls. Den Vormittag im Wald werden sie dennoch nie vergessen und noch heute beschleicht sie beim Laufen ein mulmiges Gefühl, zumal sie erfuhren, was wenig später einer weiteren Joggerin in dem Waldstück widerfahren war.

Die 56 Jahre alte Frau, die dem Jugendlichen auf der Verlängerung der Wöresbacher Straße begegnete, hatte weniger Glück als die ersten beiden Opfer. Laut Anklage zwang sie der 15-Jährige mit vorgehaltenem Messer zur Herausgabe ihres Handys. Danach schubste er sie, so dass sie zu Boden fiel. Bevor sie sich berappeln und fliehen konnte, griff er ihr an den Intimbereich.

Schon kurz nach den Überfällen gelang es der Polizei im Rahmen einer Großfahndung, den Tatverdächtigen in einem Heim für junge Asylbewerber in Rapperzell festzunehmen. Wenig später wurde bekannt, dass der Syrer schon mehrfach negativ aufgefallen war. Vor den Überfällen auf die Frauen hatte er morgens in dem Heim randaliert und es dann mit unbekanntem Ziel verlassen.

Verhandelt wird nächste Woche auch wegen Vorfällen, die sich außerhalb des Wittelsbacher Landes ereignet haben sollen. Anfang Oktober 2015 beschimpfte der Syrer in Neuendettelsau seinen Sportlehrer, würgte und schlug ihn.

Grund dafür soll gewesen sein, dass der 27-Jährige ihn aufgefordert hatte, die Turnhalle zu verlassen und zum Sprachunterricht zu gehen. Vor der Sporthalle traf der Asylbewerber zufällig auf ein elf Jahre altes Kind. Er trat den Buben, der am Boden saß, mit dem Fuß ins Gesicht und auf ein Knie. Als der Lehrer einschritt, biss er ihn.

Abends randalierte er in seiner Unterkunft, weil er nicht gleich Zugriff auf einen Gemeinschaftscomputer erhielt. Er provozierte Betreuer und bedrohte einen davon mit einem Messer.

Seit seiner Festnahme befindet sich der junge Syrer nicht mehr im Kreis Aichach-Friedberg, sondern in Untersuchungshaft. Verhandelt wird deshalb in Augsburg. (Monika Grunert Glas )
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