Nachbarn in Uniform: Sicherheitswacht soll Polizei unterstützen

Simon Bayer, Aysel Bozdag, Andreas Killisperger, Sylvia Bartholomä, Anton Prenka und Emre Temizyurek (von links) sind sechs der acht neuen Sicherheitswächter für Augsburg und Stadtbergen. Die anderen beiden waren bei der Ehrung im Polizeipräsidium verhindert. Foto: Janina Funk

Die Augsburger Polizei hat neue Mitglieder für die Sicherheitswacht ernannt. Alleine gefährliche Verbrecher jagen, sollen die Ehrenamtlichen jedoch nicht. Ihre Schwerpunkte liegen an anderer Stelle.

Mit seinen breiten Schultern sieht Anton Prenka aus wie der Prototyp eines Sicherheitswächters. Der Begriff "Bürgerwehr" gefällt ihm jedoch nicht. "Von uns wird keiner den Sheriff spielen", betont er. Gemeinsam mit sieben anderen Freiwilligen wird Prenka gestern im Polizeipräsidium in Augsburg zum Mitglied der Sicherheitswacht ernannt. Insgesamt 88 solcher Bürger in Uniform gibt es nun in ganz Nordschwaben, 26 davon in der Stadt Augsburg, in der seit nunmehr fast 20 Jahren Anwohner durch die Wohngebiete patrouillieren.

Die Aufgabe der Sicherheitswächter sei nicht das Jagen von Verbrechern, hebt auch Polizeivizepräsident Norbert Zink vehement hervor. "Es handelt sich hier nicht um eine Hilfspolizei." Wachsame Bürger sollen sie stattdessen sein, die acht neuen Aufpasser, Ordnungswidrigkeiten oder Sachbeschädigungen verhindern und verdächtiges oder kriminelles Verhalten umgehend der Polizei melden. Dafür sind die Sicherheitswächter mit modernen Funkgeräten ausgerüstet. Zur Verteidigung tragen Prenka und seine Mitstreiter Pfefferspray bei sich.

Ausgebildet wurden sie von Hauptkommissar Josef Gschoßmann in 40 Unterrichtseinheiten mit je 45 Minuten. Neben der Theorie lag der Schwerpunkt auf praktischen Schulungen zum richtigen Verhalten im Einsatz. "Wir wollen nicht, dass sie sich in Gefahr begeben", erklärt Polizeidirektor Zink.

Die Einsätze koordinieren werden die Beamten der Polizeiinspektion Augsburg. Für die Kommunikation untereinander haben die Wächter eine eigene Whatsapp-Gruppe gegründet. Zwei der neuen Sicherheitswächter werden sich um Augsburg kümmern, die anderen sechs sind für Stadtbergen eingeteilt. In ihren Bereichen sollen sie in Wohngebieten und Parks nach dem Rechten sehen, vor allem am Abend und an den Wochenenden. Dabei sind sie auch berechtigt, bei Verdächtigen Personalien festzustellen.

Drogenkonsum auf dem Kinderspielplatz


27 Mitglieder der nordschwäbischen Sicherheitswacht sind Frauen. Eine davon ist Aysel Bozdag. Sie wird künftig in Lechhausen unterwegs sein. "Wir sind sehr gut vorbereitet worden", sagt die 40-Jährige. Durch Pfefferspray und Digitalfunk fühlt sie sich auch für kritische Situationen bereit. Warum sie sich für die Nachbarschaftspatrouille gemeldet hat? "Auslöser war der Kinderspielplatz in Lechhausen", sagt sie. Dort seien häufig jugendliche Unruhestifter unterwegs, sogar Drogenspritzen lägen zwischen Schaukeln und Rutschen herum. "Da war für mich irgendwann klar, da muss was passieren."

Wer Sicherheitswächter werden möchte, muss ein paar Voraussetzungen erfüllen: So bekommt die Uniform im Regelfall nur, wer zwischen 18 und 65 Jahre alt und natürlich nicht vorbestraft ist. Ein Test zum Abschluss des Trainings soll zudem die Eignung bestätigen.

Der frühere Security-Mitarbeiter beim FCA, Anton Prenka, bringt noch eine zusätzliche Qualifikation mit. Er ist begeisterter Kampfsportler. In seinen Einsätzen will er jedoch durch Kommunikation und nicht durch Härte überzeugen. "Der Fokus liegt auf Jugendlichen, die sich nicht an die Ordnung halten", sagt der Vater von drei Kindern aus dem Stadtberger Ortsteil Leitershofen. Nach Feierabend will er nun dafür sorgen, dass es in seiner Nachbarschaft keinen Ärger gibt. Eine Aufwandsentschädigung von acht Euro pro Stunde erhalten er und seine Kollegen für dieses Engagement.

Deutlich jünger als die Anderen ist Emre Temizyurek. Er sieht darin einen Vorteil, um besser auf Jugendliche zuzugehen. Er habe gezielt nach einer Möglichkeit gesucht, sich einzubringen und zu helfen, erläutert der 21-Jährige, der gerade eine Ausbildung zur Fachkraft für Lagerlogistik macht. Die Freizeit für die Sicherheitswacht zu opfern, sei für ihn selbstverständlich.

Emre Temizyurek wohnt im Augsbruger Stadtteil Oberhausen. Patroullieren wird er nun aber in Stadtbergen, da es dort bisher noch keine Sicherheitswacht gab. Nun hat Bürgermeister Paul Metz Bedarf angemeldet. Mit den vielen Einbrüchen, die zuletzt in Stadtbergen zu verzeichnen waren, habe dies aber in erster Linie nichts zu tun. "Es geht darum Präsenz zu zeigen", sagt Metz. Die Sicherheitswächter seien für ihn nicht der verlängerte Arm der Polizei, sondern das verlängerte Auge.

Polizeivizepräsident Norbert Zink sieht das ähnlich. Wenn aber Einbrecher durch die Nachbarschaftspatrouille abgeschreckt würden, sei dies ein schöner Nebeneffekt.
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