Neun Busse beschädigt: "Eine Spur der Verwüstung"

Drei junge Männer mussten sich vor dem Amtsgericht verantworten, weil sie neun Busse mit Feuerlöschern und Notfallhämmern schwer beschädigt haben. Foto: © tom_u / 123rf.de

Dominik (20), Stefan (18) und Hannes (19, alle Namen geändert) haben sich am Rothsee auf dem Parkplatz eines Busunternehmens ausgetobt. Neun Busse beschädigten sie mit Feuerlöschern und Notfallhämmern schwer. Vor Gericht kommen sie glimpflich davon.

Sie brachen die Türen von neun Bussen auf, beschädigten Lenkradverriegelungen, besprühten die Busse innen und außen mit Löschpulver und stahlen Feuerlöscher und Notfallhämmer. Laut Anklageschrift verursachten sie einen Gesamtschaden von rund 182.000 Euro. Gestern mussten sie sich wegen Sachbeschädigung und Diebstahls vor dem Augsburger Amtsgericht verantworten.

Der Abend hatte auf einer Geburtstagsfeier begonnen, auf der neben Bier auch Hochprozentiges getrunken wurde. Irgendwann verließen Dominik und Stefan die Party und machten sich auf den Weg zum Vereinsheim eines Fischereivereins in der Nähe. Dominik hebelte mit einem Betonfuß die Tür auf und entwendete eine Insektenfalle, Spielkarten und eine Flasche Cola. Er könne sich selbst nicht mehr erklären, was sein Motiv für diese Taten gewesen sei, erklärt er dem Gericht. Stefan, der vor dem Vereinsheim wartete, warf die Insektenfalle anschließend in den See. Währenddessen war auch Florian nicht untätig. Er war in der Nähe unterwegs und hob einen Kanaldeckel aus der Verankerung. Er ist zusätzlich wegen versuchten gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr angeklagt. In diesem Moment sei ihm nicht bewusst gewesen, dass die fehlenden Deckel für andere Verkehrsteilnehmer eine Gefahr darstellen könnten, berichtet er.

Als die drei wieder auf der Geburtstagsparty angekommen waren, beschlossen sie, zu dritt erneut loszuziehen. Ihr Ziel: Der Parkplatz des nahegelegenen Busunternehmens. Mittels einer Taste an den Bussen sei es ganz einfach gewesen, die Türen zu öffnen, erzählt Dominik. Sie hätten gedacht, die Busse würden dort darauf warten, verschrottet zu werden. "In einigen Bussen stand Wasser und es fehlten Sitze", begründet er diese Vermutung. Deshalb sei ihnen nicht klar gewesen, dass ihr Verhalten einen so großen Schaden verursachen würde.

"Ich fand den Feuerlöscher interessant und wollte ihn wohl mal ausprobieren", erklärt Florian. "Es war irgendwie ein Kick, die Scheiben zu zerschlagen", sagt Stefan. Im Nachhinein sind sie sich einig, dass ihr Verhalten ihnen selbst unerklärlich ist.

Bereits am Tag nach der Tat waren Florian und Stefan bei der Polizei und gestanden. "Ich habe mich auch gleich beim Inhaber des Busunternehmens persönlich entschuldigt und angeboten, eine Wiedergutmachungszahlung zu leisten", erzählt Florian. Auch Dominik meldete sich eine Woche darauf bei der Polizei. Vor Gericht machen die drei ebenfalls einen einsichtigen und reumütigen Eindruck.

Wie eine Verkehrsbetriebswirtin des geschädigten Busunternehmens berichtet, sei noch nicht klar, wie hoch der tatsächliche finanzielle Schaden sei. Vor allem zwei Busse hätte es schlimm erwischt. Das salzhaltige Löschpulver hätte sich in allen Schächten und Ritzen festgesetzt und noch sei nicht absehbar, ob es Folgeschäden an der Elektronik gebe.

Fest steht für das Gericht allerdings, dass der in der Anklageschrift angegebene Schaden von 182.000 Euro zu hoch angesetzt ist. 50.000 bis 60.000 Euro seien realistischer. Wie die Verteidiger der drei Angeklagten berichten, gebe es bereits Verhandlungen mit dem Busunternehmen über eine Wiedergutmachungszahlung.

Die Jugendgerichtshelferin regt an, bei den drei jungen Männern das Jugendstrafrecht anzuwenden. Die Straftat sei bei allen konträr zum bisherigen Werdegang. Sie hält die Tat für einen einmaligen alkoholbedingten Ausrutscher.

"Erheblicher Vandalismus" und "sinnlose Gewalt" steckt für den Staatsanwalt in der Tat. "Eine Spur der Verwüstung" hätten sie hinterlassen. Er fordert jeweils zwei Wochen Dauerarrest und 160 Stunden gemeinnützige Arbeit. Florian solle außerdem die Fahrerlaubnis entzogen werden. Die Verteidiger dagegen sind sich einig, dass ihre Mandanten mit den zivilrechtlichen Folgen genug gestraft wären. Hilfsdienste, deren Größenordnung das Gericht bestimmen solle, seien ausreichend.

Das Gericht verurteilt die jungen Männer schließlich zu jeweils einem Freizeitarrest und 80 Stunden gemeinnütziger Arbeit. Gegen Florian wird zudem ein Monat Fahrverbot verhängt.
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