Pädophiler Kinderarzt: Das jüngste Opfer war erst fünf Jahre

Ein 40-jähriger mutmaßlich pädophiler Kinderarzt hat sich offenbar an deutlich mehr Kindern vergangen, als bisher angenommen. Mittlerweile geht die Staatsanwaltschaft von 18 Opfern aus. Auch soll der Mediziner im Besitz von 50 000 kinderpornografischen Bilder gewesen sein. Das Amtsgericht erließ nun einen erweiterten Haftbefehl. Foto: Bundespolizei (Symbolbild)

Der mutmaßlich pädophile Augsburger Kinderarzt hat sich offenbar an deutlich mehr Kindern vergangen, als bisher angenommen. Mittlerweile geht die Staatsanwaltschaft von 18 Opfern aus. Auch soll der 40-jährige Mediziner im Besitz von 50.000 kinderpornografischen Bildern gewesen sein. Das Amtsgericht erließ nun einen erweiterten Haftbefehl.

Der Mediziner war im Oktober 2014 verhaftet worden, weil gegen ihn der dringende Tatverdacht bestand, dass er mehrfach Buben sexuell missbraucht haben soll. Zunächst waren nur wenige Fälle mit dem Verdächtigen in Verbindung gebracht worden. Doch schon damals kündigten die Ermittler an, auch weitere Vorfälle untersuchen zu wollen.

Die Staatsanwaltschaft ist mittlerweile überzeugt, dass der Verdächtige, der auch am Klinikum Augsburg tätig war, in der Zeit von August 2007 bis August 2014 in Hannover, Augsburg, Nürnberg und München 18 Kinder im Alter von fünf bis elf Jahren, zum Teil mehrfach sexuell missbraucht habe. „Weiterhin wird ihm der Besitz von über 50 000 kinderpornographischen Bilddateien zur Last gelegt“, wie es in einer Pressemitteilung der Staatsanwaltschaft heißt.

Die Ermittlungen seien weit fortgeschritten, aber noch nicht abgeschlossen, betont die Staatsanwaltschaft. Auf die Spur des Mediziners waren die Ermittler erst nach dem Missbrauch an einem fünfjährigen Jungen im Raum Hannover gekommen. Der Tatverdächtige hatte zu der Zeit an der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) gearbeitet. Der Bub war im August 2014 allein auf seinem Fahrrad unterwegs gewesen und von einem Mann in einen Geländewagen gelockt worden. Der Täter hatte ihn für zwei Stunden in einer Wohnung gefangen gehalten und missbraucht. Vor einer Schule setzte der Täter das Kind schließlich aus. Die folgenden Untersuchungen der 20-köpfigen Ermittlungsgruppe – sie wertete fast 300 Spuren aus, darunter knapp 40 Zeugenhinweise aus der Bevölkerung – führten die Beamten nach Bayern.

Die Festnahme des damals 39-Jährigen war schließlich der Zusammenarbeit der Polizei in Hannover, München und Augsburg zu verdanken. Auch ein Profiler der Operativen Fallanalyse aus München war an der Tätersuche beteiligt. Auf die Spur des Mannes waren die Ermittler nicht nur durch überörtliche Recherchen gekommen. Insbesondere die Auswertung von Mobilfunkdaten rückte den Mediziner in den Fokus der Polizei. Zudem ergab der Abgleich mit einer DNA-Spur einen Treffer.

Der Beschuldigte befindet sich seit Mitte Oktober 2014 in Untersuchungshaft. Und dort wird er wohl noch eine Weile bleiben.
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