Polizistenmord: Die zwei Gesichter des Raimund M.

Raimund M. im Februar 2013 - umringt von Polizisten und seinen Anwälten. Foto: Archiv/Annette Liebmann

Die Persönlichkeit des mutmaßlichen Polizistenmörders Raimund M. tritt immer mehr zu Tage - so auch das Doppelleben, das er führte. Ein Urteil im Mammutprozess könnte bald fallen.

Der Mammutprozess um den Polizistenmord in Augsburg neigt sich dem Ende zu. Zwei Drittel der angesetzten 30 Sitzungstermine sind inzwischen abgehalten. Der Angeklagte, Raimund M. aus Friedberg, hält noch durch, obwohl seine Parkinsonerkrankung nicht zu übersehen ist und auch immer wieder thematisiert wird. Acht Zeugen sagten am 20. Verhandlungstag am Dienstag vor der 8. Strafkammer aus. Zum großen Teil waren es Polizeibeamte, die an diversen Durchsuchungen beteiligt waren oder Handydaten von M., beziehungsweise seinem in gleicher Sache verurteilten Bruder Rudi Rebarczyk, ausgewertet haben.

Bei vielen dieser Ausführungen werden zwei Dinge immer wieder deutlich. Zum einen Raimund M.s Liebe zu seinem Bruder, der bereits zum zweiten Mal wegen Mordes an einem Polizisten verurteilt wurde, zum anderen die Persönlichkeitsstruktur des 61-jährigen Mannes, der offenbar zwei Gesichter hat und zudem ein Doppelleben vor seiner Verhaftung im Dezember 2011 führte.

Zum wiederholten Male war von einem Zeugen der von Raimund M. stammende Satz zu hören, er würde für seinen Bruder Rudi alles tun und ohne Skrupel jeden über den Haufen schießen. Das ist der eine M., der außerdem seine mittlerweile von ihm geschiedene Ehefrau und die gemeinsame Tochter schützen will. Andererseits hat er die Standesbeamtin aus Friedberg über Jahre mit einer Geliebten betrogen, im Keller der Tochter Waffen in Kisten versteckt und auch den Bruder seiner Ex-Frau mit in die Sache hineingezogen. Das landwirtschaftliche Anwesen von Franz M. in Friedberg hat der mutmaßliche Polizistenmörder ebenfalls als Lager genutzt.

In der Verhandlung erzählte ein Kripo-Beamter, der unter anderem zur Besuchsüberwachung eingesetzt war, von einem Gespräch zwischen M. und seiner Frau: "Sie forderte ihn auf, er solle endlich sagen, wie es war. Sie warf ihm vor, dass die ganze Familie betroffen ist." Daraufhin soll M. erwidert haben: "Ich habe doch schon gesagt, dass die Kisten alle mir gehören." Zu einem Mitgefangenen, der ihn mit seiner Aussage stark belastet hatte, soll M. gesagt haben, dass es ein Fehler war, die Kisten bei seiner Tochter zu verstecken.

Ein anderer Mann, der sich eine Zeit lang die Zelle in der JVA Augsburg mit M. teilen musste, erzählte, wie er von ihm bedroht worden war: "Er war sauer wegen einer Zellendurchsuchung. Ich wurde in einen separaten Raum gebracht, kurz darauf kam er hinterher. Er drohte, wenn ich irgendwas sage, würde er mir einen Stuhl über den Kopf ziehen. Einmal polterte er, er könne mir mit einem Schlag den Kehlkopf zertrümmern."

Weiter beschrieb der 72-Jährige den Alltag in dem gemeinsamen Haftraum. Die "Mitternachtsaktionen" hätten ihn regelmäßig aus dem Schlaf gerissen. "Er konnte nicht schlafen und spazierte herum." Morgens ab 6 Uhr habe M. oft trainiert. "Er machte Situps, was das ganze Bett zum Wackeln brachte und mich weckte", erzählte der Handelsvertreter. Außerdem habe sich der Parkinsonkranke mit Klimmzügen am Bett und Oberarmmuskeltraining mit Hilfe von vollen Trinkflaschen fit gehalten. Drei Mal täglich habe er bis zu einer Stunde Übungen gemacht.

Raimund M. grinste einige Male während der Ausführungen seines ehemaligen Zimmergenossen. Außerdem drehte er sich mehrmals zu seinem Verteidiger Werner Ruisinger um und flüsterte ihm etwas zu. Welche Schlüsse das Gericht aus all den Zeugenaussagen und vielen erdrückenden Indizien ziehen wird, wird sich spätestens bei der Urteilsverkündung zeigen. Läuft es so weiter wie bisher und treten keine Überraschungen ein, könnte das am 10. März der Fall sein.

Bis dahin werden noch diverse im Raum stehende Raubüberfälle behandelt, die M. zusammen mit seinem Bruder begangen haben soll.
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