Prozess um Vergewaltigung mit Todesfolge: Angeklagter trug Frauenkleider und Make-up

Das Augsburger Landgericht verhandelt derzeit einen Fall von Vergewaltigung mit Todesfolge. (Foto: ©Robert Wilson-123rf.de)

Im Prozess um eine Vergewaltigung mit Todesfolge sagten gestern am Landgericht Augsburg unter anderem die Tochter und die von ihm getrennt lebende Ehefrau des Angeklagten aus. Dabei kam zur Sprache, dass der 57-Jährige gerne Frauenkleider trägt und "eigentlich in einem falschen Körper steckt".

Wie schon am ersten Verhandlungstag zeigte sich die Vorsitzende Richterin Susanne Riedel-Mitterwieser hartnäckig, wenn es um Details ging. Immer wieder bohrte sie nach, auch bei der 58-jährigen Ehefrau des Beschuldigten. 1990 hätte sie ihn geheiratet, sagte sie nach längerem Überlegen. "Ich wollte ihm nicht im Wege stehen, ich wusste nicht, wie ich mit seinen Neigungen umgehen soll", begründete die Bürokauffrau die Trennung. Die speziellen Neigungen bezogen sich darauf, dass der Angeklagte gerne Frauenkleider trug. Ansonsten habe es keine besonderen Praktiken im Eheleben gegeben. Zwischendurch schaute sie immer wieder zu ihrem Mann hin und lächelte ihm zu. Ihr Ehepartner habe immer zu viel getrunken, bei der Trennung "spielte der Alkohol aber keine Rolle". Ihr Mann habe die Trennung "ganz okay" gefunden.

Auch die 20-jährige Tochter wollte aussagen. Sie erinnerte sich an einen "liebevollen Vater", der mit ihr und ihrer älteren Schwester gerne gespielt hat. Zusammen mit ihrer Mutter hat sie ihren Vater vor einem Jahr am Oberhauser Bahnhof zum letzten Mal getroffen. "Ich hatte Geburtstag und er brachte mir ein Geschenk mit." Sie konnte sich nicht vorstellen, dass es wahr ist, was man ihrem Vater vorwirft. Auch sie habe mitbekommen, dass ihr Vater gerne Frauenkleider trägt. Auch habe er sich manchmal geschminkt.

Der ehemalige Arbeitgeber des 57-Jährigen berichtete dem Gericht, dass er den Angeklagten entlassen habe, "weil er nur noch sporadisch zur Arbeit erschien", begründete er. "In den letzten zwei Jahren ging es stark nach unten mit ihm." Einen glücklichen Eindruck habe der Angeklagte allerdings gemacht, "wenn er von seiner Lebensgefährtin erzählte. Er war schon happy, dass er in einer Beziehung lebt." Dem Arbeitgeber blieb nicht verborgen, dass der Angeklagte unter seinem Arbeitsanzug Frauenkleider anhatte. "Ich habe ihn in Strumpfhosen gesehen."

Der Leiter einer Tagesstätte für psychisch Kranke, die der Angeklagte besuchte, wusste, dass die Lebensgefährtin des 57-Jährigen "sehr dominant" gegenüber ihrem Partner war. Ständig sei sie stark alkoholisiert gewesen. Er habe versucht, sie zur Entgiftung zu schicken, "das machte sie aber nicht". Von körperlichen Übergriffen beiderseits habe er nichts mitbekommen.

Eine Sozialpädagogin habe beobachtet, wie der Angeklagte in den vergangenen drei Jahren immer mehr abmagerte. "Er konnte nichts mehr essen, weil er den Tod seines Bruders nicht verkraftete", sagte sie. Auch sie wusste, dass sich der 57-Jährige Hormonbehandlungen unterzog, "damit sein Busen wächst. Deswegen habe ich ihn zur Beratung zu Pro Familia geschickt". Aggressiv sei er ihrer Meinung nach nicht gewesen. "Ich habe ihn so nicht erlebt."

Dem Angeklagten wird vorgeworfen, dass er seine Partnerin vergewaltigte und dabei derart schwer verletzte, dass sie verblutete und starb. Am 11. Dezember geht die Verhandlung mit Aussagen der Sachverständigen weiter. (
Von Alfred Haas)
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