Qualvoller Tod für 20 Schafe

Weil er mit einem stumpfen Messer, ohne vorherige Betäubung und Genehmigung 20 Schafe auf einem Hof bei Pöttmes geschächtet hat, um sie für eine islamische Feier zu verwenden, wurde ein gebürtiger Togoer aus dem Landkreis Augsburg zu einer Geldstrafe von insgesamt 7.200 Euro verurteilt. Der 47-Jährige, auf dessen Anwesen die Tiere qualvoll getötet wurden, erhielt eine härtere Strafe: Weil er bereits einschlägig vorbestraft war, bekam er acht Monate auf Bewährung, zudem muss er 2.000 Euro an einen Tierschutzverein bezahlen.

Der als Zeuge geladene Polizist, der im Dezember vergangenen Jahres vor Ort war, beschrieb die Szene als "bestialisch": "Die Körper der geschlachteten Schafe lagen draußen im Dreck, Köpfe und Füße waren abgetrennt, das Fell mit einem Bunsenbrenner abgeflammt." Das Blut der Tiere habe man in den Gülleabfluss ablaufen lassen. Neben den Schlachttieren fanden sich mehrere blutverschmierte Messer. "Fast alle waren stumpf", erklärte der Polizist. Eine elektrische Betäubungszange hätten er und seine Kollegin auf dem Hof zwar auch vorgefunden, "die war aber unbenutzt". Vier dunkelhäutige Männer sowie der Hofbesitzer hätten sich an der Schächtung beteiligt. Das bedeutet: Die Tiere wurden nach islamischem Brauch per Schnitt durch die Halsschlagader ausgeblutet, ehe man ihnen Speise- und Luftröhre durchtrennte. "Das haben die Beschuldigten vor Ort auch zugegeben", so der Polizeibeamte.

Grundsätzlich verboten ist Schächten in Deutschland nicht. Allerdings braucht es für das Töten ohne Betäubung eine Ausnahmegenehmigung des Landratsamts, zudem müssen bestimmte Regeln eingehalten werden. Wäre es nur um die fehlende Genehmigung gegangen, hätte es sich lediglich um eine Ordnungswidrigkeit gehandelt. Zur Straftat wurde es, da die Schächtung mit einem stumpfen Messer ausgeführt wurde. Dadurch stand für Staatsanwalt Christoph Limmer fest, dass die Tiere Qualen erlitten.

Laut Amtstierärztin handelte es sich bei der Schächtung um eine klassische Schwarzschlachtung. Heißt: "Es wurde weder eine Lebendtier- noch eine Fleischbeschau durch einen Tierarzt vorgenommen", erläuterte die Veterinärin. Bei ersterer werde überprüft, ob das Schlachttier gesund sei; die anschließende Fleischuntersuchung stelle sicher, dass das Fleisch zum Genuss für Menschen tauglich sei.

"Normalerweise sollten Tiere nach der Schlachtung schnellstmöglich ausgenommen werden. Passiert das nicht, können Giftstoffe aus dem Darm auf das Fleisch übergehen, EHEC zum Beispiel, ein Bakterium, das vor allem bei Kindern lebensgefährliche Darminfekte verursachen kann", erläuterte die Veterinärin.

Nach Aussage eines Zeugen waren die 20 Schafe für ein Festessen in Augsburg bestimmt, zu dem Freunde, aber auch entfernte Bekannte eingeladen worden waren. Entsprechend lautete der Vorwurf der Staatsanwaltschaft nicht nur auf Tierquälerei, sondern auch auf Verbreitung von Fleisch, das zum Verzehr für den Menschen ungeeignet ist. Der Zeuge war übrigens einer der vier Männer, die an der Schlachtung beteiligt waren - und das wohl nicht zum ersten Mal. Laut Aussage des 47-jährigen Schafzüchters, eines gelernten Metzgermeisters, der jetzt als Koch und Erntehelfer arbeitet, suchten ihn die Schwarzafrikaner regelmäßig auf. Sie hätten stets einen guten Preis weit über dem üblichen Marktwert für die Schafe bezahlt - pro Tier zwischen 30 und 40 Euro. Mit der Schächtung selbst habe er nichts zu tun gehabt, teilte er über seinen Anwalt Florian Englert mit, er habe nur die lebenden Tiere verkauft.

Diese Erklärung wollte Richter Walter Hell nicht akzeptieren. Er folgte der Einschätzung der Amtstierärztin, die aussagte, die Tötung sei für die Tiere "wohl nicht schmerzfrei" gewesen. Der Schafzüchter hätte dies als gelernter Metzger wissen müssen. Aufgrund einschlägiger Vorahndungen verurteilte er den Mann zu acht Monaten Haft, ausgesetzt auf drei Jahre Bewährung. Von einem Haltungsverbot, wie vom Staatsanwalt Christoph Limmer gefordert, sah er jedoch ab.

Da sich der gebürtige Togoer und dreifache Vater, der bereits seit 1993 in Deutschland lebt und auch die hiesige Staatsbürgerschaft besitzt, kooperativ zeigte, belegte Walter Hell ihn lediglich mit einer Geldstraße von 90 Tagessätzen zu je 80 Euro.

Seine Belehrung an den Straßenbauarbeiter: "Da Schächten Teil der Ausübung der Religionsfreiheit ist, hat es der Gesetzgeber nicht vollkommen untersagt. Allerdings unterliegt es gewissen Spielregeln. Dazu gehört, dass das Messer absolut scharf sein muss und mit der Schlachtung erst dann weiter gemacht wird, wenn das Tier bewusstlos ist."

Er bereue sein Tun, gab der Angeklagte Togoer abschließend zu.
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