Randale im Bus: Wer sagt hier die Wahrheit?

Unter den unterschiedlichen Versionen von fünf Angeklagten muss das Gericht nun die richtige herausfinden. (Foto: 3178432_©tom_u-123rf.de)

Die fünf Angeklagten erfüllten jedes Klischee: Tätowiert bis ins Gesicht, geweitete Ohrlöcher, kurz geschorene Haare. Und bis zu 17 Vorstrafen wegen verschiedenster Straftaten von Diebstahl bis Totschlag. Weil die fünf in einem Bus massiv randaliert haben sollen, waren sie 2015 bereits vom Augsburger Amtsgericht verurteilt worden. Gestern fand nun die Berufungsverhandlung statt, in der Angeklagte und Zeugen die unterschiedlichsten Versionen des Vorfalls präsentierten.

Laut Anklage sollen die vier zwischen 30 und 33 Jahre alten Männer und die 26-jährige Frau am 2. Februar 2013 gegen 16.30 Uhr zunächst im Bus herumgeschrien und Bier verschüttet haben. Als der Busfahrer sie daraufhin des Busses verwies, sollen sie auf diesen und einen weiteren Fahrgast, der ihm zu Hilfe kommen wollte, losgegangen sein, die beiden geschlagen und getreten haben. Im Anschluss hätten sie mit Bier- und Wodkaflaschen geschmissen, wobei eine Flasche die Frontscheibe des Busses durchschlug und eine weitere den Fahrgast knapp über dem Auge traf.
Das Amtsgericht Augsburg hatte die erheblich vorbestraften Männer wegen gefährlicher Körperverletzung und Sachbeschädigung zu Freiheitsstrafen zwischen zwei Jahren vier Monaten und zwei Jahren acht Monaten verurteilt. Die zweijährige Haftstrafe der 26-Jährigen wurde zur Bewährung ausgesetzt. Angesichts der Persönlichkeiten und Vorstrafen der Angeklagten hielt die Staatsanwaltschaft das Urteil des Amtsgerichts für zu milde und legte Berufung ein. Auch die Angeklagten waren mit ihren Strafen nicht einverstanden und wandten sich gegen den Beschluss des Gerichts.
In der gestrigen Verhandlung waren sich die Angeklagten zumindest darüber einig, vor dem Landgericht aussagen zu wollen. Auch in einzelnen Punkten der Geschehnisse stimmten sie überein. Sie wären laut gewesen im Bus, der Busfahrer habe sie aufgefordert auszusteigen, ein Fahrgast sei schließlich zu ihnen gekommen, um den Busfahrer zu unterstützen und die 26-jährige Angeklagte habe diesen daraufhin geohrfeigt und sei von ihm festgehalten und in einen Sitz gedrückt worden. Was aber die weiteren Abläufe angeht, hat jeder der fünf seine ganz eigene Version.
Der 31-jährige Boris B. beispielsweise sagte aus, er sei ausgestiegen und habe sich vom Bus entfernt, als die Rangelei begann. Erst als der 34-jährige Marco M. gekommen sei und ihm erzählt habe, dass die 26-Jährige von dem Fahrgast zunehmend bedrängt würde, sei er zurück gelaufen. Dort habe ihm der Fahrgast gleich eine Flasche an den Kopf geworfen, er habe eine Platzwunde erlitten und sei kurz bewusstlos gewesen. Als er wieder zu sich gekommen sei, habe er gesehen, wie die Mitangeklagte den Fahrgast in den Bauch trat, während M. Flasche um Flasche aus dem Bierkasten genommen und in den Bus geworfen hätte. Er selbst habe sich nicht einmischen wollen, da er zum einen stark geblutet hätte und zu dieser Zeit auf Bewährung gewesen sei.
Marco M. erzählte die gleiche Geschichte etwas anders: Er sei der Angeklagten zu Hilfe geeilt, habe den Fahrgast darauf hingewiesen, dass er sie in Ruhe lassen solle und habe schließlich in seiner Verzweiflung begonnen, mit Flaschen zu werfen. „Ich wusste mir nicht anders zu helfen“, erklärte er dem Gericht. Dann sei Boris B. gekommen – unverletzt – und habe ihn beim Flaschenwerfen unterstützt. Wann und wie dieser sich verletzt hätte, wisse er nicht.
Schließlich berichtete auch der Fahrgast als Zeuge von den Vorfällen aus seiner Sicht: Er habe mit der Angeklagten gekämpft, die „außer sich“ gewesen sei. Wer alles Flaschen geworfen hätte, könne er nicht genau sagen. Er selbst habe definitiv keine Flasche auf Boris B. geworfen. Dieser sei gestürzt und habe sich dabei die Platzwunde zugezogen.
Dies ist nur ein Detail, zu dem das Gericht die unterschiedlichsten Angaben zu hören bekam. Wer aus Sicht des Richters hier nun die Wahrheit sagt, wird sich wohl am Donnerstag herausstellen, am zweiten und letzten Tag, der für die Berufungsverhandlung eingeplant ist.

Kristin Deibl
0
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.