Schatten über dem "Sommerwohnzimmer": Wie die Stadt Augsburg gegen Unruhestifter vorgehen will

Sommer am Rathausplatz: Meist geht es friedlich zu. Doch jüngst häuften sich Beschwerden über Lärm, Müll und Alkoholexzesse. Foto: Alexander Wiedemann

Müll, Lärm, Drogen, Gewalt: Am Königsplatz und Rathausplatz wollen Polizei und Stadt künftig härter durchgreifen. Helfen sollen auch eine Handvoll Marketingsprüche.

Zwei Polizisten drücken den Mann im beigen Kapuzenpulli gegen ihren Einsatzwagen. Stoisch lässt der Bärtige die Durchsuchung über sich ergehen. Doch so wenig Widerstand gegen die Polizei wie in dieser Situation gab es in den vergangenen Wochen am Königsplatz eher selten. Drogendelikte, eine Messerstecherei und Jugendliche, die Böller auf Einsatzkräfte werfen: Der Kö lieferte zuletzt einige Negativschlagzeilen. Und auch der zweite zentrale Platz Augsburgs, das Areal vor dem Rathaus, machte vor allem durch wenig schöne Dinge, wie Müll, Lärm und Alkoholleichen, auf sich aufmerksam.

Was tun gegen die Verrohung und Kriminalität im öffentlichen Raum? Nachdem die Polizei in der vorvergangenen Woche bereits verstärkte Kontrollen ankündigte, zog nun auch die Stadt Augsburg nach. Man wolle am Rathausplatz strengere Ordnungsmaßnahmen umsetzen und "entschieden und nachdrücklich vorgehen". Nicht mehr toleriert würden Verschmutzung, mutwilliges Stören durch übermäßigen Alkoholgenuss und überlaute Beschallung der Plätze. Dafür sollen Mitarbeiter des städtischen Ordnungsamtes künftig verstärkt rund ums Rathaus kontrollieren.

Oberbürgermeister Gribl setzt auch auf "charmante Vorgehensweise"

Hinzu komme, so verkündete Oberbürgermeister Kurt Gribl am vergangenen Donnerstag in der Pressekonferenz vor der Stadtratssitzung: Eine "charmante Vorgehensweise".

Diese beinhalte auch die Hoffnung darauf, dass Rathausplatz-Fans selbst Störenfriede ansprechen und auf ihr Fehlverhalten hinweisen, erklärte ein optimistischer Richard Goerlich. Der Pressesprecher der Stadt Augsburg schnürte zudem ein "Kommunikationspaket".

Hashtag "Sommerwohnzimmer": Ob das Unruhestifter umstimmt?

Unter anderem sollen dafür am Zugang zum Rathausplatz kleine Aufkleber mit verschiedenen Verhaltensregeln angebracht werden. Die Kampagne umfasst auch Plakate und Social-Media-Aktionen. Unter dem Hashtag "Sommerwohnzimmer" wirbt die Stadt dabei für einen sauberen und friedlichen Rathausplatz - mit Sprüchen wie "Chillen gerne auf mir. Ausnüchtern - bitte auf deiner eigenen Couch". Ob dies potenzielle Unruhestifter umstimmen wird, ist freilich fraglich.

Langfristig will die Stadt ohnehin auf einen "ganzheitlichen Ansatz" setzen, merkte Gribl im Stadtrat vergangene Woche noch an. In "internen Gesprächen" soll nun ein Konzept für Kö und Co. entwickelt werden.
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