Schottdorf beteuert Unschuld

Schottdorf weist Vorwürfe zurück Bernd Schottdorf (links) mit seinen Anwälten auf dem Weg ins Augsburger Landgericht. Foto: Kristin Deibl

Wegen des Verdachts auf gewerbsmäßigen Betrug in 124 Fällen müssen sich der Augsburger Laborarzt Bernd Schottdorf (75) und seine Ehefrau Gabriele (61) nun vor dem Augsburger Landgericht verantworten. Um rund zwölf Millionen Euro sollen sich die beiden Angeklagten bereichert haben. Zum Prozessauftakt weist der 75-Jährige die Vorwürfe als "unbegründet" zurück.

Von 2004 bis 2007 sollen Schottdorf und seine Frau kassenärztliche Vereinigungen zu Unrecht zur Auszahlung von Spezialleistungen veranlasst haben. Ärzte aus fünf bundesweiten Außenlaboren, die auch gegenüber kassenärztlichen Vereinigungen als selbstständig aufgetreten sind, sollen eigentlich Schottdorfs Unternehmen Syscomp angehört und zugearbeitet haben. Die Staatsanwaltschaft errechnete einen Schaden von 78 Millionen Euro.

Gelassen verfolgt der 75-Jährige die Verlesung der Anklageschrift - verzieht auch keine Miene, als die Staatsanwältin jeden Einzelnen der 124 mutmaßlichen Betrugsfälle auflistet. Die Vorwürfe seien unbegründet, sagt Schottdorf dann in seiner umfassenden Erklärung. "Es gab keine Tat, keinen Schaden, kein Motiv." Die Leistungen seien von den Laborärzten erbracht worden und somit sei es ihr gutes Recht gewesen, sie auch abzurechnen. "Die Ärzte waren keine Angestellten von Syscomp."

Im weiteren Verlauf seiner Einlassung referiert der 75-Jährige mit ruhiger Stimme über die Entwicklung der Labordiagnostik im Allgemeinen und berichtet von seiner persönlichen Laufbahn vom Medizinstudenten zum Unternehmensgründer. In den 60er Jahren habe eine "Revolution im Reagenzglas" stattgefunden, die Laboruntersuchungen sehr erschwinglich gemacht habe. Man habe befürchtet, die guten Honorare zu verlieren, wenn die Kassen erst einmal darauf kommen würden, wie billig die Untersuchungen seien, erklärt der Multimillionär. Eine Änderung des Systems sei für ihn die logische Schlussfolgerung gewesen.

Als einer der ersten habe er ein computerisiertes Labor eingerichtet. Sein Ziel sei gewesen, die Labordiagnostik "schneller, besser und billiger zu machen". Mit der Gründung seines eigenen Unternehmens habe er außerdem eine bundesweite Laborpräsenz aufbauen wollen. "Kooperationen gehörten von Anfang an zu Syscomp dazu."

Noch immer bedächtig, doch merklich angespannter reagiert der Angeklagte später auf die Nachfragen des Gerichts. Mehr Details zu den Außenlaboren, der Vergütung des Personals und den Verträgen der Ärzte möchte die Vorsitzende Richterin der 9. Strafkammer Susanne Riedel-Mitterwieser. Schottdorfs Antworten sind vorsichtig und zurückhaltend. Oft kann er sich "nicht mehr genau erinnern", "weiß von keinem konkreten Vorfall" oder "war dafür nicht selbst zuständig".

Schottdorf ist nicht zum ersten Mal im Visier der Justiz: Schon 1999 und 2000 musste er sich wegen des Verdachts der Scheinbeschäftigung von Ärzten vor Gericht verantworten, wurde allerdings in beiden Fällen freigesprochen. 2006 stand er erneut vor Gericht. Er hatte einem Staatsanwalt einen Kredit gegeben und wurde wegen Vorteilsgewährung verurteilt.

Derzeit beschäftigt sich sogar ein Untersuchungsausschuss des Bayerischen Landtags mit dem Augsburger Laborarzt. Im Mittelpunkt der Untersuchung steht die Frage, ob Ermittlungen des Landeskriminalamtes (LKA) gegen Schottdorf und andere Ärzte durch politische Einflussnahme behindert wurden. Schottdorf soll die CSU mit großzügigen Parteispenden bedacht haben, um die Ermittlungen so lange zu blockieren bis die Vorwürfe verjährt seien, vermuten Ermittler des LKA. Beweise für diese Behauptung gibt es jedoch bislang nicht.

Am Mittwoch, dem zweiten Prozesstag, möchte auch Gabriele Schottdorf, alleinige Geschäftsführerin des Unternehmens Syscomp, eine Erklärung abgeben. Der Prozess ist insgesamt für 23 Tage angesetzt worden und soll bis Mitte Dezember andauern. 30 Zeugen und zwei Sachverständige sollen angehört werden. Bei einer Verurteilung drohen den Angeklagten bis zu 15 Jahre Freiheitsstrafe.
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