Sex im Titania: Von der Grotte in den Arrest

Von der Grotte in den Arrest Geschlechtsverkehr in einem Freizeitbad hat für ein junges Pärchen unangenehme Folgen. Foto: © tom_u / 123rf.de

Unterwasser-Aufnahmen von eindeutig sexuellen Handlungen eines Pärchens - das gibt es im Gericht wohl auch nicht täglich zu sehen. Mucksmäuschenstill ist es im Saal während Richter, Schöffen, Anwälte und Zuschauer gebannt die mittels Beamer an die Wand projizierten Aufnahmen verfolgen. Immer wieder ist darauf das Pärchen zu sehen - er mit heruntergelassener Hose, sie dicht an ihn gepresst.

Grund für diese skurrile Gerichtssituation ist der Fall eines jungen Pärchens, das vor rund zwei Monaten wegen Erregung öffentlichen Ärgernisses vom Augsburger Amtsgericht verurteilt wurde. Die beiden Angeklagten sollen in der Erlebnisgrotte der Titania Therme Geschlechtsverkehr gehabt haben. Zu einem Freizeitarrest und 32 Sozialstunden verurteilte der Amtsrichter damals die junge Frau. Für den Mann gab es zwei Wochen Dauerarrest. Das Pärchen legte gegen dieses Urteil Berufung ein. Nun wurde der Fall erneut verhandelt, diesmal vor der Jugendkammer des Landgerichts.

Schon vor dem Amtsgericht hatten der 18-Jährige und die 19-Jährige, welche ohne Verteidiger auf der Anklagebank saßen, vehement bestritten in der Therme Sex gehabt zu haben. Wie der junge Mann behauptete, sei ihm lediglich "die Badehose gerutscht". Nach Sichtung des Videomaterials war für den Richter die Lage aber eindeutig. "Das ist Pornographie", erklärte er. Nicht nur der öffentliche Geschlechtsverkehr, sondern vor allem das "uneinsichtige und unverschämte Verhalten" des jungen Mannes vor Gericht, hätte ihn zu dem vergleichsweise harten Urteil bewogen.

Vor dem Landgericht äußern sich die beiden jungen Leute am Mittwoch fast ausschließlich mittels ihrer Rechtsanwälte. Sein Mandant bedaure sein Verhalten in der ersten Instanz, erklärt der Verteidiger des Mannes. Das große Medieninteresse habe dafür gesorgt, dass er sich als "coole Socke" aufspielen wollte. Nach Aussage der Verteidigung sei das Pärchen in die Grotte gegangen, "um dort ein bisschen zu fummeln". Sie hätten dort keinen Sex gehabt und nicht gewusst, dass sie beobachtet, geschweige denn gefilmt würden.

"Ich bin mir zu 100 Prozent sicher, dass sie Geschlechtsverkehr hatten", ist sich dagegen ein Bademeister der Titania Therme sicher. Er habe die beiden in flagranti erwischt und mit seinem Kollegen zur Rede gestellt. "Die beiden sind durch die ganze Grotte getobt", berichtet er. Auch sonst komme es häufig zu solchen Vorfällen in der Therme, doch noch nie in diesem Ausmaß. Er habe sich aus beruflicher und privater Sicht gestört gefühlt, gibt der Mann an. Auch ein Badegast habe ihm gegenüber geäußert, dass das "eine Schweinerei" sei. Zudem seien die jungen Leute der Aufforderung, das Bad zu verlassen, nicht nachgekommen, hätten in der Therme Alkohol getrunken und sich frech und uneinsichtig verhalten.

Ähnlich, wenn auch nicht ganz so streng, sieht das sein Kollege. "Ich kann die Verlockung verstehen, aber der Anstand sollte einem so etwas eigentlich verbieten", erklärt er.

Im Anschluss an die Zeugenvernehmung soll das Videomaterial gesichtet werden. Die Verteidigung versucht noch per Antrag die Öffentlichkeit auszuschließen, um die Privatsphäre des Paares zu schützen. Das Gericht lehnt den Antrag ab.

Die Handlung ihrer Mandanten sei eindeutig sexuell und öffentlich gewesen, müssen die Verteidiger im Anschluss zugeben. Doch damit eine Erregung öffentlichen Ärgernisses vorliege, sei das nicht genug. Es müsse jemanden geben, der sich negativ betroffen fühlt, und das sei nicht der Fall. Die Bademeister hätten sich wohl eher durch das Verhalten der beiden insgesamt gestört gefühlt als durch den Geschlechtsverkehr. An die Existenz des Badegastes, der sich laut Aussage des Bademeisters ekelte, glaubt die Verteidigung nicht, denn "bei der polizeilichen Vernehmung wurde dieser noch mit keinem Wort erwähnt." Da weder ein Ärgernis vorliege, noch die Angeklagten absichtlich gehandelt hätten, seien die beiden freizusprechen, fordert die Verteidigung. Durch die Indiskretion der Titania Therme seien die Angeklagten außerdem bereits genug gestraft. Die Aufnahmen der Unterwasser-Kameras waren kurz nach der ersten Verhandlung auf der Homepage einer Boulevard Zeitung erschienen. Wer die Videos weitergegeben hat, ist nicht bekannt.

Die Staatsanwaltschaft dagegen hält den Arrest, den das Amtsgericht verhängt hatte, für gerechtfertigt. Der Bademeister und ein Gast hätten sich gestört gefühlt. Die Angeklagten hätten durch Schilder und sichtbare Kameras an anderen Stellen wissen müssen, dass sie für andere zu sehen waren. Eine Erregung öffentlichen Ärgernisses sei folglich gegeben. Das Strafmaß des Amtsgerichts sei angemessen.

Das Gericht schließt sich letztendlich den Ausführungen der Staatsanwaltschaft an. Das Pärchen muss also seinen Arrest absitzen und wird in Zukunft vielleicht einen privateren Ort nutzen, um "ein bisschen zu fummeln".
0
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.