Tatort Innenstadt: Polizei spricht sich weiter für Sperrstunde aus

Die Auswüchse im Augsburger Nachtleben nehmen zu. Die Polizei spricht sich deshalb weiterhin für eine Sperrstunde aus. (Foto: Symbolbild/ Christoph Maschke)

Augsburg - Es wird gepöbelt und beleidigt - immer häufiger kommt es aber auch zu Angriffen, die über das Verbale hinausgehen: In der Innenstadt ist die Anzahl an gefährlichen Körperverletzungen im Vergleich zum Jahr 2014 gestiegen. Für den Tatzeitraum zwischen 20 und 6 Uhr weist die aktuelle Kriminalstatistik der Augsburger Polizei 114 dieser schwerwiegenden Gewalttaten aus. Die meisten dieser Übergriffe, nämlich 71, passieren nach 2 Uhr. Von den 385 einfachen Körperverletzungen fallen ganze 228 in den Zeitraum zwischen 2 und 6 Uhr.

Dies verleiht den Zahlen zusätzliche Brisanz, handelt es sich dabei doch um die Uhrzeit, für die jüngst über eine Wiedereinführung der Sperrzeit diskutiert wurde. Eine einheitliche Schließzeit zwischen 2 und 3 Uhr hatten einige Stadträte gefordert. Der Allgemeine Ausschuss schob der Sperrstunde für Augsburger Lokale im März jedoch einen Riegel vor. Die Verwaltung soll nun über einen längeren Zeitraum hinweg Daten erfassen. Im Herbst, wenn eine aktuelle "Sommerbilanz" über das Nachtleben gezogen werden kann, will sich das Gremium noch einmal mit dem Thema befassen.

Die Polizei, die zuletzt selbst einige verletzte Beamte nach Übergriffen zu beklagen hatte, nutzte die Veröffentlichung der Kriminalstatistik, um sich erneut für die Sperrstunde auszusprechen.

Polizeipräsident Michael Schwald betonte, er würde eine Sperrzeitverlängerung begrüßen, denn die Zahlen für die Innenstadt seien "sehr hoch". Aber: "Für diese Position braucht es eine politische Mehrheit, die es derzeit nicht gibt." Das akzeptiere er freilich.

Das Klima zwischen der Polizei und der Stadt sei im Übrigen "hervorragend", schob er noch ergänzend hinterher. Zuletzt hatte Leo Dietz, CSU-Stadtrat und gleichzeitig Gaststättenbetreiber an der Maximilianstraße, moniert, es sei "nicht Aufgabe der Stadt, den Mangel an Manpower bei der Polizei mit einer Sperrstunde auszugleichen." Diese Aussage kommentierte Schwald nicht. "Die Zusammenarbeit sowohl auf der Arbeitsebene als auch auf der verantwortlichen Ebene ist äußerst konstruktiv und vertrauensvoll", lautete sein Fazit.

Bevor sie eine abschließende Straftaten-Statistik für das Stadtzentrum erstellt, möchte die Polizei nun allerdings noch den April abwarten. Denn seit der Einführung des Innenstadtkonzepts habe man für die Auswertung des Konzepteinsatzes "Partyszene Augsburg" stets den vierten Monat des Folgejahres miteinbezogen.

Wenn dann eindeutig vergleichbare Zahlen vorliegen, könnte auch die Diskussion über die Sperrzeit erneut eröffnet werden.

Von Janina Funk
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