Tochter stirbt auf A8: Gericht weist Klage der Eltern auf Schmerzensgeld zurück

Das Gericht wies die Klage auf Schmerzensgeld zurück. (Foto: phartisan,123rf.com)


Es war ein "atypischer Unfall", bei dem eine 24-Jährige auf der Autobahn ums Leben kam, sagte Richter Christoph Kern. Deshalb könne man weder der Polizei noch der Feuerwehr einen Vorwurf machen. Die Zivilkammer am Landgericht Augsburg wies g die Klage der Eltern daher zurück.

Die junge Frau verunglückte im Sommer 2015 nachts mit ihrem Wagen auf der A8. Sie war Richtung München unterwegs, als es gegen 1 Uhr kurz nach der Auffahrt Dasing zu dem tragischen Unfall kam.

Die junge Frau wurde erst am nächsten Morgen von einem Jogger entdeckt. Sie erlitt schwere Brüche und erstickte durch das Einatmen ihres Blutes. Sie überlebte den Unfall mindestens eine Stunde. Wäre sie früher gefunden worden, hätte sie es vielleicht überstehen können. Nach ihrem Unfalltod forderten ihre Eltern nun Schmerzensgeld vom Freistaat.

Das Auto war so von der Fahrbahn abgekommen, dass es fast keine Spuren hinterließ. Am anderen Tag konnte man neben der Autobahn eine Spur im platt gedrückten Gras erahnen. Doch in der Dunkelheit war das nicht zu sehen. Im Prozess ging es auch um die Frage, ob der Polizist, der einen der Notrufe in der Einsatzzentrale angenommen hat, richtig handelte, als er den Zeugen weiterfahren ließ und ihn nicht zum Warten verpflichtete.

"Mehr war nicht zu machen"

Es sei nicht üblich, bei einem Zivilprozess das Urteil zu begründen, erklärte Richter Kern nach der Verhandlung. Da jedoch viele Medienvertreter im Saal genau darauf warteten, wolle er ein paar Sätze dazu sagen.

Demzufolge sah das Gericht auch im Verhalten des Notrufbeamten, der den Unfall aufgenommen habe, keinen Fehler. Er habe die Rettungskräfte alarmiert. Es sei nicht notwendig gewesen, den Zeugen am Unfallort festzuhalten. Es sei davon auszugehen, dass bei einem Unfall dieses Ausmaßes der Unfallort durch herumliegende Blech- oder Autoteile sofort sichtbar ist.

Der Unfall sei deshalb atypisch gewesen, weil die Unfallverursacherin "nur wenige Zentimeter" an der Leitplanke vorbei auf den Grünstreifen gekommen ist. Dann sei sie 200 Meter parallel an der Autobahn gefahren und habe sich mit ihren Auto über einen Wildschutzzaun hinweg überschlagen "ohne einen sichtbaren Schaden zu hinterlassen". Dann sei sie unsichtbar hinter eine Böschung gestürzt, von außen nicht einsehbar. Polizei und Feuerwehr hätten die Unfallstelle ausgeleuchtet und seien die Strecke zweimal abgefahren. "Mehr war nicht zu machen", betonte Richter Kern. ( Alfred Haas)
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