Tödliche Textnachrichten: Polizei stellt Verkehrsunfallstatistik vor

Alle 20 Minuten geschieht ein Verkehrsunfall, fast jede zweite Stunde wird dabei ein Mensch verletzt. Jeden neunten Tag stirbt ein Mensch auf den Straßen Nordschwabens. „Das sind keine Zahlen, die einen zufriedenstellen können“, beurteilt Polizeivizepräsident Norbert Zink die Verkehrsunfallstatistik für das Polizeipräsidium Schwaben Nord. (Foto: Christoph Maschke/Symbolbild)

Alle 20 Minuten geschieht ein Verkehrsunfall, fast jede zweite Stunde wird dabei ein Mensch verletzt. Jeden neunten Tag stirbt ein Mensch auf den Straßen Nordschwabens. „Das sind keine Zahlen, die einen zufriedenstellen können“, beurteilt Polizeivizepräsident Norbert Zink die Verkehrsunfallstatistik für das Polizeipräsidium Schwaben Nord.

Die Gesamtzahl der Verkehrsunfälle im Zuständigkeitsbereich des Präsidiums – Stadt und Landkreis Augsburg sowie die Landkreise Aichach-Friedberg, Dillingen und Donau-Ries – hat leicht zugenommen. 25 658 Mal hat es gekracht, das ist ein Plus von 4,48 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Auch die Zahl der bei Unfällen verletzten Personen hat zugenommen, um fast fünf Prozent. „Zur Beruhigung: Der Anteil der Schwerverletzten ist zurückgegangen“, berichtet Zink. Sie machen etwa 13 Prozent der insgesamt 4907 Verletzten aus.

Auch einen Toten mehr als noch 2014 musste die Polizei in ihre Statistik aufnehmen. 42 Menschen sind vergangenes Jahr in der Region bei Verkehrsunfällen ums Leben gekommen. Zink kommt zu der Erkenntnis, dass man sich wohl damit abfinden müsse, dass sich die Zahl der Verkehrstoten bei etwas über 40 eingependelt hat. Bis auf zwei Ausnahmen steht ein solcher Wert seit 2009 in der Statistik. Am schwersten betroffen war der Landkreis Augsburg. Hier stieg die Zahl der Verkehrstoten von neun auf 14. In der Stadt Augsburg starben fünf Menschen.

Während die Ursachen der Unfälle mit tödlichem Ausgang im Einzelnen aufgeklärt wurden, falle eine Antwort auf die insgesamte Zunahme an Unfällen schwer, wie Zink und Ralf Bührle, Leiter der Verkehrsabteilung der Polizei, zugeben. „Die Bevölkerung im Präsidiumsbereich hat um 12 000 Einwohner zugenommen“, gibt Zink zu bedenken. Daneben wächst die Region auch als Wirtschaftsraum. Die Folge sei mehr Verkehr auf den Straßen. „Der Raum wird enger“, denkt Bührle etwa an die B 17. Eine der Hauptunfallursachen, nämlich zu 31 Prozent, sind dementsprechend ein zu geringer Sicherheitsabstand – der klassische Auffahrunfall, meist nur mit Blechschaden.

Bei den Unfällen mit tödlichen Folgen ist Ursache in jedem vierten Fall überhöhte Geschwindigkeit. „Es ist ganz einfach: Je schneller gefahren wird, desto schlimmer sind die Folgen bei einem Unfall“, stellt Bührle fest. Für ihn mit ein Grund, den Druck in der Geschwindigkeitsüberwachung nicht zu vermindern – auch wenn es ein sehr langsamer Lernprozess bei den Autofahrern sei. Hoffnung macht da aber die Entwicklung in Sachen Alkohol. „Betrunken Autofahren ist heute eigentlich geächtet. Vor zwei oder drei Generationen war es normal, sich nach zwei Bier noch ans Steuer zu setzen.“ Bührle und Zink hoffen, dass auch das Rasen irgendwann nicht mehr akzeptiert wird.

Nicht ganz so leicht zu fassen ist die Hauptursache für tödliche Unfälle. In 30 Prozent aller Fälle verzeichnet die Polizei „Straßenbenutzung/Rechtsfahrgebot“ als Ursache. Das sind zum einen die Fälle, in denen Autos nach rechts von der Fahrbahn abkommen und dann etwa in einen Baum rasen oder von der rechten Fahrbahnseite auf die linke und somit in den Gegenverkehr geraten. Doch was diesen Unfällen direkt vorausging, kann oft nicht zweifelsfrei geklärt werden. Zu schnell gefahren, ein simpler Fahrfehler oder am Ende doch das Smartphone? Zink sieht in der Ablenkung durch die Handys eine sehr große Gefahr. Durch die technische Weiterentwicklung werde seiner Meinung nach zwar weniger telefoniert, aber mehr kommuniziert über die verschiedenen Dienste für Textnachrichten. Auch hier will die Polizei mehr und intensiver kontrollieren.

Eine spezielle Ursache für Unfälle mit meist schwerwiegenden Folgen ist der „Tote Winkel“ bei Kraftfahrzeugen, insbesondere bei Lastwagen. Nachdem zwei Menschen in Augsburg 2015 so ihr Leben verloren, startete die Polizei eine Aufklärungskampagne zum „Toten Winkel“. Bührle hat einen einfachen Ratschlag: „Wenn sie im Außenspiegel des Lasters das Gesicht des Fahrers sehen, dann sieht er sie auch.“ Notfalls solle man als Radfahrer oder Fußgänger defensiv reagieren. „Verzichten sie lieber auf den Vorrang“, rät Bührle. Ein Rat, der Leben retten kann.
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