Überfälle auf Lotto-Geschäfte: Erst in Augsburg, dann in Aichach - Ist es der selbe Täter?

Einen Tag nach dem Raubüberfall auf das Schreibwarengeschäft Cilly Strasser in Aichach hatte der Laden am Samstag wieder geöffnet. Etwa 16 Stunden zuvor hatte ein bislang unbekannter Mann zwei Mitarbeiterinnen mit einer Pistole bedroht und war mit seiner Beute geflüchtet. (Foto: Tanja Maršal)

Die Polizei ist weiter auf der Suche nach dem Täter, der am Freitagabend ein Schreibwarengeschäft in Aichach überfallen hat. Der Mann flüchtete mit seiner Beute, laut Polizei Bargeld im unteren vierstelligen Bereich, in unbekannte Richtung. Der Räuber bedrohte zwei Angestellte mit einer Pistole und forderte die Herausgabe des Kasseninhalts. Möglicherweise handelt es sich um den selben Täter, der am Donnerstagabend im Augsburger Uni-Viertel bei einem Überfall scheiterte.

Der etwa 20 bis 30 Jahre alte Mann hielt sich einige Zeit im Lottogeschäft „Cilly Strasser“ am unteren Stadtplatz auf. Nachdem alle Kunden wegen baldigen Geschäftsschlusses den Laden verlassen hatten, wollte sich der Mann einen kleinen Frosch einpacken lassen. Als eine Angestellte die andere darum bat, das Geschenk einzuwickeln, zog der Täter die Waffe und bedrohte damit eine der Frauen. Das erzählte Filialleiterin Martha Roth. Sie selbst war zum Zeitpunkt des Raubüberfalls nicht mehr vor Ort, da sie bereits gegen 15 Uhr ihre Schicht beendet hatte.

Mitarbeiterinnen reagieren besonnen

Als der Mann die Waffe auf ihre Mitarbeiterin richtete, habe diese im ersten Moment gelächelt, da sie an einen schlechten Scherz glaubte. Schnell wurde ihr jedoch klar, dass es sich um keinen Spaß handelte. Sie sagte in Richtung ihrer Kollegin: „Wir werden überfallen.“ Bevor die Frau die Kasse öffnen konnte, soll der Täter „nix drücken“ gerufen haben, berichtet Martha Roth. Offenbar befürchtete er, die Angestellte könnte auf einen Alarmknopf drücken.

Nachdem er dann eine Kasse ausgeräumt hatte, verlangte er von den beiden Frauen die Einnahmen aus der anderen Kasse, die bereits ins Büro, im hinteren Teil des Ladens, gebracht worden war. Dort erblickte er einen Tresor und forderte, auch diesen zu öffnen. Die Verkäuferin reagierte prompt und sagte, der Safe sei zeitgesteuert, was der Mann glaubte. Auch sein Vorhaben, durch einen Hinterausgang zu fliehen, unterbanden die erfahrenen Mitarbeiterinnen – beide sind seit über 25 Jahren in dem Schreibwarengeschäft tätig –, indem sie klar machten, es ginge nur über den Haupteingang hinaus. Diesen benutzte der Mann dann auch. Kurze Zeit später alarmierten die Verkäuferinnen die Polizei, die sofort eine Großfahndung einleitete. Auch ein Hubschrauber suchte nach dem Täter. Bislang blieben die Bemühungen allerdings ohne Erfolg. Die Ermittlungen hat – wie in solchen Fällen üblich – die Kriminalpolizei Augsburg übernommen.

Ähnlicher Überfall tags zuvor in Augsburg

Ein ähnlicher Überfall ereignete sich am Donnerstagabend in einem Lotto-Geschäft in Augsburg. Ebenfalls gegen 18 Uhr forderte dort ein Mann mit einer Pistole bewaffnet die Herausgabe von Bargeld. Der Geschäftführer des Ladens in der Hermann-Köhl-Straße im Univiertel ließ sich nicht beeindrucken, was den Täter in die Flucht trieb. Auch die Täterbeschreibungen ähneln sich, wie ein Sprecher der Augsburger Polizei bestätigte: Zwischen 20 und 30 Jahre alt, etwa 1,80 Meter groß und schlank. Beide Männer waren nicht maskiert und sprachen Deutsch mit ausländischem Akzent. Außerdem sollen sie eine dunkle Kappe getragen haben. Die Angestellten des Aichacher Schreibwarengeschäftes beschrieben ihn zudem als gepflegt. Der Täter war mit einem grauen Sweatshirt und einer blauen Jeans bekleidet. Das Geld packte er in eine beige Jutetasche.

Gegen kurz nach 18 Uhr traf Filialleiterin Martha Roth im Laden ein, nachdem sie von ihren Mitarbeiterinnen informiert worden war. Zu diesem Zeitpunkt war die Polizei bereits voll im Einsatz. Bis kurz vor halb zehn war Roth vor Ort. „Der Mann ist sehr professionell vorgegangen. Er hat nichts angefasst“, hat sie sich von ihren Kolleginnen sagen lassen. Diese begleitete sie noch zu ihren Autos, die weiter weg parkten. Nachdem die erste Aufregung verflogen war, seien die beiden Frauen ziemlich durch den Wind gewesen. „Ich bin froh, dass es so glimpflich abgelaufen ist, und stolz auf meine Mitarbeiterinnen, die gut reagiert haben“, zeigte sich Roth am Samstagmittag erleichtert. Der Laden hatte ganz normal geöffnet, und sie stand hinter der Theke.

In den Schreibwarenladen Cilly Strasser ist in der Vergangenheit bereits eingebrochen worden. „Das war vor einigen Jahren. Da sind wir nachts, außerhalb der Öffnungszeiten, ausgeraubt worden“, erinnert sich Martha Roth. Seitdem sind an den Büroräumen im hinteren Ladenbereich Gitter an den Fenstern angebracht. Auch eine Überwachungskamera gibt es. Allerdings zeichnet diese nicht auf, sondern übermittelt nur Live-Bilder auf einen Bildschirm in den Hinterraum.

Kripo Augsburg ermittelt - Hinweise erbeten 

Die Kripo Augsburg bittet im Zusammenhang mit dem Raubüberfall um Mithilfe. Wer Hinweise geben kann oder den Täter bei der Flucht beobachtet hat, soll sich unter der Rufnummer 0821/3233810 melden.
(von Tanja Maršal)
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