Urteil im Fall "Vergewaltigung mit Todesfolge" in Augsburg: Zwei Jahre und sechs Monate Haft für 57-Jährigen

Der 57-jährige Angeklagte muss für zweieinhalb Jahre ins Gefängnis. (Foto: Alfred Haas)

Der Vorwurf der „Vergewaltigung mit Todesfolge“ sei nicht haltbar gewesen. Die 8. Strafkammer am Landgericht Augsburg hat den Angeklagten deshalb „nur“ wegen „fahrlässiger Tötung“ verurteilt, sagte gestern bei der Urteilsverkündung die Vorsitzende Richterin Susanne Riedel-Mitterwieser. Zwei Jahre und sechs Monate muss der 57-Jährige hinter Gitter.

In der verhängnisvollen Nacht im Februar waren der Angeklagte und seine 46-jährige Partnerin stark betrunken. Beim Geschlechtsverkehr kamen verschiedene Spielzeuge zum Einsatz und vor allem ein scharfkantiger Fingerring. Die Frau aus Kenia wurde dadurch derart schwer verletzt, dass sie verblutete und in der Wohnung des Angeklagten in der Jakobervorstadt verstarb. Seiher sitzt er in der JVA Gablingen in Untersuchungshaft.
Nach vier Verhandlungstagen kam die Kammer zum Ergebnis, dass eine Vergewaltigung nicht zu beweisen ist. Der 57-Jährige habe zwar den Tod der Frau schuldhaft verursacht, aber der Sex sei einvernehmlich gewesen. Wie die Vorsitzende Richterin betonte, sei der Angeklagte chronisch schizophren. Weil er zudem erheblich betrunken war, sei seine Steuerungsfähigkeit „erheblich vermindert“ gewesen.

Angeklagter realisierte möglicherweise nicht, welche Verletzungen er angerichtet hatte

„Die Kammer hat die Aussagen des Angeklagten geglaubt“, erklärte Riedel-Mitterwieser. Weiter hielt ihm das Gericht zugute, dass er geständig war. „Sie standen jeder Zeit für Fragen des Gerichts zur Verfügung. Dadurch erhielten wir guten Einblick in Ihr Innenleben“, betonte die Vorsitzende. Das Gericht sei nicht sicher, ob er überhaupt realisierte, welche Verletzungen er angerichtet habe.
Die Kammer rechne ihm hoch an, dass er nicht nur geständig, sondern auch reuig war. „Jeder konnte verfolgen, dass es Ihnen unendlich leidtut, was passiert ist“, hob die Vorsitzende hervor und ergänzte, es gebe eine konkrete Aussicht auf Besserung.

"Hoffe, Sie kommen aus dem Sumpf heraus"

Mit dem Urteil folgte das Gericht dem Antrag von Staatsanwalt Michael Nißl. Auch die Verteidigung war nicht unzufrieden. Marco Müller betonte bereits in seinem Plädoyer, „ich würde ihn auch gerne in einer Therapieeinrichtung sehen“. Noch im Gerichtssaal wurde das Urteil vom Rechtsanwalt und seinem Mandanten angenommen, das die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt beinhaltet.
„Sie haben jetzt die Chance rauszukommen aus dem Sumpf. Ich hoffe, Sie nutzen Sie“, schloss die Richterin.
Von Alfred Haas
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