Vergewaltigung mit Todesfolge in Augsburg: „Hätte ich bloß den Notarzt geholt“

Das Urteil im Prozess "Vergewaltigung mit Todesfolge" wird erst am Freitag gesprochen. (Foto: Robert Wilson-123rf.com/ Symbolbild)

Im Prozess um eine Vergewaltigung mit Todesfolgewerden die Plädoyers gesprochen. Das Urteil wird am Freitag gesprochen.

Im Prozess „Vergewaltigung mit Todesfolge“ gab es am vierten Verhandlungstag eine erwartete Wende. „Es kann auch eine fahrlässige Tötung in Betracht kommen“, teilte die Vorsitzende Richterin der 8. Strafkammer am Landgericht Augsburg, Susanne Riedel-Mitterwieser gleich zu Sitzungsbeginn mit. Hierfür ist ein Strafrahmen von einer Geldstrafe bis zu fünf Jahren Haft vorgesehen.
Eine weitere Möglichkeit, die noch im Raum steht, wäre die Einweisung in eine psychiatrische Klinik oder eine Entzugsanstalt. Hierfür sind die rechtlichen Hürden aber hoch. Der Vorwurf der Vergewaltigung dürfte jedenfalls vom Tisch sein, zumal auch Staatsanwalt Michael Nißl auf „fahrlässige Tötung“ plädierte.
Nervenarzt Dr. Richard Gruber durchleuchtete das Leben des 57-jährigen Angeklagten, der beim Geschlechtsverkehr seine kenianische Partnerin mit Spielzeugen und einem scharfkantigen Fingerring derart schwer verletzt haben soll, dass sie verblutete. Demnach war der ehemalige Kraftfahrer bis 2004 sozial integriert. „Er war in zweiter Ehe verheiratet und hat zwei Töchter“, schilderte Gruber. Insgesamt sind es vier Töchter, weil aus erster Ehe ebenfalls zwei Kinder hervorgingen.

"Ich habe mich dem Alkohol hingegeben."

2004 hatte der Angeklagte mit seinem Laster auf der A 7 mit 1,1 Promille Alkohol im Blut einen schweren Unfall verursacht. Danach sei er nicht mehr recht auf die Beine gekommen. „Das Häuschen war weg, die Frau und die Kinder“, klagte der 57-Jährige. „Ich habe mich dem Alkohol hingegeben.“ Schon als Zwölfjähriger habe er mit dem Trinken angefangen – „drei Halbe in fünf Minuten“. Gefragt nach seinen Hobbys erzählt er, dass er gerne male, „Bilder wie Picasso“. Alkohol sei sein einziges Suchtmittel gewesen. „Ich hatte Bekannte, die der Spur des Todes folgten, deshalb wollte ich nie etwas mit Drogen zu tun haben“, erklärte der gelernte Dreher.
„Ich geb‘ mir die volle Schuld, dass meine Partnerin nicht mehr lebt. Wenn ich bloß den Notarzt geholt hätte“, räumte der Angeklagte ein. „Wie soll’s mit Ihnen weitergehen?“, fragte das Gericht. „Keine Ahnung“. Momentan trauere er noch um seine tote Lebensgefährtin, die er sehr vermisse. „Ich würde mir eine Therapie wünschen“, legte er nach.
Seine Neigung, sich zu schminken und Frauenkleider zu tragen, gehe zurück auf eine schizophrene Erkrankung, erklärte Gruber, „halb Mann, halb Frau“. Der Angeklagte habe versucht, sich seine eigene Welt zu erträumen. Der Nervenarzt sah jedoch keine Hinweise, die die Steuerungsfähigkeit des 57-Jährigen aufheben würden. „Es wäre ihm zu wünschen, dass er in eine psychiatrische Klinik kommt, zu seinem eigenen Vorteil, und um weitere milieutypische Unfälle zu vermeiden“, empfahl Gruber der Strafkammer.
An die fünfeinhalb Stunden dauerte es, bis die 46-Jährige verblutet war und starb. „Eine sichere Feststellung, dass die sexuellen Handlungen gegen den Willen der Frau stattfanden, kann man nicht wissen“, führte Staatsanwalt Nißl aus. Er forderte eine Haftstrafe von zwei Jahren und sechs Monaten wegen fahrlässiger Tötung. Zudem soll er in einer Entziehungsanstalt untergebracht werden.

Verteidiger fordert maximal ein Jahr Freiheitsstrafe.

Marion Zech, sie vertritt als Nebenklägerin den Sohn der Toten, sah durchaus „deutliche Indizien für eine Vergewaltigung“. Als Beispiele nannte sie Hämatome an Oberarmen und Unterschenkeln. Ursächlich für den Tod sei der scharfkantige Fingerring des Angeklagten gewesen, „dieses Mörderding“. Was die Strafe anbelangt, schloss sie sich Staatsanwalt Nißl an.
Marco Müller, Verteidiger des Angeklagten, erinnerte daran, dass sein Mandant „von der ersten Minute an“, bereit gewesen sei, bei der Aufklärung zu helfen. Die Sexualpraktiken seien nicht zum ersten Mal durchgeführt worden. „Bis zu drei Mal wöchentlich, und nie ist etwas passiert“, hob Müller hervor. Sein Mandant sei nicht aggressiv. Im Gegenteil: Er sei friedfertig. „Die ganze Sache ist ein Jahr wert, nicht mehr und nicht weniger“, forderte Müller.
„Ich habe keine Wohnung, der Winter steht bevor. Ich sehe ein, dass ich eine schwere Mitschuld trage“, waren die letzten Worte des Angeklagten. Ob er damit um eine Haftstrafe bat, um eine warme Unterkunft zu haben, blieb offen. Heute Nachmittag wird das Urteil gesprochen.

(Von Alfred Haas)
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Angelika Oetken aus Augsburg - City | 17.12.2017 | 10:21  
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