Verlobte misshandelt, geprügelt und gefesselt: Augsburger Gericht verurteilt Peiniger

Der rabiate Lebensgefährte einer 33-Jährigen muss für vier Jahre hinter Gitter, urteilte ein Augsburger Schöffengericht. (Foto: Symbolbild, Sebnem Ragiboglu-123rf.de)

Gefesselt, getreten und geschlagen. Ein 42-jähriger Mann hat seine Verlobte immer wieder misshandelt und traktiert. Damit ist jetzt, zumindest für die nächsten Jahre, Schluss. Ein Augsburger Schöffengericht, unter Vorsitz von Rita Greser, schickte den rabiaten Liebhaber am Donnerstag wegen Freiheitsberaubung, Körperverletzung und versuchter Nötigung für vier Jahre hinter Gitter. „Man kann nur Abscheu empfinden für das, was Sie getan haben“, gab ihm die Richterin mit auf den Weg zurück ins Gefängnis.

Der Mann aus dem nördlichen Landkreis Aichach-Friedberg ging mit seiner zierlichen Verlobten nicht gerade zimperlich um. Immer wieder bekam die 33-Jährige, die bereits Zwillinge von ihm hat und nun mit dem insgesamt fünften Kind schwanger ist, den Zorn ihres Lebensgefährten zu spürten – körperlich und seelisch. Im Dezember 2016 eskalierte die ganze Sache, weil der eifersüchtige Mann vermutete, dass seine Verlobte einen Nebenbuhler haben könnte. Daher wollte er das Handy der 33-Jährigen auf verfängliche SMS überprüfen. Die Frau, die ohne Alkohol nur schwer ihr Leben meistern kann, rückte ihr Telefon aber freiwillig nicht raus.

Die Folgen: In der gemeinsamen Wohnung fesselte der Angeklagte seine Lebensgefährtin an Händen und Füßen, klebte ihr den Mund zu und wickelte ihr ein Kabel um Hals und Kopf. Zudem drückte der Rumäne seiner Verlobten mehrfach sein Knie in den Bauch und würgte sie bis fast zur Bewusstlosigkeit. Lippen, Hände und Füße waren stark geschwollen. „Die ganze Prozedur dauerte über drei Stunden“, betonte Staatsanwältin Julia Buijze: „Die Frau hatte Todesangst.“

Frau sagt nicht gegen Verlobten aus, doch Zeugen schildern "fürchterlichen Zustand"

Ob aus Angst vor ihrem Partner oder tatsächlich aus Liebe, das blieb bei der Verhandlung offen. Jedenfalls bestand die Frau beharrlich darauf, mit dem Angeklagten verlobt zu sein. Damit braucht sie vor Gericht nicht aussagen.
Auf die Aussage der 33-Jährigen war das Gericht diesmal aber nicht angewiesen. „Wir haben äußerst zuverlässige und glaubwürdige Zeugen“, erklärte Richterin Rita Greser. Da ist zum einen der 33-jährige Altenpfleger und Theologe, der der Frau nach ihrer Flucht vorübergehend Unterschlupf bot. Detailgetreu schilderte er den Vorfall in jener Winternacht. Dann ist da auch noch der Nachbar, der sogar von Folter sprach. Und nicht zuletzt die herbeigerufenen Polizeibeamten, die von der körperlichen Verfassung der Frau zutiefst erschüttert gewesen waren: „Sie war in einem fürchterlichen Zustand.“

Die Staatsanwältin bescheinigte dem 42-jährigen Angeklagten „ein erhebliches Gewaltpotenzial“. Mehrfach sei er schon vorbestraft. Ihrer Meinung nach habe die Beweisaufnahme ein „sehr stimmiges Bild“ abgegeben. Sie forderte eine Freiheitsstrafe von vier Jahren. Dem Antrag folgte das Gericht.

Angeklagter entschuldigt sich vor Gericht

Erstmals machte auch der Angeklagte eine Aussage. Dazu stand er auf. „Es tut mir wahnsinnig leid, was ich getan habe“, ließ er die Dolmetscherin übersetzen. „Ich habe versucht, sie vom Alkohol wegzubringen. Mit unseren Zwillingen gab es viele Probleme. Ich wusste nicht mehr, was ich tun sollte“, suchte er nach einer Rechtfertigung. Dabei konnte er anscheinend ein paar Tränen nur mühsam zurückhalten. Sein Verteidiger Klaus Rödl bat um „eine milde Strafe“.

Richterin sieht "Hopfen und Malz verloren"

Die angedeutete Reue nahm ihm das Gericht keine Sekunde lang ab. Im Gegenteil: „Umstände, die für Ihre Entlastung sprechen, kamen nicht zu Tage“, betonte Greser. Besonders zum Vorwurf machte ihm die Richterin, dass die Misshandlungen in der Wohnung der Frau stattfanden, „dem Ort, der besonders geschützt ist, ein Bereich, in dem man sich sicher fühlt“. Das Gericht sei „fassungslos“ über die Tat. „Wie kann man einem Menschen, den man liebt, sowas nur antun?“, fragte die Richterin rhetorisch und fand weiterhin deutliche Worte: „Bei Ihnen ist Hopfen und Malz verloren, um es auf den Punkt zu bringen.“
(Alfred Haas)
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I.- M. Alefelder aus Augsburg - City | 10.06.2017 | 14:00  
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