Vermeintlicher Hitlergruß auf dem Augsburger Plärrer: Männer wegen Handyfoto des mutmaßlichen Doppelmörders von Hirblingen angeklagt

Zwei Männer, die verdächtigt wurden, in einem Zelt auf dem Plärrer den Hitlergruß gezeigt zu haben, wurden am Donnerstag vor dem Augsburger Amtsgericht freigesprochen. (Foto: Sebnem Ragiboglu-123rf.de/Symbolbild)

Ein Bild sagt mehr als tausend Worte. Dass Bilder aber auch täuschen können, zeigte eine Verhandlung am Donnerstag vor dem Augsburger Amtsgericht. Auf der Anklagebank saßen zwei junge Männer, die angeblich auf dem Augsburger Plärrer den Hitlergruß gezeigt haben. Als Beweis gab es Handyfotos - vom Smartphone des mutmaßlichen Doppelmörders von Hirblingen.

Der Hitlergruß ist eine Verwendung von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen und strafbar. Beide bekamen einen Strafbefehl in Höhe von 1600 Euro, gegen den sie Einspruch einlegten. Nach einem kurzen Prozess gab es für beide nun einen glatten Freispruch.

Hitlergruß im Plärrerzelt

Im April 2016 besuchten die jungen Männer, die aus der Russischen Föderation stammen, gemeinsam mit einem Kumpel den Augsburger Frühjahrsplärrer. Zur vorgerückten Stunde und nach etwa vier bis fünf Maß Bier, sollen die Angeklagten im Bierzelt den Hitlergruß gezeigt haben. Damit war es für Staatsanwältin Maria Koop mit der Gemütlichkeit vorbei. Der 34-Jährige und der 33-Jährige wiesen die Vorwürfe jedoch vehement zurück.

Wie es dann zu den Fotos gekommen sei, wollte Koop wissen. „Wir haben mit der rechten Hand nur irgendwelche Bewegungen gemacht“, schilderte der 34-Jährige. Der Kumpel habe ein neues Handy bekommen, das mit einer Gestensteuerung funktioniert. Das habe man ausprobiert. „Man braucht nur die Hand vor die Linse heben, schön klickt der Auslöser.“

"Haben nichts mit der rechten Szene zu tun"

Die Aufnahmen seien mitten aus der Bewegung gerissen und würden einen falschen Eindruck vermitteln. „Hitlergruß, das sieht uns nicht ähnlich, das sind nicht wir“, beteuerten beide unisono. Mit der rechten Szene habe man überhaupt nichts am Hut.

Das bestätigten zwei weitere Zeugen. Auf Nachfrage erklärten sie, dass weder rechtsradikale Witze gerissen, noch Gespräche über Hitler oder das Dritte Reich geführt wurden.

„Fotos sind Momentaufnahmen. Man hebt mehrmals am Tag die Hand. Wenn dann jemand zur rechten Zeit auf den Auslöser drückt, hat man ein Problem“, argumentierten die Rechtsanwälte Professor Dr. Hermann Kühn und Daniela Rose.

Fotos auf dem Handy des mutmaßlichen Doppelmörders von Hirblingen

Interessant ist es, auf welche Weise die Männer überhaupt auf die Anklagebank kamen. Der Kumpel, auf dessen Smartphone die belastenden Fotos waren, steht unter Verdacht, zwei Frauen aus Hirblingen ermordet zu haben. Im Laufe der Ermittlungen überprüfte die Kripo das Handy und stieß auf die Fotos. Dann fingen die Mühlen der Justiz an zu mahlen.

Vor Gericht sagte der Beamte aus, man habe das Umfeld der Angeklagten überprüft, „und keine Verbindung in die rechte Szene feststellen können“. Der Beamte sagte aber auch, dass eine „Gestensteuerung mit dem beschlagnahmten Handy“ nicht möglich sei.

Staatsanwältin fordert Freispruch

Ob automatisch ausgelöst oder nicht. Das spielte für Staatsanwältin Maria Koop keine Rolle mehr. Sie war überzeugt, dass es sich beim Hitlergruß lediglich um eine verwischte Handbewegung handelte. Sie forderte Freispruch für die Angeklagten.
Auch das Gericht sah keine Anhaltspunkte, an den gemachten Angaben der Angeklagten und der Zeugen zu zweifeln. „Das waren irgendwelche Wischbewegungen.“

Von Alfred Haas
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