Verwaltungsgericht entscheidet: Ein bisschen Salmonellen dürfen sein

Die Hitze des Dönergrills töte mögliche Salmonellen ohnehin ab, argumentierte das Verwaltungsgericht. (Foto: David Libossek)

Darf Dönerfleisch Salmonellen enthalten oder nicht? Mit dieser Frage hat sich am Dienstag die 1. Kammer des Verwaltungsgerichts beschäftigt. Im konkreten Fall standen sich die Dönerproduktion Tekin aus Königsbrunn und das Augsburger Landratsamt, stellvertretend für den Freistaat Bayern, im Gerichtssaal gegenüber.


Anwesend sind die Kläger, der Geschäftsführer der Dönerherstellung, Ali Tekin, sein Rechtsanwalt und ein Sachverständiger des Veterinäramts. Die Gegenposition nimmt das Landratsamt Augsburg im Namen des Freistaats Bayern ein.

Der Sachverhalt ist eigentlich einfach und doch komplex: Die Firma Tekin stellt Dönerspieße her und liefert diese dann an Restaurants aus. Die Spieße werden schockgefrostet und anschließend tiefgefroren an die Gastronomen ausgegeben. Der Lebensmittelhersteller obliegt einem Hygienekonzept, das die Gesundheit des Verbrauchers sichern soll. Sprich: Gesetzt den Fall, dass Salmonellen auftreten, sollen diese so schnell wie möglich bekämpft werden. Der Freistaat und das Landratsamt fordern allerdings, dass der Fleischgroßhandel eine sofortige Rücknahme durchführt, sobald Salmonellen festgestellt wurden.


Einmal wöchentlich Stichproben aus dem Dönerfleisch

Die Dönerproduktion lässt einmal wöchentlich Stichproben aus einer Charge von Spießen entnehmen. Ein Labor überprüft diese dann auf Salmonellen. Etwa ein bis drei Prozent der Proben enthalten Salmonellen. Diese Kontrolle benötigt aber insgesamt fünf Tage. Tekin beliefert die Döner Buden aber ungefähr ein- bis zweimal pro Woche, damit die Lebensmittelverkäufer Geflügelspieße im Vorrat haben.

Salmonellen sterben bei 60 Grad Wärme ab

Die Problematik, die sich hierbei ergibt, ist, dass die Zeit in der die Stichprobe untersucht wird, sich mit der Zeitspanne überschneidet, in der das Dönerfleisch möglicherweise schon an den Verbraucher weitergegeben wird. Was dem Verbraucher im Normalfall auch nicht bewusst ist: Salmonellen vermehren sich während der Kühlung nicht und sterben aber bei Erhitzung von 60 Grad ab. Ein Geflügelspieß wird im Normalfall auf 80 Grad erwärmt – so ergibt sich ein Spielraum von 20 Grad.

Der Königsbrunner Fleischgroßhandel argumentiert gegen die Forderung des Landratsamts mit den schriftlichen Hinweisen auf der Verpackung der Dönerspieße, auf denen festgehalten ist, dass das Geflügelfleisch tiefgefroren und erst im durcherhitzten Zustand genießbar ist.

Fachmann vom Augsburger Veterinäramt: Salmonellen im Fleisch keine Besonderheit

Dass Salmonellen bei der Fleischproduktion auftreten, sei keine Besonderheit, sondern das bringe Fleisch eben mit sich, weiß der Fachmann des Veterinäramts. Ganz gleich unter welchen Gegebenheiten das Fleisch transportiert wurde – null Prozent seien nie im Bereich des Möglichen.

Der Rechtsanwalt sieht eine weitere Erschwernis in der Forderung des Freistaats Bayern: Wenn Dönerherstellungsbetriebe salmonellenbefallenes Fleisch zurück nehmen müssen, dann gilt dies auch für den Einzelhandel. Die Kühlregale in den Supermärkten wären leer, wenn das Landratsamt in diesem Fall die gleiche Linie fahren würde, gibt der Mitarbeiter des Veterinäramts zu denken. Der Rechtsanwalt des Klägers gibt ein metaphorisches Bild zu der Forderung des Landratsamts ab: „Wir wollen keine Verkehrstoten, dann gibt es keine Autos mehr.“

Nach fast zwei Stunden trifft die 1. Kammer des Verwaltungsgerichts eine Entscheidung: Der Betrieb Tekin ist nicht dazu verpflichtet, salmonellenbefallenes Fleisch zurückzunehmen. Denn den Lebensmittelverkäufern, in diesem Fall die Döner Gastronomen, überträgt das Gericht eine gewisse Verantwortung, dass sie das Fleisch ordnungsgemäß zubereiten, um den Kunden keiner gesundheitlichen Gefahr auszusetzen. Ohne Zweifel gebe es laut Gericht Fälle, in denen eine Rücknahme zwingend erforderlich sei, jedoch betreffe das nicht diese Angelegenheit. (sf)
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