Videoüberwachung in Augsburg: Kameras für den Königsplatz?

Noch steht nicht fest, ob die Polizei am Königsplatz Kameras aufstellt oder nicht. (Foto: Winai Tepsuttinun, 123rf.de)

Videoüberwachung im öffentlichen Raum bleibt ein heftig diskutiertes Thema. In Augsburg denkt die Polizei derzeit über Kameras am Königsplatz nach. Bis Herbst soll nun die Entwicklung beobachtet werden, dann fällt die Entscheidung.

Immer wieder wurden in der Vergangenheit auch in Augsburg Stimmen laut, die auf öffentlichen Plätzen eine Videoüberwachung forderten. Anlass waren meist mehr oder weniger aufsehenerregende Straftaten. Die Augsburger Polizei nahm die Sorgen ernst und prüfte in den vergangenen Monaten die Entwicklung der Straftaten auf einzelnen Plätzen, darunter der Helmut-Haller-Platz vor dem Oberhauser Bahnhof, der Rathausplatz, die Maximilianstraße, der Vorplatz am Hauptbahnhof und der Königsplatz.

Videoüberwachung am Königsplatz möglich

Wie Thomas Rieger, Leiter der Pressestelle des Polizeipräsidiums Schwaben Nord, mitteilt, sei nach einer ersten Überprüfung nur der Königsplatz übrig geblieben. Dort aber verzeichnet die Polizei seit der Eröffnung des umgebauten Königsplatzes im Jahr 2014 einen deutlichen Anstieg von Straftaten. Und damit wäre auch die Voraussetzung für eine Videoüberwachung gegeben. Doch die Polizei will nichts überstürzen. Schließlich seien die vergangenen zweieinhalb Jahre eine vergleichsweise kurze Spanne, so Rieger. "Und der Rechtseingriff ist massiv", betont der Polizeisprecher weiter. Jeder, der über den Königsplatz gehe, werde aufgezeichnet. Und so möchte die Polizei noch diesen Sommer abwarten, wie sich die Zahl der Straftaten entwickelt.

Interessant sind dabei freilich nur diejenigen Straftaten, die auch mit einer Videoüberwachung erkannt werden können. Vorrangig seien das Diebstähle, Körperverletzungen, Raubdelikte und grundsätzlich Gewaltkriminalität. Aber auch Drogendelikte spielen am Königsplatz eine Rolle. "Es ist kein Geheimnis, dass sich vor Ort die Trinker- und Drogenszene trifft", sagt Rieger. Das sei aber auch schon vor dem Umbau so gewesen.

Augsburger fühlen sich nicht mehr wohl am "Herzstück der Stadt"

Und doch hat sich etwas verändert. Neben der nackten Anzahl an Straftaten, die sich vergrößert hat, berichtet Rieger von zunehmenden Klagen über ein vermindertes Sicherheitsgefühl auf dem Königsplatz: "Wir bekommen immer mehr Rückmeldungen, dass sich die Leute auf dem Königsplatz unwohl fühlen". Und das sei nicht hinnehmbar.

Im Herbst soll also die Entscheidung fallen, ob es Kameras am Königsplatz geben wird. Vorgesehen ist eine gemeinsame Auswertung mit der Stadtspitze. Auch wenn es sich um eine rein polizeiliche Maßnahme handle, "würde uns nie einfallen, das ohne eine enge Einbindung der Stadt zu machen", betont Rieger. "Der Kö ist schließlich das Herzstück der Stadt", so Rieger.

Rund-um-die-Uhr Überwachung ist unwahrscheinlich

Auch wenn noch offen ist, ob denn Kameras installiert werden, für den Fall, dass die Videoüberwachung Realität wird, gibt es schon sehr klare Vorstellungen davon, wie die Polizei den Königsplatz im Auge behalten könnte. Zum Einsatz kämen laut Rieger hochauflösende Kameras. Zur Aufklärung von Straftaten könnte dann im Nachhinein ins Bild gezoomt werden, um Hinweise auf den Täter und den Tathergang zu erlangen. Dass es allerdings eine Rund-um-die-Uhr-Überwachung gebe, bei der ein Beamter ständig vor den Monitoren sitzen müsste, kann sich Rieger weniger vorstellen. "Das werden wir so wohl nicht leisten können", erklärt der Polizeisprecher. Denkbar wäre allenfalls, dass in "Spitzenzeiten" ein Beamter direkt den Königsplatz im Auge behält.

Doch auch hier muss Rieger einschränken: Der Kollege könne einen oder zwei Monitore genauer betrachten, aber für den kompletten Königsplatz würden fünf bis zehn Kameras benötigt, schätzt Rieger.

Kosten übernimmt die Polizei

Da es sich bei der Videoüberwachung um eine rein polizeiliche Angelegenheit handelt, müssten auch die Kosten aus dem Polizeihaushalt übernommen werden. Ohnehin hat der Freistaat ganz eigene Pläne für eine ausgeweitete Videoüberwachung in Bayern. Innenminister Joachim Herrmann kündigte unlängst an, Details Ende Juni bekanntgeben zu wollen. Schwerpunkt dieses Konzepts soll allerdings die mobile temporäre Videoüberwachung durch die Polizei sein, etwa bei großen Volksfesten.
(Von Markus Höck)
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