Viel Lärm um nichts

Die Atemschutzausrüstung eines Feuerwehrmanns wiegt etwa 40 Kilogramm, dazu kommen noch Arbeitsgeräte. Um damit die Belastungen eines Einsatzes bewältigen zu können, müssen Feuerwehrler körperlich fit sein. Foto: Berufsfeuerwehr Augsburg

Immer wieder geistern Meldungen durch die Medien, übergewichtige Feuerwehrler mit einem BMI über 30 sollen nicht mehr als Atemschutzgeräteträger für Feuerwehren tätig sein.

"Es wurde in letzter Zeit viel Mist geschrieben über das Verhältnis Body-Mass-Index (BMI) und die Zulassung als Atemschutzträger bei der Feuerwehr. Der BMI ist nicht das ausschlaggebende Kriterium dafür. Der untersuchende Arzt sagt letztendlich, ob ein Feuerwehrler fähig ist, diese Aufgabe zu erfüllen, und niemand anders", so der Augsburger Kreisbrandmeister Alfred Zinsmeister.

Wer darf nun Atemschutzgeräte tragen? Wer körperlich und geistig dazu geeignet ist. Und wer entscheidet das? Einzig der Arzt, der die gesetzlich vorgeschriebene Eignungsuntersuchung durchführt.

Feuerwehrler, genauso wie Polizisten, sind bei der Kommunalen Unfallversicherung versichert. Diese hat 2009 die Empfehlung herausgegeben, dass bei schwierigen Tauglichkeitsentscheidungen auch der Body-Mass-Index zur Entscheidung herangezogen werden kann - mehr nicht, es wurde nur eine Empfehlung herausgegeben. Laut der Pressesprecherin Karin Menges, obliegt die Tauglichkeitsentscheidung einzig beim untersuchenden Arzt. Der Index alleine sei kein Entscheidungskriterium. Seit diesem Zeitpunkt sei von der Kommunalen Unfallversicherung keine weitere Empfehlung in dieser Angelegenheit herausgegeben worden.

Dr. Erwin Lutz, Kreisfeuerwehrarzt für den Landkreis Augsburg, erklärt diese G26 genannte Pflichtuntersuchung nach der Feuerwehrdienstvorschrift: "Diese nach berufsgenossenschaftlichen Grundsätzen durchgeführte Untersuchung ist keine Schikane. Atemschutzträger sind wahnsinnigen Belastungen ausgesetzt und müssen daher körperlich fit sein. Sie werden körperlich untersucht, Ruhe- und Belastungs-EKG gemacht, Lungenfunktion wird kontrolliert, Urin- und Blutwerte genommen sowie das Gehör und die Sehfähigkeit getestet. Auch Röntgenuntersuchungen von Lunge und Herz gehören dazu. Je nach Alter werden die Untersuchungen alle sechs Jahre gemacht."

Die komplette Atemschutzausrüstung eines Feuerwehrlers wiegt etwa 40 Kilogramm, dazu kommen im Einsatz noch weitere Geräte. Ist ein Feuerwehrler nun extrem übergewichtig oder hat er körperliche Einschränkungen, werde er sich vielleicht schwerer tun, die Anforderungen zu erfüllen. Das sei mit Hilfe der Tests abzuschätzen, ob er der großen Hitze und körperlichen Anstrengung im Einsatz gewachsen ist, so Lutz. "Es gibt keine Vorschrift für den untersuchenden Arbeitsmediziner, er entscheidet individuell. Falls der Arzt von den erbrachten Leistungen bei der G26-Untersuchung überzeugt ist, kann er auch bei Unter- wie Übergewicht, die Tauglichkeit bescheinigen. Ein BMI so um die 30 oder knapp darüber ist kein Ausschlusskriterium. Die letzte Verantwortung, jemanden die Eignung zu attestieren, liegt beim Arbeitsmediziner", so Lutz. Entsprechende ähnliche Untersuchungen gibt es auch für andere Berufsgruppen, die besonderen Anforderungen ausgesetzt sein können wie Berufstaucher im Öffentlichen Dienst.
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