Waffenverbot für Rocker bleibt: Mitglied der Augsburger „Outlaws“ vor Gericht

Mitglied der „Outlaws“ scheitert mit Klage vor dem Verwaltungsgericht. Bei einer Hausdurchsuchung 2016 stellte die Polizei bei ihm Waffen sicher. (Foto: rclassenlayouts, 123rf.com)

Der große, kräftige Mann ist seit 2004 Mitglied bei den Augsburg Outlaws, einer Rockergang, die unter Beobachtung des Verfassungsschutzes steht. Bei einer Hausdurchsuchung im Juni 2016 stellte die Polizei bei ihm einen Schlagring sicher. Dafür bekam er wegen unerlaubten Waffenbesitz nicht nur 20 Tagessätze aufgebrummt, die Stadt Augsburg verbot ihm zusätzlich jeglichen Waffenbesitz, auch erlaubnisfreie Waffen sind ihm nicht gestattet. Gegen den Beschluss der Stadt Augsburg reichte er Klage ein. In einer Eilentscheidung wies das Verwaltungsgericht die Klage nun zurück. Es bleibt beim Waffenverbot.

Der schwarzhaarige Mann mit Hornbrille erfüllte vor Gericht nicht ein einziges Klischee, das man einem Rocker anhaftet. Auch die Vorsitzende Richterin Beate Schabert-Zeidler war überrascht. "Ich habe etwas ganz anderes erwartet." Die Richterin versuchte zunächst die Klage abzuwenden. "Sie sagen doch selbst, Sie brauchen keine Waffe, wollen Sie trotzdem ein Urteil?" Nach einer kurzen Besprechung mit seinem Rechtsanwalt Stefan Radmacher bestand der Kläger darauf. "Ansonsten darf ich ja meine vier Schreckschusswaffen nicht behalten. Und wenn ich in eine Polizeikontrolle komme kriege ich Schwierigkeiten, weil ich immer ein Taschenmesser einstecken habe. Ich erwecke immer das Interesse der Polizei. In den letzten zehn Jahren wurde ich bestimmt 100 Mal kontrolliert." Im Laufe der Verhandlung stellte sich heraus, dass er die Schreckschusspistolen gar nicht mehr haben dürfe. "Die gehören jetzt meiner Frau." Die Waffen seien weggesperrt und er habe keinen Schlüssel, versicherte er.

Der sichergestellte Schlagring gehöre nicht ihm, beteuerte er. Als er noch Türsteher war, habe er ihn 2008 einem Gast abgenommen. "Mein Fehler war, dass ich nicht sofort die Polizei informierte." So habe der Schlagring jeden Umzug mitgemacht. Erst vor kurzem zog er in den Gemeindebereich Affing. Nach Absprache mit dem Landratsamt Aichach-Friedberg ist für das Waffenverbot jedoch weiterhin die Stadt Augsburg zuständig.

Das Gericht ging davon aus, dass der Kläger bei den Outlaws den Rang eines "Secretary" hat. Das bestritt er allerdings vehement. "Das bin ich schon seit zehn Jahren nicht mehr." Er sei ein ganz normaler "Member". Momentan absolviere er eine Ausbildung zum Schlossermeister. Warum er denn unbedingt eine Waffe brauche, wollte das Gericht wissen. "Ich drücke mich mal vorsichtig aus", sagte er. In seinem privaten Umfeld könne es schon mal vorkommen, dass er sich verteidigen müsse. "Dann ist eine Waffe zur Abschreckung gut." Es gehe ihm auch nicht um die Schreckschusswaffen. "Die liegen seit 20 Jahren bei mir zu Hause rum, und es macht keinen Sinn sie mitzunehmen um mit ihnen den großen Krieg anzufangen."

Der Rockerclub, der ein reiner Männerverein ist, Frauen werden nur als Angehörige eines Members zugelassen, sei nicht so böse, wie er dargestellt werde. "Wir sind ein Familienclub, wir machen Party und Ausflüge und fahren gerne Motorrad", erklärte er. Waffenschieber oder Drogenhändler seien Kriminelle, die eingesperrt werden sollen. "Wir haben damit nichts zu tun. Die Outlaws würden die Gesetze befolgen.

Polizeilich aufgefallen ist der Kläger erstmals 2007 bei einer Auseinandersetzung mit den Hells Angels. "In der Folge gab es immer wieder neue Erkenntnisse", berichtete eine Kripobeamtin. "Beim Gögginger Frühlingsfest oder in der Maxstraße", nannte sie als zwei Beispiele, bei denen nur eine große Polizeipräsenz Schlimmeres verhindert habe. Insbesondere ging es um Gebietsansprüche, die die Hells Angels den Outlaws streitig machen. Die Outlaws sind der Auffassung, dass ihnen ganz Augsburg und der Landkreis Augsburg gehört, "bis zu den Stadtgrenzen Aichachs", gab der Kläger kund.

Die Hauptkommissarin bezweifelte ferner, dass der Kläger bei den Rockern keine Funktion habe. "Wir haben bei ihm Kalender mit Ausfahrten und Ausflugszielen, Übernachtungen und Benzinverbrauch gefunden. Das zu organisieren ist die typische Aufgabe eines Secretary" erklärte sie. Zudem habe er im Bobinger Vereinslokal schlafen dürfen, was einem normalen Mitglied nicht erlaubt sei.

"Waffen haben in diesen Kreisen nichts zu suchen", betonte die Polizistin ausdrücklich. Outlaw zu sein, sei die Lebensphilosophie des Klägers. "Mit allem was dazu gehört." Sogar der siebenjährige Sohn seiner Lebensgefährtin habe schon eine Outlaw-Jacke, keine Kutte, das sei wichtig, weil die dürfen nur Members tragen.

Auch nach einer gut eineinhalbstündigen Anhörung war die Vertreterin der Stadt überzeugt, dass das Waffenverbot aufrechterhalten werden soll, "wenngleich er sehr sympathisch rüberkommt". Sie traute dem Frieden aber nicht wirklich, ebenso wenig wie die vierte Kammer des Verwaltungsgerichts. (Alfred Haas )
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