Zoll Augsburg: Produktpiraterie und Schwarzarbeit steigen drastisch an

Des Fälschers neue Kleider: Die Produktpiraterie nahm im Bereich des Hauptzollamtes Augsburg im vergangenen Jahr um das fünffache zu. Foto: Hauptzollamt

Das Hauptzollamt Augsburg zieht Bilanz für 2014. Fünfmal so viele gefälschte Markenartikel als noch im Vorjahr haben die Zöllner beschlagnahmt. Auch die Geldstrafen für Schwarzarbeit sind drastisch angestiegen. Der wohl kurioseste Fund war das Duplikat einer weltberühmten Trophäe.

Da lag er der WM-Pokal. Golden glänzend, eingebettet in ein Paket, das die Zöllner geöffnet hatten. Es handelte sich aber nicht um einen Fauxpas des DFB, der das gute Stück nach der Weltmeisterschaft in Brasilien im Freudentaumel an der Hotelbar hatte liegen lassen und sich den Pokal nun nachsenden ließ. Am Zollamt entpuppte es sich als billige Nachbildung - gekennzeichnet als vermeintlich offizielles Produkt des Weltverbands FIFA.

Es war wohl der erstaunlichste Fund der Zollämter Augsburg, Donauwörth, Ingolstadt, Kempten, Memmingen und Hörbranz-Autobahn (Lindau) in den insgesamt über 830.000 Warensendungen, die sie im Jahr 2014 abfertigten. 200.000 davon wurden nach Deutschland ein-, der Rest ausgeführt.

Besonders drastisch ist die Entwicklung im Bereich gefälschter Produkte, erklärt die Augsburger Hauptzollamtssprecherin Melanie Mayr: "Aufgriffe im Bereich der Produktpiraterie stiegen zum Vorjahr um das Fünffache an. Ein Grund dafür ist das Onlineshopping. Die vermeintlichen Markenartikel werden im Internet - meist aus Fernost - zum Schnäppchenpreis angeboten. An die Folgen denkt beim Bestell-Klick leider niemand."

So hat das Hauptzollamt Augsburg in seinem Bezirk fast 1500 gefälschte Markenartikel aufgegriffen; überwiegend im Postverkehr. Die Waren haben einen Gesamtwert von rund 280.000 Euro. Darunter waren etwa Handtaschen, Bekleidung, Sonnenbrillen, Fußballfanartikel.

Auch auf den Straßen hatten die Zöllner eine Menge zu tun. Die Kontrolleinheit Verkehrswege beschlagnahmte voriges Jahr rund 160.000 Zigaretten und nahm 20 Personen fest.

2300 Ermittlungsverfahren wegen Schwarzarbeit wurden 2014 abgeschlossen. Dafür wurden 104 Jahre Freiheitsstrafen und über 36 Millionen Euro Geldbußen und -strafen erwirkt. Die Summe der Geldstrafen aus Urteilen und Strafbefehlen stieg somit um über 72 Prozent an.

Die Beamten der Finanzkontrolle Schwarzarbeit hatten über 2100 Arbeitgeber und knapp 11.600 Personen nach deren Beschäftigungsverhältnissen in der Region befragt.

Die Zollverwaltung sucht ab dem 1. April Nachwuchskräfte für den mittleren oder gehobenen Dienst. Ab August 2016 kann eine zweijährige Ausbildung oder ein dreijähriges duales Studium begonnen werden.
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