100-Jahrfeier: Ein Bund macht Schule

Der Unterstufenchor sang vom frechen Gockel, die ehemaligen Schülerinnen lauschten vergnügt.
 
Stettenschülerinnen über mehrere Generationen (von links): Margit Bosch (Abitur 1985), Charlotte Christ, Amelie Hollman (beide Abitur 2022?), Sibylle Schiemenz, Beate Schabert-Zeidler, Angelika Assner-Bosch(Abitur 1972) und Ruth Ahl (Abitur 1946). Fotos: Angelika Lonnemann


Aus ganz Deutschland kamen Frauen nach Augsburg, um 100 Jahre Stettenbund zu feiern. Der Stettenbund ist ein gemeinnütziger Verein ehemaliger Stettenschülerinnen, der die Schule ideell und finanziell unterstützt. Die Vorsitzende Ulrike Brock begrüßte ehemalige Schülerinnen unter anderem aus Kiel, Nürnberg und Bremen. Die heutigen Schülerinnen des Stetten umrahmten den Festakt würdig - zunächst der Unterstufenchor mit einem heiteren Gockel-Rag, später dann der Große Chor mit einem Medley der bekanntesten West-Side-Story-Melodien und schließlich das Orchester mit dem ersten Satz aus Dvoraks Sinfonie "Aus der Neuen Welt".

Brock gab einen kurzen Abriss über die Geschichte des Stettenbundes. Mitten im ersten Weltkrieg hatten ehemalige Schülerinnen gemeinsam mit Rektor Raimund Lembert beschlossen, den Bund zu gründen als einen "innerlichen Zusammenschluss mit dem Geist des Hauses". Ziel war sowohl die Förderung der Mitglieder als auch das "Wohl und Wachstum der Schule". Der Stettenbund organisierte Besuchsdienste für kranke Kinder, Besorgungen für Alte und Behinderte oder auch Lesedienste bei Kriegsblinden. Arme Mitglieder wurden mit Geld oder Essen versorgt.

Für die Schule wurden Sachspenden organisiert, zum Beispiel im Jahr 1928 ein Lichtbildapparat für 900 Reichsmark. "Um die Summe einordnen zu können: das durchschnittliche Jahreseinkommen lag bei 1.500 Reichsmark", berichtete Brock.

Heute dient der Stettenbund dem Netzwerken der ehemaligen Schülerinnen und der Förderung der Schule. So wurden in den vergangenen Jahren mehrere Flügel, Musikinstrumente oder die Ausstattung von Werkräumen finanziert. Das Netzwerken solle in den nächsten Jahren noch weiter ausgebaut werden, wünscht sich Ulrike Brock. "Wir haben unglaublich tolle Frauen unter unseren Ehemaligen, Professorinnen, Künstlerinnen, Managerinnen - verteilt auf allen Kontinenten der Erde. Es wäre doch spannend, diese Fähigkeiten zu bündeln und den heutigen Schülerinnen zur Verfügung zu stellen. Das ist meine Zukunftsvision."

Schulleiterin Barbara Kummer skizzierte das Stetten des 21. Jahrhunderts. "Unsere Schule bietet einen beständigen, sicheren Ort zum Lernen und zum Leben und erreicht gleichzeitig ein hohes akademisches Niveau in allen Bereichen", so Kummer. "Nach dem jetzigen Stand werden wir im Herbst sieben fünfte Klassen aufmachen, ich freue mich, dass das Stettensche Institut auch heute eine gefragte Schule ist."

Unter den vielen Besucherinnen des Festaktes war auch Ruth Ahl. Sie stammt aus Reinhartshausen, hat 1946, vor genau 70 Jahren, Abitur am Stetten-Institut gemacht und sie sei der Schule bis heute dankbar, dass sie hier nach den schlimmen Kriegsjahren Unterstützung fand und ihr Abitur machen durfte. Sie wohnte zur Untermiete bei einer Lehrerin. "Abends saß am einen Ende die Familie am Küchentisch, um zu essen, die Hauswirtschafterin wuselte herum und ich saß am anderen Ende und lernte. Ich erinnere mich sehr gern an meine Zeit am Stetten zurück", erzählte die Buchautorin und ehemalige Publizistin, die aus Bonn angereist kam.

Eine Führung durch das Stetten-Institut inklusive kurzer Einblicke in die Geschirr- und Wäscheschränke der Gründerin Anna Barbara von Stetten rundete das Jubiläumsfest ab. Im Barbarasaal wurden Jahresberichte des Stettenbundes und der Schule ausgestellt, in denen die Besucher blättern konnten.
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