140 Flüchtlinge kommen in Reischelsche Wirtschaftsschule

In der Turnhalle der Reischleschen Wirtschaftsschule Augsburg wurde quasi über Nacht eine Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge eingerichtet. Hier warten sie an der Essensausgabe in einer der drei Abteilungen der Dreifachturnhalle. Foto: Annette Zoepf

Der Flüchtlingsstrom schwillt weiter an. Erstmals musste nun in Augsburg eine Turnhalle zu einer Notunterkunft umfunktioniert werden. Quasi über Nacht schufen die Augsburger Hilfsorganisationen eine vorübergehende Bleibe für 140 Menschen.

Die Flüchtlinge waren am Wochenende im niederbayerischen Grenzgebiet aufgegriffen und dann in Bussen nach Augsburg zur Reischelschen Wirtschaftsschule geschickt worden. Die Regierung von Schwaben und die Stadt Augsburg funktionierten die Turnhalle zu einer Not-Erstaufnahme für die rund 140 Flüchtlinge um.

Mittlerweile bestehen drei provisorische Erstaufnahmeeinrichtungen in Augsburg, doch alle Plätze sind belegt. Damit gilt laut Sozialreferent Stefan Kiefer auch in Augsburg der Notfallplan, sprich es werden auch Turnhallen und andere öffentliche Gebäude für die Unterbringung von Flüchtlingen herangezogen.

Möglich wurde die Aufnahme durch den spontanen Hilfseinsatz von knapp 70 Ehrenamtlichen des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK), der Johanniter und Malteser. Die Regierung von Schwaben hatte am Sonntag die Augsburger Hilfsorganisationen beauftragt, eine Notunterkunft in der Turnhalle einzurichten sowie das medizinische Screening zu übernehmen. Die Helfer leisteten ganze Arbeit und bauten in der Dreifachhalle Verpflegungs- und Ruhebereiche auf. Außerdem übernahmen sie die medizinische Erstversorgung gemeinsam mit mehreren Ärzten und Rettungskräften.

Innerhalb kürzester Zeit hatten die Einsatzkräfte eine komplette Infrastruktur installiert - von Babynahrung bis zu Spielsachen und Hygieneartikeln für die Familien aus Afghanistan, Syrien und dem Irak. Bis zum Abend koordinierte Johanniter-Einsatzleiter Patrick Klotz die Hilfskräfte: "Das Zusammenspiel war mit allen Hilfsorganisationen hervorragend. Die zahlreichen Übungen zahlen sich in solchen Notsituationen aus." Das BRK übernahm die Verpflegung und Betreuung der Flüchtlinge, während Malteser und Johanniter gemeinsam die medizinische Erstuntersuchung durchführten.

"Wenn man die Menschen sieht und ihre Geschichten erfährt, hilft man sofort und gerne", erklärte BRK-Zugführer Felix Schöpf und Dr. Peter Lindner, Leiter der Malteser Migranten Medizin in Augsburg, hatte dann eine gute Nachricht: "Die meisten Flüchtlinge sind gesund und die wenigen Erkrankten konnten so vor Ort gut versorgt werden."

Regierungspräsident Karl Michael Scheufele dankte vor Ort den Ehrenamtlichen für ihren "großartigen, nicht selbstverständlichen Einsatz und die Zusammenarbeit mit allen Beteiligten". Sozialreferent Kiefer und Ordnungsreferent Dirk Wurm waren ebenso vor Ort. "Wir müssen gemeinsam mit den anderen staatlichen Einrichtungen Sorge dafür tragen, Menschen in Not weiterhin gut aufnehmen zu können", erklärte Kiefer.

Hoffnung auf eine Entspannung der Lage ist nicht in Sicht. Noch in dieser Woche rechnet die Regierung mit weiteren 800 Flüchtlingen in Schwaben. "Wir werden diese Gruppe in den bestehenden Erstaufnahmeeinrichtungen unterbringen können", ist Regierungssprecher Karl-Heinz Meyer zuversichtlich. Schwabenweit stehen mittlerweile 700 Plätze in Übergangs-Erstaufnahmeeinrichtungen zur Verfügung, 300 davon allein in Augsburg. Hier sollen demnächst im Kobelweg weitere 250 Plätze dazukommen, auch in Wertingen (Landkreis Dillingen) ist laut Meyer eine Übergangseinrichtung angedacht.

Der Bau der geplanten Erstaufnahmeeinrichtung an der Berliner Allee wird sich dagegen verzögern. Eigentlich sollte sie im Frühjahr 2016 ihren Dienst aufnehmen, doch bevor überhaupt mit dem Bau begonnen werden kann, muss die oberste Erdschicht ausgetauscht werden. Der Boden auf dem Gelände der ehemaligen Straßenmeisterei ist für eine Wohnnutzung zu stark mit Schadstoffen belastet.

Weiteres Problemfeld für die Regierung ist derzeit der Mangel an medizinischem Personal. So mussten nun Ärzte und Arzthelferinnen auf Honorarbasis per Zeitungsannonce gesucht werden. "Wir wollen die Registrierung und die medizinischen Untersuchungen möglichst rasch abschließen", erklärt Meyer. Umso schneller könnten die Flüchtlinge auf andere Unterkünfte verteilt werden.

von Markus Hoeck
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