20 Meter in die Tiefe: Tunnelbau am Bahnhof

Blick in die Tiefe: Eine auf dem Boden aufgeklebte Grafik vermittelt in der Bahnhofshalle einen optischen Eindruck von den künftigen beiden Ebenen unter dem Hauptbahnhof - im ersten Untergeschoß die Verteilerebene und darunter die Straßenbahnhaltestelle. Foto: swa / Thomas Hosemann

Für Bahnfahrer wird es wieder spannend: Die Stadtwerke Augsburg (swa) treiben ihren Straßenbahntunnel auf der Ostseite des Hauptbahnhofs weiter voran. Die 20 Meter tiefe Baugrube reicht dann bis direkt ans Empfangsgebäude, aus dem bis Ende des Jahres auch die Geschäfte ausziehen müssen.

Aufmerksame Pendler haben es schon bemerkt, der Bauzaun auf dem Bahnhofsvorplatz ist gewandert. Der Bretterverschlag umschließt jetzt die Fläche, die sich ab Mai in eine etwa 20 Meter tiefe Baugrube verwandeln soll. "Bussteig F musste stillgelegt werden", erklärt Projektleiter Bernhard Groß. Die Busse halten nun in der Bahnhofstraße.

Auch sonst ändert sich durch die Baustelle einiges. So entfällt die Hälfte der bisherigen Kurzzeit-Parkplätze. Ab Ende April beziehungsweise Anfang Mai wird es dann gar kein Kurzzeitparken mehr geben. "Nur noch elf sogenannte Kiss&Ride stehen dann zur Verfügung", ergänzt swa-Geschäftsführer Walter Casazza. Diese Plätze für das schnelle Ein- und Aussteigen reihen sich entlang des Fuggerstadt-Centers auf. Die Taxis belegen die bisherigen Kiss&Ride-Plätze und müssen sich mit einer verkürzten Aufstellung begnügen.

Beschränkten sich bisher die Arbeiten auf den Bahnhofsvorplatz im Osten und den Bereich der Gütergleise im Westen, wird nun auch erstmals das Bahnhofsgebäude selbst angefasst. Betonbohrpfählen werden als Teil der Baugrube und zum Schutz des denkmalgeschützten Gebäudes unmittelbar vor der Fassade des Bahnhofsgebäudes eingebracht. Dafür müssen Teile der Arkaden im unmittelbaren Baufeld "zerstörungsfrei rückgebaut werden", wie es Groß ausdrückt. Alles geschehe dabei in enger Absprache mit dem Denkmalschutz. Säulen und Teile der Decke werden abgebaut und sicher eingelagert, um sie nach Fertigstellung des Tunnels wieder originalgetreu aufbauen zu können.

Überhaupt liegt laut Groß darin die große Herausforderung: Die Tunnelbaustelle so zu gestalten, dass dem denkmalgeschützte Gebäude auch ja nichts passiert. Dafür werde der historische Bau streng überwacht und beim kleinsten Anzeichen von Schwierigkeiten würden die Arbeiten gestoppt und nach Alternativen gesucht.

Aktuell reicht der Tunnel bis etwa 30 Meter vor das Bahnhofsgebäude und ist im Rohbau bereits fertig: Eine 120 Meter lange Auf- und Abfahrtsrampe für die Straßenbahnen in der Halderstraße und der anschließende, ebenfalls rund 120 Meter lange Tunnelabschnitt unter der Viktoriastraße und dem Bahnhofsvorplatz. In diesem Jahr wird die 30-Meter-Lücke bis zum Gebäude geschlossen.

Bereits in vollem Gange sind die Arbeiten auf der Westseite des Bahnhofs im Bereich der Gütergleise. Hier werde es im Juni besonders spannend, versprechen Groß und Casazza. Weil der Tunnel gerade mal im Mindestabstand die Gütergleise unterquert, müssen Teile des Tunnels vorher gefertigt werden. Sie werden dann unter den Gleisen hindurch geschoben. "Das gibt spektakuläre Bilder", verspricht Casazza.

Im nächsten Jahr steht dann schließlich die größte Aufgabe an: der Tunnelabschnitt unter dem Bahnhofsgebäude. Die Stadtwerke wollen im neuen Jahr mit den Vorarbeiten beginnen, daher müssen bereits Ende 2016 die Geschäfte und das Reisezentrum der Deutschen Bahn in Container auf dem Vorplatz umziehen.

Optimistisch glauben Groß und Casazza daran, dass demnächst die Bahn mit den Arbeiten für den zusätzlichen Personenbahnsteig "F". "In den nächsten Monaten" formulieren sie trotzdem vorsichtig. Bahnsteig "F" soll bis Ende 2017 fertig sein. Erst dann kann ab 2018 unter den Personenbahnsteigen abschnittsweise das Stationsbauwerk, also die Straßenbahnhaltestelle und die darüber liegende Verteilerebene, gebaut werden.

2022 sollen der Straßenbahntunnel und die -haltestelle unter den Bahnsteigen der DB in Betrieb gehen. Die Projektkosten liegen bei geschätzt 181 Millionen Euro - inklusive Bauherrenleistungen, Instandhaltungspauschale an die Bahn und einem Fünf-Millionen-Euro-Puffer. Hinzu kommt die Baupreissteigerung von drei Prozent im Jahr. "Wir liegen gut im Zeit- und Kostenplan", versichert swa-Chef Casazza.
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