4000 Floße auf dem Lech

Das Archivbild zeigt die Floßgasse beim Augsburger Hochablass vor dessen Zerstörung (Aufnahme um 1900). (Foto: Augsburger Stadtlexikon)

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts stand die Flößerzunft noch in voller Blüte. Und der Bedarf an diesen hölzernen Wasserfahrzeugen war wohl immens. Sonst hätte die am 13. März 1866 – also vor 150 Jahren – erlassene Königlich-Bairische Floßordnung nicht solche Ausmaße erlaubt: Bis zu 40 Meter lang und sieben Meter breit durfte so ein Flussgefährt sein. Doch auf dem Lech wird man solche „Apparate“ nicht angetroffen haben.

Im Gegensatz zu Donau und Main war der Lech wohl zu schmal für solche „3XL-Großfahrzeuge“. Trotzdem: Auch die Lechflößer – meist aus Füssen, Lechbruck oder Schongau stammend – agierten europaweit und „reisten“ bis Wien und gar Belgrad. Der Füssener Heimatforscher Josef Deißer – der Ende der 1920er Jahre die Lechflößerei erforschte – hat eruiert, dass um 1900 jährlich bis zu 4 000 Floße zwischen Füssen und Augsburg verkehrten.
Klar, dass da eine strengbehördliche Floßordnung von Nöten war. Richtig floßbar war der grüne Lech ab der Lände bei Vils in Tirol gleich hinter Füssen. Und bis zur Mündung des Lechs in die Donau sind es immerhin 176 Kilometer die zu schaffen waren. So eine gefährliche Fahrt bis nach Augsburg dauerte je nach Wasserstand und Tageslicht ein bis zwei anstrengende Tage.

1914 war Schluss mit der Lechflößerei

Im Streckenbereich zwischen Füssen und Lechbruck musste sogar ein Lotse aufgenommen werden, denn dort war „in den Schlunden des Tiefental eine böse Fahrte“, berichtet die Füssener Flussordnung aus dem Jahre 1585. Bunt gemischt war die Fracht der Flussspediteure: Holz, Vieh, Kalk, Gips, Holzkohle. Öl, Blei und Zinn waren zu befördern. Manchmal waren auch Soldaten dabei. Und nicht zu vergessen ist, dass der „wilde Lech“ unter allen bayerischen Alpenflüssen das größte Talgefälle zu verzeichnen hat. 1473 Meter „stürzt“ der Strom von seiner Quelle bis zur Mündung in die Donau hinab. Um 1900 waren zu dem 15 Pfeilerbrücken, 14 Querfahrten und die Schleusen und Wehre bei Füssen, Schongau und Landsberg sowie beim Augsburger Hochablass und unterhalb der Hochzoller Brücke zu bewältigen. Doch schon im Sommer 1914 befuhr das letzte gewerbliche Transportfloß die Floßgasse am Hochablass. Die Konkurrenz der Eisenbahnen machte der ehrbaren Flößerzunft den Garaus und die immer mehr den Lechrain säumende Industrie sowie die Ausbreitung der Besiedelung taten ein Übriges. Der uralte nasse Handelsweg hörte auf zu bestehen und die tapferen „Floßknechte“ hatten ausgedient.

Heinz Münzenrieder
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