Ab Ende August wird's spannend: Augsburgs Unesco-Welterbe-Bewerbung auf der Zielgeraden

Mehr als Marmor, Figuren und Wasser: Das System, das auch hinter den Augsburger Brunnen steckt, ist einzigartig. Davon sind die Initiatoren der Welterbebewerbung Augsburgs mit seiner Wasserwirtschaft überzeugt. Die 21 Denkmäler des rund acht Jahrhunderte umfassenden Systems sind in einem 228 starken neuen Buch zusammengefasst. Foto: David Libossek

Rund zwei Jahre dauert für Augsburg das bange Warten. Dann wird die Unesco verkünden, ob die historische Wasserwirtschaft Weltkulturerbe wird. Die Zeit zu überbrücken, hilft möglicherweise ein regelrechter Welterbewälzer, den die Stadt nun herausgegeben hat. Angst, im Sommer 2019 mit leeren Händen dazustehen, haben die Organisatoren derweil keine.

Selbst der Oberbürgermeister kommt offenbar kaum noch hinterher bei den Anstrengungen seiner Stadt um den Titel Weltkulturerbe. "Das mittlerweile zweite Buch" zu dem Thema kündigte Kurt Gribl an und wurde umgehend vom Kulturreferenten korrigiert. "Das Vierte", warf Thomas Weitzel verbessernd ein.

Es ist schließlich bereits Bewerbungsendspurt. Am 31. August wird Augsburg das Gesuch, seine historische Wasserwirtschaft als Weltkulturerbe auszuzeichnen, an das Kultusministerium übergeben, die das Ansinnen wiederum an die Unesco weiterleiten. In Paris prüft dann eine Kommission die Unterlagen, gibt eventuell notwendige Änderungen an die Stadt weiter. Bis zum 1. Februar kann die Stadt dann noch einmal an der Bewerbung feilen, dann ist Warten bis zum Sommer 2019 angesagt.

Augsburg im Vergleich mit Venedig und Paris

Das ominöse vierte Buch nennt Weitzel einen Appendix, einen Anhang also, wobei es eher einem Opus, einem Gesamtwerk, gleicht. 228 Seiten stark fassen 21 Autoren noch einmal quer durch 800 Jahre Augsburger Wassergeschichte alle Aspekte zusammen, vergleichen unter anderem die historische Systematik und die dazugehörigen 21 ausgewählten Denkmäler mit vergleichbaren Wasser-Welterbestätten in Venedig, Paris oder dem Harz.

Nicht irgendein Renaissance-Brunnen

Dabei sei wichtig, dass es sich, blickt man in Augsburg auf einen Brunnen, "nicht einfach um irgendeinen Renaissance-Brunnen" handelt, betont Weitzel. Vielmehr stecke ein ausgeklügeltes System dahinter, zumal die Augsburger über Jahrhunderte Trink- von Brauchwasser getrennt haben: "Das hatte Vorbildfunktion für Dritte", sagt der Kulturreferent. Die acht Jahrhunderte der Wasserkunst endeten vor allem nicht; die Geschichte wird fortgeschrieben. Der Trinkwasserschutz sei noch immer beispielhaft, "das wird ebenfalls mit einfließen", bekräftigte Weitzel, der schließlich vollends ins Schwärmen geriet: "Wir haben damit eine Botschaft an die Menschheit, die einzigartig ist."

Ab 2019 Unesco-Welterbe? Augsburg ist zuversichtlich

Das Unesco-Vorhaben schlägt, glaubt man Welterbekoordinator Ulrich Mühlegger, in der Region bereits Wellen. "Die Augsburger haben Wasser gefangen", formuliert Mühlegger, der bald ein eigenes Büro inklusive Welterbe-Info am Rathausplatz beziehen wird, seine Freude dem Thema sprachlich passend. Zahlreiche Organisationen und Einrichtungen, Hochschule und Uni sowieso, aber auch überregionale Medien interessieren sich für das Augsburger Ansinnen oder wollen einen Teil dazu beitragen, dass die Stadt im Sommer 2019 auf der gewichtigen Liste der Unesco ihren Platz findet.

Allerdings weht auch ein Hauch von Do-or-die-Szenario über Augsburgs Kanäle. Denn auch wenn der Welterbetitel möglicherweise über Umwege erreicht werden kann, "hat man eigentlich nur einen Schuss", sagt Mühlegger - "und der muss sitzen". Dann grinst Mühlegger. So zuversichtlich, dass es klappt? "Ja."
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