Abschiebung nach Afghanistan: Augsburger Zehntklässler starten Petition für Mitschüler Ali Reza

Ali Reza droht die Abschiebung nach Afghanistan. Seine Mitschüler an der Freien Waldorfschule Augsburg setzen sich mit einer Petition für ihn ein. (Foto: Freie Waldorfschule Augsburg)
 
Um die Kosten der Klage gegen den Abschiebungsbescheid zu decken, haben die Schüler ein Konto eingerichtet. (Foto: Freie Waldorfschule Augsburg, change.org/alisollbleiben)

Ali Reza geht seit Oktober 2016 in die 10. Klasse der Freien Waldorfschule Augsburg und hat dort wahre Freunde gefunden. Er ist ein "beliebter Mitschüler, der sich super integriert hat und sich bei uns wohl fühlt", schreiben seine Mitschüler in der Petition, die sie für ihn gestartet haben. Denn vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) hat der 18-Jährige kürzlich den Bescheid erhalten, dass er nach Afghanistan ausreisen muss.

"Ein wichtiger Teil unserer Klasse würde herausgerissen werden, wenn er gehen muss", zeigen sich die Schüler der 10. Klasse betroffen. Wie Johannes Schmid erzählt, war den Mitschülern schon vorher klar, "dass mal was in der Richtung passieren wird." Schon früh dachten sie über Unterstützungsmöglichkeiten nach. Nun freuen sie sich umso mehr, dass sie mit ihrer Petition nach zwölf Tagen bereits über 20.000 Unterschriften sammeln konnten. Den Text haben die Schüler mit ihrem Betreuungslehrer zusammen geschrieben und viel Mühe hineingesteckt.

Petition geht an die höchsten Stellen

Wenn es genügend Unterstützer gibt, wollen die Schüler nach München reisen und dort mit dem bayerischen Innenminister Joachim Herrmann sprechen. Auch der bayerische Landtag soll die Petition erhalten. Die Schüler hoffen, dadurch die Abschiebung verhindern zu können.

Denn Ali Reza hat in Afghanistan keine guten Aussichten: "Rückkehrer erwarten katastrophale humanitäre Bedingungen in Massencamps, die Versorgung dort ist äußerst angespannt, so schreibt das BAMF in den Bescheiden", teilen die Zehntklässler in der Petition mit. Auch das Auswärtige Amt rät davon ab, Afghanistan zu bereisen, und warnt vor "terroristisch oder kriminell motivierten Gewaltakten".

Flucht aus Afghanistan in den Iran - und schließlich nach Deutschland

Diese Situation hatte die Familie von Ali Reza bereits vor Jahren dazu bewogen, ihr Land zu verlassen. Zu diesem Zeitpunkt war Ali vier Jahre alt. Im Iran fand die Familie Sicherheit, doch befand sie sich illegal in dem arabischen Land. Immer wieder gab es Repressalien, bis schließlich Ali mit Freunden in einem Park aufgegriffen wurde.

Ali und seine Familie flogen auf, doch die Regierung stellte ihnen eine Legalisierung des Aufenthalts in Aussicht. Dafür hätte Ali, der zu dem Zeitpunkt 16 Jahre alt war, für Assad in den Syrienkrieg ziehen müssen - doch die Kämpfer kehrten meistens tot zurück. Die Familie drängte Ali, nach Deutschland zu fliehen. Die Flucht dauerte Monate, nun hat er es geschafft, sich hier ein sicheres Leben aufzubauen.

Ali möchte Erzieher werden

Ali möchte in Augsburg seinen Realschulabschluss machen. Er spricht gutes Deutsch, und träumt davon, später mit Kindern zu arbeiten. Daher möchte er eine Ausbildung zum Erzieher machen. Ausbildungsstellen gäbe es genügend und Betriebe wie Steuerzahler hätten bereits Millionen investiert, um Flüchtlinge in die Gesellschaft und den Arbeitsmarkt zu integrieren, schreiben die Schüler der 10. Klasse.

Ali hat sich am Donnerstagvormittag im afghanischen Generalkonsulat in München um eine Taskira bemüht, den afghanischen Pass. Damit möchte er sich auf die Ausbildung zum Erzieher bewerben. Diese gehört aber nicht zu den Ausbildungsberufen, die anerkannt sind für eine Duldung in Deutschland. Umso wichtiger ist der nächste Schritt, den Ali eingeleitet hat: eine Klage gegen den Bescheid.

Zusammenhalt: Ali klagt - und seine Mitschüler sammeln Geld für die Anwaltkosten

30 Tage bis zur Abschiebung - so viel Zeit bleibt, nachdem man einen Bescheid erhält. Ali hat gegen den Bescheid geklagt, nun heißt es abwarten. "Die Bearbeitungsdauer ist unklar, das kann in zwei Wochen passieren, aber auch erst in Monaten", erklärt sein Mitschüler Johannes Schmid. Um das Geld für den Anwalt aufzubringen, haben die Schüler ein Spendenkonto eingerichtet. Außerdem gibt es am 30. Juni eine Buffetaktion an der Rudolf-Steiner-Schule Augsburg anlässlich eines Klassenspiels der 9. Klasse.
Auch die Partei "Die Linke" Augsburg spricht sich gegen eine Abschiebung aus. Die Bundestagskandidaten der Linken betonen ebenfalls, dass Afghanistan kein sicheres Herkunftsland ist.

Wer die Schüler unterstützen möchte - zur Petition für Ali geht es hier.
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Christoph Götz aus Friedberg | 01.06.2017 | 11:24  
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