Abschiebung verhindert: Waldorfschüler Ali Reza darf bleiben - zunächst

Die Schüler freuen sich: Ali Reza, ihr Mitschüler an der Waldorfschule, darf zunächst bleiben. (Foto: Freie Waldorfscuhle Augsburg)
 
Freude bei den Schülern der Waldorfschule Augsburg: Ali Reza darf bleiben. (Foto: Freie Waldorfschule Augsburg)

Damit hatten die Schüler und Ali Reza nicht gerechnet, selbst die Anwältin hatte nicht daran geglaubt, doch ein Richter des Verwaltungsgerichts Augsburg hat kürzlich die Abschiebung des jungen afghanischen Waldorfschülers Ali Rezas gestoppt.

Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) hatte den Asylantrag des 18-Jährigen im Mai abgelehnt, er hatte mithilfe einer Anwältin dagegen Klage eingereicht. Die Hälfte der zehnten Klasse sowie der Klassenlehrer Werner Korschinsky hatten Ali Reza ins Gericht begleitet, um ihm bei der zu erwartenden Abweisung der Klage moralisch beizustehen.

Überraschendes Urteil: Abschiebestopp für Ali Reza

„Die Verhandlung dauerte eine Stunde. Der Richter befragte Ali zur aktuellen Situation, dabei zeigte sich, dass der Richter sehr gut über den Fall informiert war. Er war begeistert darüber, wie gut Ali schon deutsch sprach. Nur ab und zu musste der Übersetzer einspringen, als es komplizierter war“, erzählt Alis Mitschüler Johannes Schmid. „Wir alle hatten die Ablehnung erwartet. Sogar die Anwältin von Ali war nicht mit zur Verhandlung gegangen, weil sie geglaubt hatte, die Chance, dass Ali gewänne, läge bei Null Prozent“, berichtet die Mitschülerin Sara Kunova.

Nach der einstündigen Verhandlung sprach der Richter dann zur großen Überraschung aller den Abschiebestopp aus. Alis Familie lebt schon seit 14 Jahren nicht mehr in Afghanistan, sondern im Iran. Wenn Ali also nach Afghanistan abgeschoben würde, hätte er dort niemanden. In den Iran kann ein Afghane aus Deutschland nicht abgeschoben werden.

Schüler: Ali bleibt verdientermaßen in Deutschland

Nun ist die ganze Klasse mitsamt der beiden Klassenlehrer Uwe Henken und Werner Korschinsky sehr glücklich. „Ali muss jetzt keine Angst mehr haben, was morgen ist. Er hat eine Zukunft hier. Ich finde, dass er sich das mit der Vorgeschichte auch verdient hat!“ sagt Sara.
Die Klasse hatte im Herbst 2016 zugestimmt, dass der damals 17-jährige afghanische Flüchtling in ihre Klasse kommen solle. Dadurch haben die Schüler nun mehr Lebenspraxis und Kenntnisse in Sachen Asylrecht, Medien und Solidarität erhalten, als sie je im Sozialkundeunterricht hätten lernen können.

„Ich finde es toll, welche Erfahrungen wir durch diese Geschichte machen konnten und wen wir alles kennengelernt haben. Wenn man sich für etwas einsetzt, dann kann man etwas bewegen. Wir haben es geschafft, dass seit dem 18. Mai 50.000 Menschen online bei „Change.org“ eine Petition für Ali unterschrieben haben. Die Medien sind auf uns aufmerksam geworden, der Bayerische Rundfunk war bei uns. Wir haben für die Prozesskosten von Ali Spenden gesammelt, da sind bisher knapp 2.000 Euro zusammengekommen“, berichtet der Mitschüler Lucas Hein.

Wenn die Stricke reißen: Ausbildung statt Schule

Noch ist allerdings über den Fall nicht endgültig entschieden. Das BAMF hat jetzt nämlich vier Wochen Zeit, gegen den Abschiebestopp Einspruch einzulegen. Die Anwältin erwartet, dass dies auch passiert.

Falls der Abschiebestopp doch wieder aufgehoben wird, dann hat die zehnte Klasse noch einen Notfallplan. Ali möchte eigentlich an der Waldorfschule den Realschulabschluss und danach eine Ausbildung zum Erzieher machen. Sollte aber doch die Abschiebung drohen, dann wird Ali in Augsburg eine Lehre zum Konditor machen. „Nur, wer eine Ausbildung macht, darf nicht abgeschoben werden. Für die schulische Ausbildung gilt das nicht“, berichtet der Klassenlehrer, der den Kontakt zu einer Augsburger Bio-Bäckerei hergestellt hat und die Zusage für die Konditorenlehre für den Fall der Fälle bekommen hat. Die zehnte Klasse und ihre Klassenlehrer geben also nicht auf. „Ali Reza gehört zu uns und er bleibt hier in Augsburg, egal wie!“, so die Mitschülerin Luzia Menacher.

Ali Reza hat direkt nach der Verhandlung mit seiner Familie im Iran telefoniert. „Auch die waren sehr, sehr glücklich“, sagt Ali leise. (pm/tab)
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