Achtung, ansteckend: Ausstellung über Seuchen im Stadtarchiv Augsburg

Exponate, die vom Seuchen-Schrecken zeugen: Originaldokumente, hier beispielsweise zur Geschichte des Augsburger Krankenhauses, werden in modernen Vitrinen präsentiert. (Foto: Helene Kuhn)

In einer der elf klimatisierten Vitrinen, liegen zwei Krankenpässe. Sie stammen aus dem 18. Jahrhundert. Dem Träger des in Augsburg ausgestellten Dokuments wurde bescheinigt, aus einer seuchenfreien Stadt zu kommen. 40 Tage lang durfte er sich nun frei bewegen, bis ein neuer Schein ausgestellt werden musste.

Da es sich bei den beiden Pässen um Vordrucke handelt, müssen die Dokumente zu diesem Zeitpunkt schon in großer Stückzahl produziert worden sein. Wer Eintritt in andere Städte erbat, musste erst seinen Gesundheitspass vorzeigen. So sollte verhindert werden, dass die Seuche überhaupt in die Stadtmauern vordrang.
Exponate wie diese verdeutlichen derzeit in der Ausstellung „Der Feind in der Stadt – Vom Umgang mit Seuchen in Augsburg, Nürnberg und München“, welche Gefahr Seuchen auf Bayerns Großstädte ausübten. Im Stadtarchiv Augsburg sind dazu Reproduktionen, aber auch zahlreiche Originale aus dem 16. und 20. Jahrhundert ausgestellt. Für die Besucher wird sichtbar, wie die damalige Bevölkerung und die Obrigkeit mit Seuchenausbrüchen umzugehen versuchte. Amtsbücher, Totenschein-Bände und Flugblätter veranschaulichen damalige Denkweisen zur Aufklärung, Verhinderungsversuchen einer Ausbreitung der Krankheiten und schließlich Dokumentation von Seuchenopfern.

"Der Feind in der Stadt" wird mit wechselnden Exponaten an den jeweiligen Ausstellungsort angepasst.

In mehreren ausgestellten Bänden, welche die Jahre 1853 bis 1855 umspannen, wurden Todesfälle in der Stadt Augsburg erfasst. Opfer der Cholera, die 1854 in Augsburg ausbrach, wurden schon damals speziell markiert – eine Vorform der modernen Statistik.
Im letzten Abschnitt der Exposition werden den Besuchern die Spuren, die Epidemien in den Stadtbildern hinterließen, vor Augen geführt. Besonders interessant sind sicher die Bezüge zu den Anfängen des Augsburger Krankenhauses oder der 1860 gegründeten Augsburger Frauen-Krankenkasse. Auf Stadtkarten haben Mitarbeiter des Archivs in mühevoller Kleinarbeit Daten zum Seuchenbefall übertragen, deutlich wird dadurch beispielsweise die hohe Konzentration von Opfern in ärmeren Wohngebieten.
Zur weiteren Anschaulichkeit tragen Fotos und Original-Grundrisse bei, teilweise in leuchtend gelbe Passepartouts gefasst.

Die Ausstellung ist als Rundgang aufgebaut und trotz der geschichtlichen Fokussierung durch weiße Stellwände und die klimatisierten Glasvitrinen modern gestaltet. „Der Feind in der Stadt“ ist eine lohnende Exposition, die noch bis einschließlich 24. November zu sehen ist. (hk)
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