Alleine auf der Flucht

Die Jungen haben ihre Flaggen an die Wand gemalt. Foto: Sarah Steuer

Nach dem langen und beschwerlichen Weg aus dem Heimatland sind vor allem jugendliche Flüchtlinge körperlich meist völlig ausgezehrt und krank. "Wichtig ist zunächst die medizinische Betreuung", erzählt Veronika Hager, Mitarbeiterin der Condrobs Puerto Inobhutnahme. Diese Einrichtung im Augsburger Stadtteil Oberhausen feierte vor Kurzem ihr zweijähriges Bestehen. Sie ist Anlaufstelle für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge im Alter von 16 bis 18 Jahren.

Ursprünglich wurde die Organisation Condrobs 1971 gegründet, um Suchtmittel konsumierenden Kindern zu helfen. Doch seit 2010 kümmert sie sich nun auch um unbegleitete minderjährige Flüchtlinge.

Nach der medizinischen Behandlung kommen die Jugendlichen in eine der "Clearing-Stationen", wo sie aufgrund der meist monatelangen Flucht psychologisch betreut werden müssen. Auch werden ihre Fähigkeiten geprüft und sie belegen einen Sprachkurs, "um später in Anschlussprojekte weitervermittelt zu werden", sagt Veronika Hager.

Die Zentrale Inobhutnahme Einrichtung (ZIE) in Oberhausen beherbergt bis zu 19 Jungen, welche dort in Einzel- oder Doppelzimmern zusammen wohnen. Nachdem zu Beginn im Jahr 2013 nur acht Plätze im Haus vorhanden waren, wurde dieses ziemlich schnell ausgebaut, um mehr jugendliche Flüchtlinge aufnehmen zu können.

Die Zimmer der Jungen sind mit einem Bett, einem Schrank und einem Schreibtisch ausgestattet. Die Sanitäranlagen befinden sich auf dem Flur. Den Jungen steht außerdem ein Freizeitraum zur Verfügung, in dem sie Tischtennis und Kicker spielen können.

Die Jugendlichen verpflegen sich zum Großteil selbst und bekommen dafür ein festes Essensgeld gestellt. Es steht eine geräumige Küche zur Verfügung, in welcher sie einzeln oder in Gruppen zusammen kochen können. Auch hat jeder ein eigenes, abschließbares Fach für sein Essen.

"Der Speiseraum ist das zentrale Zimmer im Haus, in welchem zusammen gegessen und gelernt wird", erzählt Hager. Dort sitzen die Jungen mit den Betreuern gemeinsam und "wir können uns unterhalten oder Spiele spielen". Auch ein Wohnzimmer haben die Jungen, in dem es einen Fernseher und mehrere Sitzmöglichkeiten gibt. Sogar eine Spielekonsole gibt es in diesem Raum.

Das Jugendamt Augsburg arbeitet eng mit der Inobhutnahmestelle zusammen. "Wir sind sehr froh, dass die minderjährigen Flüchtlinge unter die Jugendhilfe fallen. Dies ist enorm wichtig, damit sie optimal pädagogisch und psychisch betreut werden können", betont Stefan Kiefer, Sozialreferent der Stadt Augsburg.

Die Nachbarschaft sei sehr verständnisvoll und das Zusammenleben funktioniere sehr gut, sagt Karin Wiggenhauser, Geschäftsführerin von Condrobs. Einzig die Mülltrennung und die Straßenverkehrsordnung sei für viele der Jugendlichen anfangs ein Problem.

Ziel der Beherbergung ist es, die Jugendlichen innerhalb der drei Monate, die sie dort wohnen, auf das mögliche weitere Leben in Deutschland vorzubereiten. Sie sollen so bald es möglich ist einen Abschluss erlangen, um danach eine Ausbildung machen zu können.

"Die Handwerkskammer Augsburg geht offen auf unsere Einrichtung zu, um den Jugendlichen eine Ausbildung zu ermöglichen", erzählt Karin Wiggenhauser.

Neben der Einrichtung in Oberhausen befinden sich in Augsburg noch zwei weitere Condrobs-Einrichtungen für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge. Zudem gibt es weitere Organisationen und somit ungefähr 70 Inobhutnahmeplätze für Jugendliche.

In Planung ist eine weitere Aufnahmestelle, die in der Sterngasse im Zentrum Augsburgs entstehen soll. Dort sollen bis zu 38 Minderjährige unterkommen können.
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