Alles, nur nicht langweilig

Älter und im Gesicht etwas rundlicher ist er geworden, seit er vor mehr als 16 Jahren aus dem bayerischen Hainhofen zu seiner sechsjährigen Weltumsegelung startete. Den Schnauzer von damals trägt der heute 52-jährige Udo Wyklicky noch immer, ein leicht grauer Stoppelbart ist hinzugekommen. Für Wyklicky war seine Weltumsegelung nicht nur die Erfüllung eines Lebenstraums, es war eine Reise, die sein Leben änderte.


„Die Langsamkeit des Segelns macht den Kopf frei“, beginnt der weitgereiste Bayer zu erzählen. Seine Geschichten handeln von fremden und fernen Ländern und könnten Bücher füllen. Begeistert berichtet er von der Herzlichkeit und hautnahen Begegnungen mit den unterschiedlichsten Menschen und Kulturen. Doch der stoppelbärtige Abenteurer kennt auch andere Geschichten – schlimme Geschichten aus einer Zeit davor.

Auf der Suche nach Herausforderungen zieht es den jungen Wyklicky schon früh aus dem beschaulichen Hainhofen, einem Stadtteil von Neusäß, hinaus in die große weite Welt. „Alles, nur nicht langweilig“, soll es sein, Abenteuer will er erleben.

Beruflich unentschlossen, entscheidet er sich für den Militärdienst als, wie er hofft, aufregende Alternative zu einem „normalen Job“. Immer wieder verlängert Wyklicky aufgrund fehlender beruflicher Wünsche seinen Zeitvertrag als Fallschirmjäger, Fernmelder und Zugführer einer Spezialeinheit. Bei den Auslandseinsätzen erlebt er Abenteuer.

So manche lustige, aber auch viele traurige und bewegende Geschichte aus dieser Zeit kann er zum Besten geben. So hilft er als Soldat einmal einer einheimischen Frau, die vor dem Sanitätszelt mit ihrem schwerstkranken Baby ansteht, schneller an die Reihe zu kommen. Vom Arzt muss er erfahren, dass das Kind sterben wird. Drei Tage früher hätte das Baby noch behandelt werden können. Das Tragische daran war, dass die Frau bereits seit vier Tagen in der Schlange stand.

Als eine weitere Verlängerung seines Zeitvertrags nicht mehr möglich ist, will und muss sich der Soldat Wyklicky neu orientieren. Und diesmal weiß er genau, wo er hin will: Sein Traum ist eine Weltumsegelung. Als Mittdreißiger absolviert eine Ausbildung zum Marinemanager und Bootsbauer. „Wenn nicht heute, wann dann“ – unter diesem Motto startet der 36-Jährige im November 1995 in Slowenien mit seiner frischgebackenen Ehefrau die Weltumsegelung. Er kommt gerade mal bis Malta, um festzustellen, dass es im Winter einfach zu kalt ist für das Überleben auf einem Segelboot. „Man kann eben nichts erzwingen.“

Wo andere zwölf bis 13 Monate, die schnellsten sogar nur 52 Tage brauchen, lässt sich der Weltenbummler nun geduldig Zeit. So werden aus geplanten drei bis vier Jahren mehr als sechs, in denen auch seine Tochter Kimberly auf die Welt kommt.

Im Gegensatz zum Soldatentum lernt er eine ganz andere Welt kennen – eine Welt, in der nicht Vorschriften und Zeitdruck im Vordergrund stehen. Hier geht es um das Leben, um Freundlichkeit, Hilfsbereitschaft und um gegenseitigen Respekt. Wyklicky ist begeistert. Er genießt es, die Welt mit anderen Augen zu sehen. Aus dem Weltenbummler wird ein verantwortungsvoller Hochsee-Profi. „Das Wetter bestimmt den Kurs auf See“, betont er immer wieder. In dieser Aussage steckt viel Gelassenheit, Dinge so zu akzeptieren, wie sie sind.

Als Skipper wird Wyklicky heute, knapp zehn Jahre nach seiner Weltumsegelung, ähnlich einem Kapitän von internationalen Eignern als Fachmann für Bootsüberführungen und Weiterbildungen im Hochseesegeln angeheuert. Das Geheimnis seiner Stärke liegt in seiner Kompetenz, die er mit Verstand, Gefühl und vor allem mit Herz vermittelt. Abenteuer sucht er auch heute noch, doch geht es Wyklicky um das Erleben und Bewahren einer für ihn schönen multikulturellen Welt. Es ist der Respekt der Menschen voreinander, der heute für ihn am meisten zählt.
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