Arm trotz Arbeit

"Arm und überschuldet - trotz Arbeit", unter diesem Motto stand die bundesweite Aktionswoche der Schuldnerberatung vom 15. bis 20. Juni. Sie sollte auf den Zusammenhang von sogenannter prekärer und atypischer Beschäftigung und Überschuldung hinweisen. In Augsburg beteiligten sich die Schuldnerberatungsstellen des Caritasverbandes für die Diözese Augsburg und des Diakonischen Werkes sowie die Katholische Arbeitnehmerbewegung (KAB).

Mit großen Plakaten am Körper und lautem Rätschen machten Mitarbeiter am Rathausplatz auf die Situation von Menschen aufmerksam, die trotz Vollzeitbeschäftigung und Mindestlohn von dem, was sie verdienen, nicht leben können, in die Schuldenfalle geraten und sich an die Schuldnerberatung wenden. Auch ein fehlender Schulabschluss, Arbeitslosigkeit, befristete Beschäftigungen und Minijobs können Ursachen für Überschuldung sein.

Auf den Plakaten waren reale Fallbeispiele aus der Region zu lesen. Da gibt es eine Friseurin, 25 Jahre alt, vollzeitbeschäftigt in der Steuerklasse 1 mit 40 Wochenstunden und mehr. Sie bekommt ein Monatsgehalt von 1473 Euro brutto. Netto bleiben 1076,23 Euro, dazu kommen etwa 100 Euro Trinkgeld. Für Miete gehen 500 Euro weg, für eine Rate 200, das Fahrtgeld schlägt mit 60 Euro zu Buche, das Handy mit 40. Bleiben zum Leben 426,23 Euro. Auch die Not vieler Familien, denen trotz Gehalt und Kindergeldes das Einkommen nicht reicht, sei für die Schuldnerberater ein Grund gewesen, auf die Straße zu gehen und für sie die Stimme zu ergreifen.

"Augsburg ist ein Brennpunkt der Armut,", machte Diakon Erwin Helmer, Diözesanpräses der KAB, in seiner Rede deutlich. Zwanzig Prozent der Vollzeitbeschäftigten in der Stadt, das sind fast 18 000, würden unter der Niedriglohnschwelle arbeiten. Es gebe viele Leiharbeiter, Werksverträge und Ausgliederungen, vielfach gebe es in den Unternehmen keinen Tarifvertrag und keinen Betriebsrat.

Helmer zählte die Forderungen auf, die die Arbeitsgemeinschaft Schuldnerberatung der Verbände an die Politik stellt. Demnach soll der Anspruch auf eine Schuldnerberatung für Erwerbstätige im Sozialgesetzbuch festgeschrieben werden. Sozialhilfeleistungen müssten bedarfsgerecht ausgestaltet und die einmaligen Leistungen für Reparaturen und Anschaffungen wie Waschmaschinen wieder eingeführt werden. Ein wichtiges Thema sei auch die Schuldner- und Budgetberatung bei Altersarmut, für die zusätzliche finanzielle Mittel gebraucht werden. Zudem müsse man die Höhe des flächendeckenden gesetzlichen Mindestlohns regelmäßig überprüfen.
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