Asylbewerberheim Ottostraße: Maximal 75 Flüchtlinge

Die Asylbewerberunterkunft in der Ottostraße bleibt weiterhin umstritten. Wie eine Umfrage der Interessengemeinschaften „Rund um den Pfannenstiel“ und „Contra Nutzungsänderung Ottostraße“ ergab, sprechen sich zwei Drittel der Anwohner gegen den Standort im Wertachviertel aus. 73 Prozent sind mit der Informationspolitik der Stadt unzufrieden.

Im Mai war bekannt geworden, dass in Nähe der Arbeitsagentur eine neue Unterkunft für Asylbewerber entstehen soll. Die Stadt wusste von den Plänen bereits seit Februar, als der Eigner der ehemaligen Riedingerschen Maschinen- und Bronzewarenfabrik einen Antrag auf Nutzungsänderung stellte. Erst drei Monate später erfuhren die Anwohner davon.

In dem ehemaligen Bürogebäude, das auch manroland nutzte, soll auf 1400 Quadratmetern eine Massenunterkunft entstehen. Ursprünglich war vorgesehen, bis zu 200 Flüchtlinge in Zweibett- und Vierbettzimmern unterzubringen. Auch wenn Regierungspräsident Karl Michael Scheufele mittlerweile zurückgerudert ist und die Bewohnerzahl reduzieren will, bleiben die Anwohner besorgt. Die zugesagten 160 Asylbewerber sind ihnen immer noch zuviel. Drei Viertel der Befragten wünschen sich eine Bewohnerzahl von unter 75, wobei den meisten, nämlich 73 Prozent, Flüchtlingsfamilien am liebsten wären.

Die Interessengemeinschaften haben insgesamt 1000 Fragebögen in einem Umkreis von etwa einem Kilometer verteilt. Der Rücklauf war eher mager, nur 167 Anwohner wurden erfasst. Dennoch zeigt die Befragung deutlich, dass die Menschen im Wertachviertel nicht grundsätzlich gegen die Aufnahme von Asylbewerbern sind.

Allerdings halten sie die Ottostraße – sie liegt mitten in einem Wohngebiet mit 11 000 Einwohnern – für ungeeignet. Der Punkt „Der Standort Ottostraße in der Stadtmitte ist hierfür angemessen“ erhielt nicht nur Dutzende von Nein-Stimmen, es hagelte auch Aussagen wie „Warum nicht Asylheime in der Nähe von unseren Stadt- und Regierungsoberen“ oder „unsere Kommunalpolitiker sollen neben ihren Wohnsitzen Asylunterkünfte einrichten“. Auch ist die Mehrzahl (62 Prozent) nicht der Meinung, dass die Steuergelder für dieses Projekt richtig verwendet werden.

Besonders sauer stößt den Anwohnern die Informationspolitik der Stadt Augsburg auf. Auf die Frage „Wie zufrieden sind Sie mit der Arbeit der Augsburger Stadtregierung zum Thema Informationspolitik und Umgang mit den Bürgern zum oben genannten Projekt?“ antworteten 73 Prozent mit „außerordentlich unzufrieden“. Zehn Prozent gaben an, sie seien „etwas unzufrieden“. Nur acht Prozent waren weder zufrieden noch unzufrieden, und zwei Prozent gaben an, sie seien „etwas zufrieden“.

Nicht nur die Anwohner protestieren gegen die Flüchtlingsunterkunft; auch die Parteien kritisieren das Vorhaben und vor allem den Umgang der Stadtverwaltung mit den Bürgern. Erst kürzlich hatten die Stadt und die Regierung von Schwaben zu einem Informationsabend geladen. Die Stimmung war aufgeheizt, OB Kurt Gribl, Regierungspräsident Scheufele und weitere Vertreter des Stadtrat, der Kommune und Regierung standen vor 200 Bürgern Rede und Antwort.

Das Problem: Seit einigen Jahren suchen immer mehr Menschen in Deutschland Schutz. Um sie unterzubringen, sucht die Regierung von Schwaben händeringend nach neuen Unterkünften. Während früher fast alle Flüchtlinge in Augsburg untergebracht waren, werden sie nun auch auf die Landkreise verteilt, wo es ebenfalls Proteste gibt. In der Ottostraße hätte die Regierung zehn Jahre lang eine Unterbringungsmöglichkeit – genauso lange geht der Mietvertrag.

Info:

In Schwaben müssen Asylbewerber für eine Erlaubnis für das Verlassen des Regierungsbezirks keine Gebühren mehr bezahlen. Dies ist das Ergebnis einer Umfrage der Regierung bei den Ausländerbehörden der Kreisfreien Städte und Kreisverwaltungsbehörden.
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