Auf brüchigem Fundament

Die Konjunkturumfrage der IHK zeigt kritische Stimmen aus dem Einzelhandel. Foto: Anastasia Trifanova

Zahlreiche regionale Unternehmen haben in der aktuellen Konjunkturumfrage der Industrie- und Handelskammer Schwaben (IHK) ihre Meinung zur aktuellen Wirtschaftslage kund getan. Wie die IHK nun berichtet, sei die Stimmung zwar überwiegend gut, das Wachstum stehe aber auf wackligen Beinen. Kritische Stimmen kämen vor allem aus dem Handel.

Rund 600 Unternehmen haben bei der Umfrage der IHK mitgemacht. Die Beteiligungsquote von 40 Prozent sei "geradezu rekordverdächtig", findet Andreas Kopton, Präsident der IHK. Er sei überhaupt sehr zufrieden mit der sonnigen Wetterlage in schwäbischen Unternehmen. Niederschläge oder Kälteeinbrüche erwarte er in nächster Zeit nicht. Die erfreuliche Lage verbindet er vor allem mit dem stabilen Arbeitsmarkt mit annähernder Vollbeschäftigung, mit dem niedrigen Zinsniveau und den niedrigen Energiepreisen und Rohstoffkosten.

"Dennoch steht das Wachstum auf brüchigem Fundament. Ob der Euro so niedrig bleibt oder die Rohstoffe so günstig, ist nicht abzusehen", erklärt Kopton. Eine kurzfristige Verschlechterung der Lage werde von den Unternehmen zwar nicht erwartet. Doch ein möglicherweise schwächer werdender Inlandsmarkt, der Fachkräftemangel und politische Unwägbarkeiten ließen die Unternehmen auch nicht allzu positiv in die Zukunft blicken. Kopton appelliert besonders an die Politik, verlässliche Rahmenbedingungen zu schaffen. Gesetzliche Veränderungen wie der Mindestlohn oder die Rente mit 63 trügen nicht dazu bei, ein verlässliches Umfeld zu schaffen, in dem Unternehmen investieren wollen. Lieber sollten die 670 Milliarden Euro, die im Jahr 2015 voraussichtlich an Steuern eingenommen würden, in den Infrastruktur- und Breitbandausbau investiert werden. "Wir brauchen Versorgungssicherheit", fordert Kopton.

Obwohl er die Konjunktur nicht schlecht reden wolle, gebe es durchaus Fallstricke, sagt Peter Lintner, Geschäftsfeldleiter Standort und Monitoring der IHK. "Es riecht nach Krise", zitiert er den Sparkassen-Präsidenten Georg Fahrenschon. Denn Faktoren, die derzeit gut stehen, könnten jederzeit wieder wegfallen.

Besonders im schwäbischen Einzelhandel herrscht Unzufriedenheit. 40 Prozent der Unternehmen beklagen Umsatzeinbußen. Vor allem die gestiegenen Personalkosten wirken sich schlecht auf die Ertragslage aus. Etwa ein Drittel der Einzelhändler rechnet damit, dass sich die wirtschaftliche Lage in den nächsten Monaten verbessern wird. Die gestiegenen Kosten werden vermehrt über höhere Preise wiedergegeben. In Bezug auf Beschäftigung und Investitionen bleiben die meisten zurückhaltend.

"Die schlechte Lage im Einzelhandel ist keine Katastrophe. Solche Einbrüche gibt es hin und wieder und es könnte sich auch nur um eine Momentaufnahme handeln. Nichtsdestotrotz müssen wir dem auf den Grund gehen", erklärt Lintner.

Auch im Großhandel sprechen 28 Prozent der Unternehmen von sinkenden Umsätzen. Die Ertragslage hat sich für 29 Prozent verschlechtert. Aufgrund gestiegener Kosten möchte ein Drittel der Großhändler in naher Zukunft wenig bis gar nicht investieren. Nur jeder Zehnte plant, seine Beschäftigtenzahl zu steigern.

Als "durchwachsen" bewertet die IHK auch die Stimmung im Transportgewerbe. 30 Prozent beklagen gesunkene Umsätze, 37 Prozent gesunkene Erträge und nur zwölf Prozent sind voll ausgelastet. Die Unternehmen bleiben in den Bereichen Investitionen und Beschäftigung zurückhaltend. Dennoch rechnen 23 Prozent in den kommenden Monaten mit steigenden Umsätzen.

Obwohl sich die Lage im Baugewerbe seit Jahresbeginn deutlich verbessert hat, liegen bei einem Viertel der Unternehmen die Auftragsbestände unter dem saisonal üblichen Niveau. 20 Prozent rechnen zwar mit einem steigenden Auftragsvolumen, Unsicherheiten zeigen sich aber an stagnierenden Investitions- und Beschäftigungsplänen.

Mehr als die Hälfte der unternehmensbezogenen Dienstleister beurteilen die aktuelle Geschäftslage als gut. 32 Prozent melden gestiegene Erträge. Für die kommenden Monate erwarten 36 Prozent der Unternehmen, dass sich die wirtschaftliche Lage weiter verbessert. 44 Prozent möchten ihre Investitionen steigern.

In der Industrie berichten 37 Prozent der Unternehmen von steigenden Aufträgen. Trotzdem beklagt jedes fünfte Unternehmen eine negative Auslastung. Die Industrie blickt aber überwiegend positiv in die Zukunft: Ein Drittel rechnet mit einer besseren Geschäftslage, fast 40 Prozent mit mehr Aufträgen. Investitionen oder eine Steigerung der Beschäftigtenzahl planen die meisten Unternehmen dennoch nicht.

"Uns geht es gut", fasst Kopton die Situation zusammen. Doch die schwache Investitionsquote in fast allen Branchen sei ebenso wie die kritischen Stimmen im Handel und Transportgewerbe ein Zeichen für die kritischen Erwartungen, die viele Unternehmen im Hinblick auf ihre künftige Ertragssituation hätten.
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