Augsburg ist auf dem Weg zum Unesco-Welterbe

Ein 160 Seiten dickes Buch soll für Augsburg als Weltkulturerbe werben. Schon im Juli reicht die Stadt die Bewerbung beim Wissenschaftsministerium ein. Frühestens 2017 könnte die Fuggerstadt den Titel erhalten.


Wasser hat Augsburg genug. Zwischen zwei Flüssen erbaut, verfügte die Stadt schon im 15. Jahrhundert über eine ausgeklügelte Wasserversorgung. Aus dem Mittelalter stammt das Kanalsystem, das auch heute noch die Altstadt durchzieht. Im Jahr 1412 ließen die Stadtväter den ersten von fünf heute noch erhaltenen Wassertürmen errichten. Ihre Aufgabe war es, Wasser aus den niedriger gelegenen Flüssen in die höher gelegene Stadt zu bringen.

Schon ab 1558 waren die Patrizierhäuser an die Wasserversorgung angeschlossen. Vom Wasserreichtum der Stadt zeugen auch die drei Prachtbrunnen entlang der Maximilianstraße: Augustusbrunnen, Merkurbrunnen und Herkulesbrunnen. Mit der Industrialisierung erhielt die Wasserwirtschaft eine neue Bedeutung: Sie wurde zur Energiegewinnung genutzt. Das Wasserkraftwerk am Hochablass, 1879 erbaut, war damals eine technische Sensation.

Mit all diesen Pfunden, mit denen die Augsburger Wasserwirtschaft wuchern kann, kann der Stadt so schnell kein anderer Bewerber das Wasser reichen, glaubt Tourismusdirektor Götz Beck. Er ist für die Bewerbung verantwortlich und berichtete dem Kulturausschuss, dass diese auf einem guten Weg sei. Auch die Kosten in Höhe von 35 000 Euro für das Buch, das die Bewerbung als „Visitenkarte“ begleiten soll, seien gedeckt. „Es ist uns gelungen, viele Firmen und Partner für die Finanzierung zu finden“, sagt Beck.

3000 Euro werden benötigt, um die Interessenbekundung zu überarbeiten. Weitere 10 000 Euro sind für die Öffentlichkeitsarbeit veranschlagt, die ab 24. Juli in Angriff genommen wird. Den Startschuss gibt die Buchpräsentation. Autor Martin Kluger hat auf 160 Seiten die Bedeutung der Wasserwirtschaft und ihre Denkmäler dokumentiert; das Buch ist ab diesem Tag im Buchhandel erhältlich.

Schon Mitte Juli wird die Stadt die Bewerbung in München einreichen. Am 1. August wird sie der deutschen Kultusministerkonferenz übergeben. Jedes Bundesland darf zwei Vorschläge für das Welterbe einreichen. Bayern wird mit vier Vorschlägen ins Rennen gehen; das liegt daran, dass zwei Sonderthemen dabei sind – das Thema „Wasser“ ist eines davon.

Bis voraussichtlich 2014 oder 2015 wird die Konferenz eine Vorschlagsliste entwickeln. Sollte Augsburg darauf ganz oben stehen, kann sich die Stadt früh für den Titel bewerben – und sich vielleicht schon 2017 „Weltkulturerbe“ nennen. Experten gehen aber davon aus, dass es zwei, drei Jahre länger dauern wird.

Kulturreferent Peter Grab rechnet sich gute Chancen aus, dass die Fuggerstadt das Rennen machen wird, denn ungewöhnliche Themen kommen bei der Unesco gut an. Und auch Buchautor Kluger ist zuversichtlich: „Augsburg ist würdig, das Weltkulturerbe zu erhalten.“
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