Augsburg streikt mit

Streik bei der Post Yarasir Ibrahim kämpft für ein Ende der Auslagerungen. Foto: Dimitrios Pazaitis

Yarasir Ibrahim ist entsetzt. Seit 1987 arbeitet er für die Deutsche Post, aber "so ein Verhalten war ich von der Post nicht gewohnt". Deshalb unterstützt Ibrahim auch den Streik der Postler. "Die Verträge wurden nicht beachtet", schimpft er auf der Streikversammlung in Augsburg-Firnhaberau. Der freigestellte Betriebsrat hofft nun auf einen Erfolg des Streiks, "damit die Sicherheit der Gesellschaft der Deutschen Post erhalten bleibt".

Am Montag traten auch in Augsburg die Postbeschäftigten in den unbefristeten Warnstreik gegen die Zerschlagung ihres Arbeitgebers. Auslöser ihres Ärgers ist die Verlagerung der Arbeit auf 49 Tochterunternehmen namens "DHL Delivery", um Lohnkosten zu sparen. Umgesetzt wird das Prinzip wie folgt: Paketzustellern, die einen befristeten Arbeitsvertrag bis zum 31. März hatten, wurde ab dem 1. April nur noch ein Vertrag bei der Billigtochter "DHL Delivery" angeboten. Für die betroffenen Arbeitnehmer bedeutet dies, wachsende Lohnverluste um bis zu 10.000 Euro im Jahr.

Dagegen wolle man nun mit dem Streik protestieren. Eine Forderung lautet, als Ausgleich die Arbeitszeiten zu verkürzen. Eine große Angst der Protestler ist auch, dass die Briefzustellung ebenfalls verlagert wird.

Rund 100 Streikende füllten den Raum des Hubertushofs. Gewerkschaftssekretär Hans-Joachim Hertle informierte sie über die aktuelle Lage und forderte die "Beendigung der Zweiklassengesellschaft und der Ausgründungen". Weiter äußerte Hertle auch seinen Wunsch nach einer Vernünftigen Verhandlung zwischen den Beteiligten um eine schnelle Lösung des Problems zu finden.

Nach dem Ende des offiziellen Teils bildeten sich viele kleine Grüppchen, in denen die Postler ihrer Wut gegenüber der Konzernspitze Ausdruck verliehen. Einen Betriebsgewinn von drei Milliarden Euro verbuchte diese im vergangenen Jahr.

Die Arbeitnehmer rechnen in einem Schreiben vor, dass sie für noch mehr Gewinn und Rendite mit ihrem Lohn zahlen müssen. Im Vorstand des weltgrößten Logistikkonzerns und Deutschlands größtem Arbeitgeber mit 140.000 Tarifkräften und 38.000 Beamten herrsche demnach eine "Gier, die keine Grenzen kennt" vor. Von "erpresserischem Lohndumping" ist gar die Rede.

Anton Hirtreiter, Leiter des Fachbereichs Postdienste der verdi Bayern, äußerte sich diesbezüglich so: "Wir werden nun täglich die Anzahl der in den Streik einbezogenen Zustellkräfte in Bayern erhöhen und so den Druck auf die Post steigern. Die Post hatte fast zehn Wochen Zeit, einen Streik zu verhindern, jetzt gibt's keine Streikpause mehr." 3,5 Millionen Briefe am Tag würde so zwar sortiert - "werden aber nicht ausgetragen", kündigt Hirtreiter an.
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