Augsburger Malteser auf Schloss Elmau

Augsburger Malteser auf Schloss Elmau beim G7-Gipfel Vier der zwölf ehrenamtlichen Augsburger Malteser auf Schloss Elmau: Claudia Grimm, Sarah Tschech, Thomas Zinsmeister und Christine Bergmair (von links). Foto: privat

Im inneren Sicherheitsbereich des G7-Gipfels halfen Thomas Zinsmeister und elf weitere Augsburger Malteser auf Schloss Elmau

Augsburg - Abgeschottet vom Rest der Welt durch Heerscharen von Polizisten. Mit wenigen Auserwählten in einer Sicherheitszone. Darunter der amerikanische Präsident, die deutsche Kanzlerin und der britische Premier. Der Einsatz von Thomas Zinsmeister klingt nach einem spektakulären Thriller. Zinsmeister ist aber nicht 007. Er ist Notarzt der Augsburger Malteser - eingeteilt für die Sanitätsstation im inneren Sicherheitsbereich des G 7-Gipfels.

Ein langer Einsatz sei es gewesen, in der mit 50 Helfern besetzten Station mit Rund-um-die-Uhr-Betrieb, sagt der 33-Jährige, der in der Tagschicht ran musste. "Ein Einsatz, jenseits des Gewohnten." Zinsmeister beeindruckte vor allem das enorme Sicherheitsaufgebot. "Von GSG 9 über BND und Secret Service war alles vertreten. Das war faszinierend. Auch die deutliche Polizeipräsenz rund um das Gelände war imposant", erzählt er. Und dann trieben sich auf dem G-Gipfel schließlich noch die mächtigsten Politiker der Welt herum.

"Ein schöner Aspekt", kommentiert Zinsmeister nüchtern, "auf Armlänge an aktueller Weltpolitik" dran zu sein. Angela Merkel, Jean-Claude Juncker, David Cameron und Barack Obama seien an ihrer Station vorbeigekommen. Gegrüßt hätten sie, manche gar per Händedruck. Besonders ist dem Notarzt aber der französische Staatspräsident in Erinnerung geblieben: "Ich habe mich umgedreht, und da lief Francois Hollande unmittelbar vor meiner Nasenspitze vorbei."

Als Notfall suchte aber keiner der Spitzenpolitiker die Station direkt am Schloss auf. "Ich bezweifle, dass wir die Politiker behandeln hätten dürfen", meint Zinsmeister. "Hätte sich Obama den Fuß vertrappt", überlegt Zinsmeister laut und muss lachen, "wäre ich da mit meiner Hand überhaupt nicht hingekommen, bei der Entourage, die um ihn rum war".

So kümmerten sich die Helfer eben um Polizisten und Pressevertreter, die sich mit kleineren Blessuren oder Kopfschmerzen selbst einwiesen. Die Ausrüstung für chirurgische Eingriffe ruhte aber den gesamten Gipfel über in der sterilen Verpackung. Denn die Fälle gehörten allesamt zur Kategorie, "die üblicherweise Apotheke oder Hausarzt übernehmen", erzählt der 33-Jährige. Ausgerechnet einen der ehrenamtlichen Mediziner erwischte es am Schlimmsten: Er erkrankte und musste im Krankenhaus in Garmisch versorgt werden.

Ansonsten? "Alles glimpflich", sagt Zinsmeister. So sei auch die Stimmung unter den Maltesern "recht entspannt" gewesen. Um in einen Lagerkoller zu verfallen, sei die Unterkunft viel zu schön gewesen. "Und Verpflegung und Kaffee waren gut. Damit steht und fällt vieles", merkt Zinsmeister an. Seit 20 Jahren durchläuft er nun verschiedene Bereiche der Malteser. Der heutige Anästhesist am Klinikum Augsburg und seine elf Augsburger Mitstreiter hätten sich schon "geehrt gefühlt, überhaupt für den G 7-Gipfel angefragt" geworden zu sein.

Der Bedarf an Kräften wird jahrelang auf staatlicher Ebene ausgearbeitet, erklärt der Stadt- und Kreisgeschäftsführer der Malteser, Günther Gsottberger. Der Prozess endete bereits Monate bevor die Staatsgäste in Elmau eintrafen, bei einem Memminger Malteser, dem die Einsatzleitung übertragen wurde. Und der kam eben auch auf die Augsburger zu. "Das ist eine Anerkennung für unsere Arbeit", freut sich Gsottberger.

Bevor das Dutzend aus Augsburg jedoch einen Fuß auf das Gelände setzen durfte, wurde es freilich genau überprüft. So wie alle, die sich in der Nähe des Schlosses aufhielten. Dennoch sorgten sich die Familien der Helfer, sie sollen doch bitte auf sich aufpassen, verrät Zinsmeister. Als sie einem Sicherheitsmann davon erzählten, amüsierte dieser sich lautstark: "Aufpassen? Das hier ist gerade der sicherste Platz der Welt."
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