Augsburger Wasser-Anlagen: Zeitreise am Hochablass

Grün-blaue Zukunft: Das neue Wasserkraftwerk im Hochablass versorgt rund 4000 Augsburger Haushalte mit Strom. Foto: Libossek

Der Welttag des Wassers ist in Augsburg ein besonderes Ereignis, will die Stadt doch schließlich für ihre lange Tradition der Wasserwirtschaft auf die Welterbe-Liste der Unesco. So staunten Hunderte Besucher unter anderem über die beiden Anlagen am Hochablass.

Kraftvoll und in einer fließenden Bewegung drückt sich ein Kolben vor und zieht sich wieder zurück. Er ist Teil einer schwarzen Maschine, die sich anhört, als würde ein Riese atmen. Und zwar schwer. Ein und aus - im selben Rhythmus drückt es eine Stange in ein imposantes eisernes Rad. Seit 1879 stehen drei sogenannte Doppelkolbenpumpen im Wasserwerk am Hochablass in Augsburg. Heute malocht nur mehr eine von ihnen - und das auch nur zu Vorführzwecken.

An Tagen wie gestern, als die Stadtwerke ihre Wasserwelt für die Öffentlichkeit zugänglich machten. Die Aktion am Weltwassertag zog Hunderte Besucher an die verschiedenen Schauplätze; und somit auch an den Hochablass an den Lech, an dem unter dem trüben, wolkenverhangenen Himmel eine beinahe nordisch, melancholische Atmosphäre herrschte.

Vor allem die Kinder ließen sich begeistern, wird in dem historischen Maschinensaal des neoklassizistischen Industriedenkmals die Energiegewinnung aus Wasser doch wirklich greifbar. Bis 1973 saugte das Pumpentrio Trinkwasser aus einem Bassin im Keller nach oben und drückte es ins Rohrnetz. Alles angetrieben durch je eine Wasserturbine pro Pumpe, mit denen heute noch umweltfreundlich Strom erzeugt wird.

Die imposanten Gerätschaften, die einst die Augsburger Maschinenwerke lieferten, sind eingerahmt in eine bezaubernde Kulisse. Große Fenster und aufwändige Deckenverzierungen mit goldenen Fischen und Rosetten auf hellblauem Grund zeugen vom Stil der damaligen Zeit.

Keine 500 Meter weiter ist die Zukunft in kalten, grauen Beton gegossen. Immerhin, die Maschinen sind in hellgrün und blau gehalten. In den Hochablass sind zwei rund 47 Tonnen schwere Kegelradrohrturbinen eingelassen. Seit Ende 2013 erzeugen sie verbunden mit zwei Synchrongeneratoren Strom. 32 Kubikmeter Wasser durchlaufen die Turbinen innerhalb einer Sekunde. Das entspricht in etwa 60 vollen Badewannen.

4000 Augsburger Haushalte mit durchschnittlichem Verbrauch werden von hier aus mit Strom versorgt. Greifbar wie im Wasserwerk nebenan ist der Prozess nicht mehr. Vier immense Geräte brummen hier so laut vor sich hin, das man sein eigenes Wort nicht mehr versteht. Trotz offenen Eingangs vernimmt man davon oben auf dem Steg des Hochablasses nur mehr ein leises Summen aus dem imposanten Raum unter den Füßen.

Elf Millionen Kilowattstunden Strom erzeugt die Anlage pro Jahr. 5500 Tonnen CO2 werden laut den Stadtwerken dadurch jährlich eingespart.

Da kann man dann auch den fehlenden Charme der Vergangenheit verschmerzen - und die goldenen Fische an der Decke.
0
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.