Augsburgerin gewinnt deutschen Lehrerpreis: Schüler statt Verbrecher

Leidenschaftliche Lehrerin: Christine Frank in der Mathestunde. (Foto: Anna Apressian)

Statt Kriminalkommissarin wurde sie Lehrerin – und zwar eine ausgezeichnete: Christine Frank erhält den „Deutschen Lehrerpreis 2015“. Doch was macht sie zu einer so besonderen Lehrerin?

Die Schüler der Klasse 5d des Maria-Ward-Gymnasiums in Augsburg haben ein Problem: das „Fieber der negativen Zahlen“. Das diagnostiziert Mathelehrerin Christine Frank – und will es schleunigst heilen. Darauf ist sie gut vorbereitet. Als Gegenmittel hat sie Ereigniskarten und Schuldenscheine dabei. Sie sind Teil des Spiels „Minopoly“.

Frank erklärt damit, dass Minus und Minus eben nicht eine negative Zahl ergibt – dieses Denken löst das Fieber bei den Schülern aus – sondern Plus. Die Lehrerin agiert hingebungsvoll, widmet sich jedem Problem der Kinder, wirft das Arbeitsblatt zur „Addition und Subtraktion ganzer Zahlen“ vergrößert an die Wand. Die Schüler sind begeistert, machen fleißig mit – und tragen so selbst zum Heilungsprozess bei.
Mit ihren ungewöhnlichen Methoden überzeugte sie nicht nur die 5d, sondern sogar deutschlandweit. Sie wurde mit dem „Deutschen Lehrerpreis 2015“ ausgezeichnet. Sie erinnert sich an den Moment, als sie im Oktober den Brief in ihrem Fach fand. Sie hielt das Sieger-Schreiben zunächst für Werbung oder gar einen Witz, nach dem Weiterlesen war sie „komplett überrascht“.

Es stellte sich heraus, dass eine ehemalige Schülerin gemeinsam mit anderen Abiturienten des Jahrgangs 2015 die Initiative ergriffen hatte und die 47-jährige Lehrerin nominiert hatte. „Ich wusste gar nichts, rein gar nichts“, sagt Frank.
Mit der Schülerin nahm Frank nun an der Preisverleihung in Berlin teil, nahm dort den Preis in der Kategorie „Schüler zeichnen Lehrer aus“ entgegen. Der Wettbewerb ehrte 13 Lehrkräfte und sechs Pädagogen-Teams aus sieben Bundesländern, darunter Christine Frank. Das besondere Engagement der Preisträger wurde durch die Auszeichnung gewürdigt.

"Ich versuche, die Kinder so zu nehmen, wie sie sind"

Bereits seit 20 Jahren unterrichtet Frank Mathematik und Physik, am Maria-Ward-Gymnasium ist es nun ihr siebtes Jahr. Die Lehrerin betreut alle Jahrgangsstufen, von der fünften bis zur zwölften Klasse.

„Ich denke, dass man immer freundlich und den Kindern zugewandt sein muss. Ich gebe mir große Mühe und versuche, die Kinder so zu nehmen, wie sie sind“, versucht Frank ihren Lehr-Stil zu erklären. Das merkt man auch in der Unterrichtsstunde, in der Frank auf jede Meldung ihrer Schüler eingeht, jeden Einwurf ernstnimmt, auch wenn einer mal die falsche Antwort gibt.

Die lebhaften Schüler versucht sie mit ihren eigenen Waffen zu schlagen, aber auf humorvolle Weise. Sie selbst hat schon mal „mit anderen Berufen gespielt“: Krankenschwester, Fluglotsin, Kriminalkommissarin wären unter anderem alternative Berufswünsche gewesen. Der Beruf als Lehrerin war aber immer im Hinterkopf – neben Mathe reizten sie Französisch und Sport.

Besonders gefällt ihr das „eigentliche Unterrichten“ und mit ihren Schülern etwas zu unternehmen, wie eine Schulhausübernachtung oder die Zeit im Schullandheim. Vor allem abgegangene Schüler auf der Straße zu treffen, die weiterhin „einfach freundlich sind“, freut sie. Es bestätige, „dass es grundsätzlich in Ordnung ist, was man macht“.

Spiele als Wissensvermittlung

Um die Schüler zu motivieren, versucht sie die Kinder „auf etwas zu bringen, was mit dem täglichen Leben zu tun hat“. Sie lässt die Schüler auch gerne mitbestimmen, welches Thema geübt wird. Immer wenn es sich anbietet, nutzt sie Spiele, um selbst älteren Schülern den Unterrichtsstoff zu vermitteln. Frank selbst mochte schon immer das Fach Mathematik: „Was anderes wäre für mich nicht in Frage gekommen.“

Deshalb initiierte die Mathematiklehrerin ein freiwilliges Arbeitswochenende zur Vorbereitung auf das Mathematik-Abitur für die Abschlussklassen mit. Das ist eine Art Schullandheim, in dem mit Schülern und weiteren Lehrkräften fleißig Mathe geübt wird. Dies werde sehr gut angenommen. Frank ist der Meinung, dass „man viel lernen kann, wenn man mit anderen darüber spricht. Die Schüler wissen, dass sie eigentlich immer kommen und was fragen können“, betont Frank. Auch in der Schulentwicklungsgruppe, in der überlegt wird, wie man die Schule weiterbringen kann, ist sie ein Mitglied. Die Frage, „wie man das System an manchen Stellen ein wenig verbessern kann“, ist laut Frank wichtig.

"Es ist anstrengend, bringt aber viel Freude"

Von der Resonanz der Öffentlichkeit auf die Auszeichnung waren Frank und ihre Familie – sie lebt mit ihren drei Kindern und ihrem Mann, ebenfalls ein Lehrer, in Friedberg – besonders überrascht. Sie relativiert, es gebe „ganz viele gute Lehrer, die ihre Arbeit mit viel Liebe und Herzblut machen“, was jedoch öfter nach dem Schulabgang vergessen wird. „Es ist anstrengend, wenn man es einfach richtig gut machen will, dann kostet es viel Zeit. Aber es bringt viel Freude“, beschreibt Frank den Beruf als Lehrerin.

Zurück im Klassenzimmer: „Wir sammeln uns noch mal für die letzte Ereigniskarte“, ruft Frank die Schüler zur letzten Übung auf. Dann erstellt sie gemeinsam mit der Klasse den Hefteintrag. Ihre Schüler hat sie mit Ihren Lernmethoden vollkommen überzeugt: „Mathe ist das Beste“, erzählt Emely nach dem Unterricht bei Frank. Ihre Mitschülerin Sonja betont: „Ich mag Mathe mit Frau Frank!“ Auch die anderen Schüler stimmen in die Lobeshymne ein: Sie erkläre sehr gut und mache öfter Spiele wie „Minopoly“ – und überzeugt so selbst Mathe-Muffel von Rechenregeln und Zahlenfieber.

Anna Apressian
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