Augsburgs Griff nach Osten

Ob dies gut gegangen wäre? 1971 forderte Augsburg im Zuge der Landkreis-Gebietsreform auch die Eingemeindung von Friedberg. Dessen mittelalterliches Rathaus hätte dann keinen Dienst mehr verrichten brauchen. Foto: Archivbild Stadt Friedberg (1912)

Augsburg - Die Fuggerstadt wollte wachsen: Im 20. Jahrhundert folgten mehrere Eingliederungswellen aufeinander. Schließlich plante Augsburg, sich gar ein großes Stück vom heutigen Landkreis Aichach-Friedberg einzuverleiben.

Vor 100 Jahren kam der lange Augsburger Eingemeindungszug zum Stehen. Durch die Eingliederungen von 1910 bis 1916 überwand Augsburg erstmals die lästige Lechgrenze: Lechhausen, Hochzoll und Siebenbrunn beantragten damals sogar selbst ihre Aufnahme in die große Nachbarin. Die klammen Gemeindekassen drängten dazu. Erst 1949 traute sich Augsburg wieder auf das immer recht glatte Eingemeindungsparkett und wagte dabei den Blick auch gegen Osten: Das kleine Friedberg-West war das "Opfer", neben neun weiteren Gemeinden beziehungsweise Gemeindeteilen westlich des Lechs. Viel Arbeit machten sich die Augsburger dabei nicht. Sie hatten exakt die gleichen Orte im Visier, die sich bereits 1939 die NS-Stadtverwaltung ohne viel Federlesens einverleiben wollte, was aber der ausbrechende Zweite Weltkrieg vereitelte. Doch auch 1949 hatten die Augsburger Pech. Man habe jetzt wichtigeres zu tun, als über Eingemeindungen zu sinnieren, meinte man im Innenministerium lapidar. Erst im Zuge der Landkreis-Gebietsreform 1971/1972 unternahmen dann Oberbürgermeister Wolfgang Pepper und sein Stadtrat einen neuen territorialen Anlauf.

Nur mit Prittriching war Augsburg gnädig

Recht forsch forderten sie die Eingliederung von gleich 35 Gemeinden. Man träumte von einem Groß-Augsburg, das flächenmäßig München überflügelt hätte. Auch weit ins Wittelsbacher Land hinein wollte sich die Stadt erstrecken: Friedberg, Mering und Kissing sollten dabei sein. Ebenso die heutigen Friedberger Ortsteile Derching, Haberskirch, Ottmaring, Rederzhausen, Stätzling und Wulfertshausen. Auch die jetzt zu Affing gehörenden Orte Anwalting und Mühlhausen standen auf der Liste der Gemeinden, die unter die rot-gün-weiße Zirbelnussfahne kommen sollten.

Pech hätten auch die Schmiechener und Unterbergener gehabt. Nur teilweise sollte der bittere Kelch der Auflösung an dem schon zum Landkreis Landsberg gehörenden Prittriching vorbei gehen. Augsburg war gnädig und wollte sich nur den Gemeindeteil westlich des Lechs anlachen. Klar, dass sich die Fuggerstädter mit diesen völlig überzogenen Vorstellungen nur Feinde schufen und dass man sich in München eine ziemliche Abfuhr einhandelte.

Doch trotz allem: Ein wenig Glück im Unglück blieb dann für Augsburg aber doch noch übrig. Entgegen dem eindeutigen Bürgerwillen wurden ihm wenigstens Göggingen, Haunstetten, Inningen und Bergheim ab 1. Juli 1972 zugeordnet. Ein Trost bleibt: Augsburg hat dies gut getan. (
Von Dr. Heinz Münzenrieder)
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