Ausbildung nach Maß

Im Berufsbildungswerk Augsburg werden junge Menschen mit Handicaps ausgebildet. Die Ausbildung ist sehr realitätsnah wie hier im Verkauf; ein neues Modellprojekt bietet den Teilnehmern die Chance, nach Möglichkeit ihre Ausbildung in Betrieben der Region zu beenden. Foto: KJF/Karg

Näher am Menschen, noch besser auf die Situation und die Bedürfnisse eingehen: Das können Arbeitsagentur und Berufsbildungswerk Augsburg mit dem 2013 gestarteten Modellprojekt TINA. Anlässlich des gestrigen Welttages der Behinderten stellten beide Institutionen gemeinsam dieses Projekt vor und zogen eine erste Zwischenbilanz.

"Wir können durch TINA auf die Entwicklung des einzelnen jungen Menschen besser eingehen. Menschen mit Behinderung werden damit so intensiv gefördert wie nötig, gleichzeitig werden sie so viel wie möglich in der Arbeitswelt der freien Wirtschaft qualifiziert," so Roland Fürst, Geschäftsführer Operativ der Arbeitsagentur Augsburg. Konrad Fath, Leiter des Förderwerks St. Elisabeth, zu dem das Berufsbildungswerk gehört, hob die Bedeutung kontinuierlicher Abläufe für die Teilnehmer hervor. "Üblicherweise bieten verschiedene Einrichtungen und Träger unterschiedliche Maßnahmen an. Wenn ein Teilnehmer mehr oder weniger Unterstützung benötigte als zuvor, bedeutete das meist einen Wechsel des Lernorts: neue Ansprechpartner, neue Anlaufstelle, andere Räume," so Fath, dessen Einrichtung zur Katholischen Jugendfürsorge gehört und sich auf die berufliche Qualifizierung von Menschen mit Lern- und Mehrfachbehinderungen spezialisiert hat.

Beide wiesen darauf hin, dass TINA auch im Rahmen des Trend-Themas Inklusion zu sehen sei, stehe der Kurzname doch für die Bezeichnung Trägergestützte Inklusive Ausbildung.

Andrea Geiß, die als Ausbildungsleiterin im Berufsbildungswerk die Abläufe organisiert, erklärte, dass im Hintergrund unterschiedliche Förderkriterien und Abrechnungsmodalitäten eine Rolle spielten. Für die Teilnehmer entscheidend sei, dass sie die nötige Unterstützung tatsächlich erhalten. "Je selbstständiger die Teilnehmer werden, umso weniger Unterstützung brauchen sie", erklärte sie.

Einer derjenigen, die von TINA profitieren, ist der 18-jährige Daniel, der den Beruf des Verkäufers lernt. Er schätzt die Unterstützung, die er im Berufsbildungswerk beim Lernen erhält, und die kleine Ausbildungsgruppe. Ab dem Jahreswechsel wird er seine Ausbildung wahrscheinlich bei einem großen Supermarkt fortsetzen.

Sein Ausbilder Alexander Leingang hat vor seiner Tätigkeit beim Berufsbildungswerk als Marktleiter auch Lehrlinge in der freien Wirtschaft ausgebildet. Von der Ausbildung her sieht er keinen Unterschied zwischen seinen damaligen Arbeitsplätzen und der Tätigkeit im Berufsbildungswerk, da die Abschlussprüfung am Ende der Lehrzeit vor der gleichen Prüfungskommission der IHK abgelegt werden muss.
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