Auszeichnungen für Latein und Naturwissenschaft - Gymnasiastinnen des Stetten-Instituts bei Wettbewerben erfolgreich

Sie spielen zusammen das Nano-Car-Race-Spiel: von links: Samira Müller, Jana Sommerrock, Merle Engelmann und Lehrer Benjamin Bischoff
 
Stefanie Arbogast, Theresa Nowak, Luisa Schieber und Lateinlehrerin Angela Schmid mit der Urkunde "Celebremus Ovidium"
Schülerinnen und Lehrkräfte am Stetten-Institut haben schon sehr viele Preise gewonnen. Seit kurzem ist die lange Liste um zwei weitere Ehrungen reicher. Rund 30 Schülerinnen entwickelten im Lateinunterricht ihrer Lehrerin Angela Schmid einen Fitness-Parcours, an dem jüngere Schülerinnen die lateinischen Texte Ovids kennenlernten. Dafür wurden die Schülerinnen jetzt ausgezeichnet. Ebenfalls geehrt wurden drei Gymnasiastinnen der elften Klasse, die die komplexen Vorgänge der Nanotechnologie in einem Brettspiel veranschaulicht haben.

Ovid ist seit genau 2000 Jahren tot. Wie kann man Sechstklässlerinnen heute etwas vermitteln von dem berühmten lateinischen Dichter? Diese Frage beantwortete die Lateinklasse von Angela Schmid für den bayernweiten Wettbewerb "Celebremus Ovidium" anlässlich Ovids 2000. Todestages. So entstand das einmalige Projekt "Fitness-Parcours zu Ovid", eine rund 30-minütige Sport-Latein-Performance.

"Wir haben sechs Stationen aufgebaut, an denen Sechstklässlerinnen sich bewegen mussten, zum Beispiel an der Station "Liegestützen". An jeder Station gab es etwas über Ovid zu erfahren, so haben wir etwa mithilfe eines kleinen Planschbeckens die berühmte Szene aus den Metamorphosen interpretiert, in der Aphrodite dem Narziss den Spiegel vorhält", berichtet Stefanie Arbogast aus der Klasse Q11. Ziel ihres Parcours sei es gewesen, die tote Sprache Latein mit etwas heutigem, lebendigen zu verbinden, damit jüngere Schüler an einem ungewohnten Ort und unter ganz latein-unüblichen Umständen Ovid erleben könnten, berichtete ihre Mitschülerin Theresa Nowak.

Die Schülerinnen designten Schilder für die einzelnen Stationen, sie betreuten jede der sechs Stationen durch eine Motivatorin und schließlich wurde jeder teilnehmenden Sechstklässlerin auch noch eine Auswertung auf Lateinisch ausgehändigt. Während des rund halbstündigen Ovid-Parcours liefen auch noch zwei als Ovid und seine Dienerin verkleidete Q11-Schülerinnen umher, während sie Ovids Originaltexte in Hexametern deklarierten.

Das gesamte Projekt wurde mitgefilmt und mit diesem 13-minütigen Film nahmen die Stetten-Schülerinnen am Wettbewerb teil. Ende November wurde ihnen dann in München der Preis, ein Geldgeschenk und die Urkunde, überreicht. "Ich freue mich, dass unsere Schülerinnen so erfolgreich waren", sagte die Schulleiterin des Stettens, Barbara Kummer. "Für mich ist es immer eine besondere Freude, zu sehen, wenn Schülerinnen den Funken der Begeisterung aufnehmen und daraus dann etwas ganz neues entsteht. Dass dies auch bei scheinbar trockenen Lerninhalten wie dem akademischen Latein möglich ist, dass zeigen unsere Lehrerinnen und Lehrer immer wieder. Darauf bin ich stolz“, so Kummer.

Ebenso erfolgreich waren die Elftklässlerinnen Jana Sommerrock, Samira Müller und Merle Engelmann. Sie haben den Preis "Kleingruppe" des Schulwettbewerbs Nanotechnologie, der vom Nanonetz Bayern e.V. ausgeschrieben wird, gewonnen. Ziel des Wettbewerbs war es, die komplexen und unvorstellbar kleinen Vorgänge der Nanotechnologie für jeden verständlich darzustellen. Das gesamte Projekt haben die drei Schülerinnen in ihrer Freizeit durchgeführt, ihr Chemielehrer Benjamin Bischoff hat sie dabei unterstützend begleitet.

So klein wie ein Fußball im Vergleich zur Weltkugel ist, so winzig ist ein Nanoteilchen im Verhältnis zu einem Fußball: Ein Nanometer ist ein Milliardstel Meter - mathematisch ausgedrückt also 10 hoch minus 9 Meter. Wissenschaftler haben sogenannte Nano-Autos entwickelt, also Moleküle, die sich bewegen lassen. Bei einem spektakulären Wettrennen sollten im April dieses Jahres in Frankreich sechs Nano-Cars die Strecke von 100 Nanometern überwinden. Dafür wurden sie mit Elektronen beschossen und hatten 36 Stunden Zeit. Die Rennbahn befand sich in einem besonderen Labor, wo die Nano-Cars auf einer polierten Goldplatte im Vakuum starteten, gekühlt auf wenige Grad über dem absoluten Nullpunkt.

Die drei Schülerinnen dachten sich ein Brettspiel aus, das die Vorgänge des echten Nano-Car-Race nachempfindet und erklärt. Aus Fimo geformte Autos müssen mit Elektronen-Plättchen aufgeladen werden und dann werden sie Feld für Feld weitergeschoben. Die wissenschaftlichen Fakten wurden auf Ereignisfeldern untergebracht.

Jana Sommerrock findet die Nanotechnologie "generell sehr spannend. Die Teilchen sind ja so klein, dass man sich das eigentlich gar nicht vorstellen kann". Lehrer Benjamin Bischoff war beeindruckt, wie viel Arbeit die drei Schülerinnen in das Projekt gesteckt haben. "Es ist toll, wie fachlich präzise sie die komplizierten Nano-Vorgänge in ein Brettspiel umgewandelt haben, das auch jüngere Schüler spielen können". Seine Kollegin aus der Schulleitung, Silke Stöcker, findet den Preis für die drei Schülerinnen großartig: "Naturwissenschaft ist eben unbedingt auch eine weibliche Wissenschaft, das wollen wir am Stetten-Institut auch weiterhin fördern". Die Schulleiterin Barbara Kummer findet das neben-schulische Engagement der jungen Forscherinnen „besonders lobenswert“ und betont auch das Engagement von Lehrer Bischoff. „An unserer Schule regen viele Lehrer die Schülerinnen zu Wettbewerben an. Das ist für alle Beteiligten immer ein Mehraufwand zu den normalen Aufgaben, den ich sehr wertschätze“.

Das Stetten-Institut besteht aus einem Gymnasium mit sprachlicher und naturwissenschaftlich-technologischer Ausrichtung und einer Realschule unter einem Dach (Realschulzweige: Wirtschaft, Französisch, Kunst und Soziales). Die Schulen sind staatlich anerkannt und befinden sich in evangelisch-lutherischer Trägerschaft, verstehen sich aber ausdrücklich als offen für Schülerinnen aller Religionszugehörigkeiten. In Tradition ihrer Gründerin Anna Barbara von Stetten werden ausschließlich weibliche Schülerinnen aufgenommen. Heute besuchen rund 1.100 Mädchen und junge Frauen die beiden Schulen.
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