Badesalze und Kräutermischungen: Situation in Augsburg ist "katastrophal"

Andreas Köjer kümmert sich für die Drogenhilfe um Abhängige.

Am morgigen Donnerstag ist der jährliche Drogentotengedenktag. Vor der städtischen Einrichtung der Drogenhilfe Schwaben liegt für jedes Opfer aus dem Großraum Augsburg ein Stein. 23 sind in diesem Jahr bislang dazu gekommen - zum selben Zeitpunkt des Vorjahres waren es 15. Die Situation sei „katastrophal“, heißt es. Vor allem Badesalze und Kräutermischungen machen den Sozialarbeitern zu schaffen. Sie lösen klassische Opiate als Rauschmittel ab.

Seit 1971 ist die Drogenhilfe in Augsburg tätig, mit psychosozialer Beratung und Hausbetreuung. Den Treffpunkt namens Kontaktladen gibt es seit nunmehr zehn Jahren, als Reaktion auf immer zunehmende Repressionen gegen Abhängige an Königsplatz, Haupt- und Oberhauser Bahnhof.

Die bis zu 50 Besucher kommen aus dieser Szene. Das ist sogar Voraussetzung, um hier verweilen zu dürfen. Zudem dürfen sie nicht jünger als 18 sein. Auch wer nicht süchtig ist, wird weitervermittelt.

Kräutermischungen und Badesalze: Unberechenbare Wirkung


Das trifft oft auf Konsumenten von Kräutermischungen oder Badesalzen zu. Letztere sind Aufputschmittel, die in Augsburg gespritzt werden – eine Methode, die nur in der Fuggerstadt angewendet wird. Diese legal im Internet, und damit ohne Szenekontakt, erhältlichen Substanzen erschweren die Betreuung.

Ihre Wirkung ist unberechenbar. „Es reichen zwei Züge und man kippt um. Oder hat epileptische Anfälle, die bis zu 15 Minuten dauern können“, sagt Sozialarbeiter Andreas Köjer.

Psychosen nehmen zu: Klient kratzt sich Loch in den Arm


Zudem nehmen die Psychosen zu. Er berichtet etwa von einem jungen Klienten, der sich bis zum Knochen ein Loch in den Arm gekratzt hat. Oder einen, der aus Angst vor roten und blauen Lichtern panisch durchs nächtliche Augsburg lief. Durch die neuen Drogen seien zudem die Entgiftungen in Augsburg überbelegt.

Auch die Drogenhilfe benötige eine zusätzliche Stelle. Noch immer jedoch „macht die Politik die Augen zu“, kritisiert die Geschäftsführerin der Drogenhilfe Schwaben Gerlinde Mair.
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